Ein neues Gewächshaus im Schulgarten der Realschule Villingendorf ist weit mehr als nur ein Unterstand für Setzlinge.
Wer den Schulgarten der Realschule Villingendorf betritt, sieht seit Kurzem eine solide Konstruktion aus Holz und Plexiglas. Das Projekt entstand im Rahmen des Wettbewerbs „Mach was“ der Initiative Würth, die bundesweit Projekte an Schulen mit insgesamt 200.000 Euro fördert.
Doch hinter der Fassade aus Glas und Holz steckt eine tiefere Botschaft über den Wert moderner Ausbildung. In Zeiten des Fachkräftemangels erleben Haupt- und Realschulen eine Renaissance in der Gunst der Wirtschaft. Während jahrelang das Abitur als Nonplusultra galt, haben viele Betriebe umgedacht.
Von Planung bis Montage
„Die praxisnahen Bezüge, die an Schulen wie in Villingendorf vermittelt werden, machen diese Abschlüsse für uns oft wertvoller als rein akademische Werdegänge“, sagt Unternehmerin Maximiliane Scheidel. Wer bereits in der Schule ein Projekt von der Planung bis zur Montage begleitet habe, könne eine Selbstständigkeit entwickeln, die in der Ausbildung Früchte trage.
Neben der Firma SK Scheidel Kunststoffe-Glas aus Villingendorf, die die Plexiglas-Elemente und die Beratung beisteuerte, war ebenso Georg Albrecht aus Rottweil mit dem Holzbau am Projekt beteiligt.
Große Chance, Talente zu wecken
Die Schüler der Klassen 7 bis 10 waren nicht nur Zuschauer, sondern Teil des Entstehungsprozesses. „Die Anzucht im Garten kann nun viel früher beginnen“, freut sich die begleitende Lehrerin. Doch der eigentliche Ertrag ist das geweckte Interesse am Handwerk.
Maximiliane Scheidel sieht in solchen Kooperationen eine große Chance, Talente zu wecken. Trotz stabiler Personallage ihres Unternehmens bleibe die Suche nach Azubis schwierig. Oft wegen einer starken Fixierung auf Studium und Industrie. „Es geht darum, Berührungsängste abzubauen“, so Scheidel.
Dass dies gelingt, zeigt die Erfahrung: Ein früheres Experiment, bei dem Schüler versuchten, eine Hochsicherheitsscheibe zu zerstören, führte direkt zu Praktikumsanfragen und späteren Ausbildungsverträgen, sagt Scheidel.
Umwege zum Traumberuf
Auch Uwe Dreier (61), der das Projekt für die Firma Scheidel begleitete, betont den Wert dieser frühen Orientierung. Er selbst fand erst über Umwege zu seinem Traumberuf als Zimmerer. Für ihn ist die Zusammenarbeit eine klassische Win-win-Situation: Betriebe sichern sich den Nachwuchs von morgen, und die Jugendlichen erhalten eine Anerkennung für ihre praktischen Fähigkeiten.
Das Gewächshaus in Villingendorf sei Symbol für eine moderne Berufsorientierung, die zeige: Das Handwerk braucht den Nachwuchs – und die Schüler brauchen Perspektiven, die sie „greifen“ können.