Auf dem Turniergeviert wird gekämpft Foto: Jügen Lück

Kann man sich Horbs Ritterspiele sparen? Rathausspitze und Gemeinderat müssen den Rotstift ansetzen – wegen der Finanzkrise. Eine Analyse.

Die 27. Ritterspiele sind zu Ende. 2200 Euro weniger Tickets wurden verkauft. Damit dürfte die Summe, die das Rathaus in das Spektakel steckt, größer sein als in den Vorjahren. Heikel, da jetzt aufgrund der Finanzkrise ohnehin gespart werden muss. Eine Analyse.

 

Horbs OB Peter Rosenberger (CDU) ist vorangegangen: Er hatte schon zum Jahreswechsel verkündet, dass man auch die Ritterspiele in der Haushaltsstrukturkommission überprüfen muss.

Wie viel zahlt die Stadtkasse drauf für die Ritterspiele? Die Ritterspiele 2024 spülten laut Haushalt 206 000 Euro an Erträgen aus den Ritterspielen in die Kasse. Diese Einnahmen speisen sich aus drei Quellen: den verkauften Tickets für „Wegezoll“ und Turnier, einem Anteil am Getränkeverkauf und aus den Gebühren, die die Marktbeschicker zu zahlen haben. Laut Rosenberger beträgt der „Umsatz“ der Ritterspiele 250 000 Euro. Er deutet an, dass damit die Einnahmen plus die Sponsorenzahlungen gemeint sind.

Wie hoch sind die Kosten für die Ritterspiele? Security, Auf- und Abbau, Service (Kasse, Getränkeausschank), Programm. Wenn alles stimmt, zieht das Zuschauer. Seit dem Aus der Veranstaltungsagentur MPS („Medien-Presse-Service“, nicht zu verwechseln mit dem heutigen Mittelalterveranstalter MPS, Mittelalterliches Phantasie Spectaculum) hat das Rathaus vieles für 8 Euro pro Stunde an Ehrenamtliche vergeben. Laut Stadtmarketing-Chefin Claudia Beuter sind 150 Ehrenamtliche beschäftigt. Beuter: „Wir haben noch mehr Anfragen.“

Worin besteht der Benefit der Ritterspiele? Teile der Rathausmitarbeiter arbeiten auch mit bei den Ritterspielen. Sie bekommen dafür Überstunden. Vereinsförderung. Stadtmarketing-Chefin Beuter: „Es machen viele Narrenzünfte mit. Die haben für die Fasnet hohe Kosten.“ Damit helfen die Ritterspiele, unser zweites, großes Fest – die Fasnet – in ihrer Qualität zu erhalten. OB Rosenberger: „Vereinsförderung par excellence.“

Teambuilding. Statt teures Geld in Abenteuer-Seminare oder Schulungen zu schicken, finden Rathaus-Mitarbeiter, Ehrenamtliche und Rettungskräfte zusammen. Rathaussprecherin Inge Weber: „Die Ritterspiele haben alle Akteure zusammengeschweißt.“

Event-Expertise. Falls wieder ein neues Mini-Rock in Horb auftauchen sollte, stehen die Strukturen mit Kosten-Einschätzung und Security. Nicht zu vergessen: Die Mini-Rocker warfen 2018 unter anderem hin, weil ihnen erst kurz vor dem Festival das neue Sicherheitskonzept mitgeteilt wurde. Fraglich, ob das heute bei den für Veranstaltungen sensibilisierten Rathaus-Mitarbeitern noch mal passieren würde.

Wie viel Minus dürfen die Ritterspiele machen? Volkswirtschaft und Werbung. Der „Goldene Adler“ sagt laut Stadtmarketing-Chefin Beuter: „Fünf Prozent unseres Jahresumsatzes werden durch die Ritterspiele generiert.“ Horbs Ex-OB Michael Theurer (FDP) sagt: „Der Werbeeffekt für Horb muss gegen die Kosten gerechnet werden.“ Fakt ist: In den Endzeiten, als noch MPS Wünsche die Ritterspiele als Betreiber abgewickelt hatte, garantierte das Rathaus im Jahr 2018 eine Garantie-Zahlung als Zuschuss in Höhe 30 000 Euro . Damit das Ritterturnier auf dem Marktplatz stattfinden könne. OB Rosenberger: „Wenn alles optimal läuft – auch mit den zahlenden Zuschauern – können die Ritterspiele eine schwarze Null schreiben.“

Die Zahl der zahlenden Zuschauer schwankt zwar – je nach W etter oder Parallel-Events wie die Fußball EM 2024 – aber sie bewegt sich in einem Korridor zwischen 11 800 und 14 000 bis 15 000 verkauften Tickets. Das war auch zu Zeiten von MPS Wünsche schon so.

Wie kann man die Einnahmen erhöhen? OB Rosenberger: „Man könnte ein Eintrittsmodell für den Horber Abend überlegen.“ Fakt ist: Wegen der Fußball-EM 2024 kamen im letzten Jahr knapp 7100 Besucher, in diesem Jahr 14 000 Gäste. Rosenberger: „Hier gibt es einen ständigen Trend nach oben.“ Bürgermeister Zimmermann: „Davon halte ich gar nichts. Der Horber Abend dient als Entschädigung für die Horber für die Beschränkungen durch die Ritterspiele.“