Ein Kreuz kennzeichnet gesperrte Sitzplätze auf einem Tisch einer fünften Klasse im Kreisgymnasium in Bad Krozingen. Am Montag beginnt in den Schulen wieder der Präsenzunterricht in größerem Ausmaß. Dafür wurden Maßnahmen zur Ansteckungsprävention getroffen. Foto: von Ditfurth

Ab Montag "Unterricht im rollierenden System". Lehranstalten vor einem Kraftakt. Zu viele in Risikogruppe?

Stuttgart/Oberndorf - Für manche Schüler ist es rund drei Monate her, dass sie in der Schule unterrichtet wurden. Das soll sich nach den Pfingstferien ändern - trotz Corona. Für die Schulen ist das ein Kraftakt.

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Viel Verständnis und gegenseitige Rücksichtnahme sind gefragt, wenn ab Montag die Schulen nach den Pfingstferien wieder öffnen. Möglicherweise läuft nicht alles rund. Nach den Schulschließungen wegen des Coronavirus sollen jetzt alle Schüler zeitweise wieder in den Schulen unterrichtet werden. Um die Infektionsschutzvorgaben einhalten zu können, erfolgt der Unterricht in einem rollierenden System, also im Wechsel.

Es kann zu Einschränkungen kommen

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sieht die Schulen gut vorbereitet. Sie seien früh über die Pläne informiert worden. Auch der Landeschef des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Gerhard Brand, sagte, unterm Strich werde das "rollierende System" wohl funktionieren. Es könne aber zu Einschränkungen kommen, wenn etwa in kleinen Grundschulen Lehrer ausfielen, weil sie zu Risikogruppen zählten. Derzeit müssen die Lehrerinnen und Lehrer mit einem entsprechenden Formblatt gegenüber ihrer Schulleitung anzeigen, wenn sie einer Risikogruppe angehören und nicht in Präsenz arbeiten können.

Nach Einschätzung der Bildungsgewerkschaft GEW stehen die Schulen vor einem Kraftakt. Es liefen schließlich auch der Fernunterricht und die Notbetreuung für Kinder weiter, deren Eltern in ihren Berufen unabkömmlich seien, sagte GEW-Landeschefin Doro Moritz.

Fahrzeiten der Busse müssen angepasst werden

Die Herausforderung: Die Abstandsgebote sollen in den Schulen eingehalten werden. Weil es nicht genügend große Räume gibt, müssen manche Klassen für den Unterricht in kleinere Gruppen aufgeteilt werden. In den Pausen sollen sich die Schüler nicht durchmischen. Und auch die Fahrzeiten der Schulbusse müssen an den neuen Corona-Stundenplan angepasst werden, wie Moritz zu bedenken gab.

Sie hielt dem Kultusministerium eine mangelnde Kommunikation mit den Schulleitungen in der Corona-Krise vor. Das Ministerium müsse im direkten Austausch erklären, warum welche Maßnahmen wegen des Coronavirus in den Schulen erforderlich seien. "Das würde helfen, Vertrauen wieder aufzubauen", meinte Moritz. Bislang kommuniziere das Ministerium nur per Mail mit den Schulleitungen. Vertreter von Gewerkschaften und Verbänden hatten wiederholt beklagt, die Schulen erführen zuerst aus den Medien von den Plänen des Ministeriums.

Zu viele Lehrer in Risikogruppe?

Die Grundschulen sollen bis Ende Juni vollständig öffnen – dann ohne Abstandsgebote. Eisenmann erklärte, die Konzepte und Verhaltensregeln dazu würden gerade erarbeitet. Die GEW bezweifelt aber, dass eine vollständige Schulöffnung möglich sein wird, da viele Lehrer zu Risikogruppen gehörten und nicht in den Schulen unterrichten könnten.

SPD-Landtagsfraktionschef Andreas Stoch bekräftigte, die Schulen bräuchten klare und verlässliche Vorgaben für den Unterricht bis zu den Somerferien – vor allem aber auch für das neue Schuljahr. "Dazu muss Ministerin Eisenmann endlich die Betroffenen in die Planungen einbeziehen und damit aufhören, ständig neue und unausgereifte Ankündigungen per Pressemitteilung in die Welt zu setzen."

Für die Zeit nach den Sommerferien arbeitet das Ministerium bereits an entsprechenden Konzepten. "Wir haben gute Erfahrungen mit dem Lernen auf Distanz gesammelt, aber ein gemeinsames Lernen vor Ort ist unverzichtbar. Unser Ziel ist deshalb, nach den Sommerferien allen Schülerinnen und Schülern so viel Präsenzunterricht wie möglich in einem Regelbetrieb anbieten zu können", erklärt Eisenmann und ergänzt: "Da das Schuljahr in Baden-Württemberg erst in drei Monaten beginnt, beobachten wir die Entwicklung des Infektionsgeschehens bis dahin natürlich sehr genau und bereiten uns entsprechend auf verschiedene Szenarien vor, um die jeweils notwendigen Rahmenbedingungen sicherzustellen."

Auch Kitas sollen bald vollständig öffnen

Ab Ende Juni sollen in Baden-Württemberg die Grundschulen und die Kindertagesstätten wieder vollständig öffnen können. Grundlage für diese Entscheidung der Landesregierung sind die vorliegenden Erkenntnisse einer Studie, die die Landesregierung bei der Universitätskinderklinik Heidelberg in Auftrag gegeben hat.

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