Das Pro Gäubahn-Bündnis attackiert den Baustart des Pfaffensteigtunnels – ein Segen für Pendler im Schwarzwald-Baar-Kreis oder ein Milliardengrab?
Das Pro Gäubahn-Landesbündnis reagiert mit scharfer Kritik und Empörung auf den Beginn der vorbereitenden Bauarbeiten für den Pfaffensteigtunnel – „einem weiteren Versuch, die gravierenden Planungsfehler von Stuttgart 21 notdürftig zu kaschieren“.
Statt die internationale Bahnverbindung zwischen Stuttgart, Singen, Zürich und Mailand zu stärken, setzten Deutsche Bahn, Bund und Politik, so die Sprecher des Bündnisses, „erneut ein verkehrspolitisch falsches, ökonomisch unverantwortliches und klimapolitisch schädliches Signal“.
Ablenkung von Stuttgart-21-Misere?
Der Pfaffensteigtunnel sei und bleibe eine teure, unwirtschaftliche und verkehrlich sinnlose Fehlplanung, so das Pro Gäubahn Landesbündnis. Er löse kein einziges der strukturellen Probleme der Gäubahn und verschlechtere ihre Leistungsfähigkeit langfristig. Die Bündnissprecher führen einen Nutzen-Kosten-Faktor von unter 0,3 auf und sehen das Projekt als ökonomisch nicht zu rechtfertigend an. „Besonders absurd ist: Die Deutsche Bahn hat bis heute keinen einzigen der Tunnel von Stuttgart 21 auch nur annähernd planmäßig fertigstellen können. Massive Kostensteigerungen, jahrelange Verzögerungen und technische Probleme sind dort längst die Regel.“
Ein weiteres Hochrisikoprojekt solle davon ablenken, „dass Stuttgart 21 insgesamt außer Kontrolle geraten ist“. „Wir sehen diesen Baustart nicht als Fortschritt, sondern als verkehrspolitische Bankrotterklärung“, erklärt Hendrik Auhagen, Sprecher von Pro Gäubahn Konstanz.
„Die Gäubahn wird damit faktisch von ihrer bewährten, leistungsfähigen Trasse abgehängt und in eine umständliche, störanfällige Sackgasse über Flughafen und Tiefbahnhof gezwungen – zulasten der Fahrgäste, der Zuverlässigkeit und des internationalen Schienenverkehrs.“
Das Landesbündnis kritisiert insbesondere die Verdrängung des echten Ausbaus – der zweigleisige Ausbau zwischen Horb und Tuttlingen sei weiter dringend notwendig, nun aber auf unbestimmte Zeit verschoben. Das Bündnis sieht eine Milliardenverschwendung statt Verkehrswende und eine Gefährdung der internationalen Verbindung: „Die neue Streckenführung schwächt eine zentrale Nord-Süd-Achse des europäischen Bahnnetzes und gefährdet die Anbindung an den stabilen und verlässlichen Schweizer Taktfahrplan.“
Das Fordert das Bündnis nun
Das Pro Gäubahn-Landesbündnis fordert Bundesregierung und Deutsche Bahn auf, den Bau des Pfaffensteigtunnels „unverzüglich zu stoppen“ und den zweigleisigen Ausbau der Gäubahn anzugehen. Den Stuttgarter Kopfbahnhof wollten sie dauerhaft als zentrale Anbindung der Gäubahn gesichert sehen.