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Neuweiler Corona: "Die alten Leute werden einfach vergessen"

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Ohne Maske geht auch in der Herbstrose in Neuweiler nicht viel. (Symbolbild) Foto: lettas – stock.adobe.com

Neuweiler - Die Tagespflege Herbstrose in Neuweiler hat seit dem 2. Juni wieder eingeschränkt geöffnet. Die Vorbereitungen seien ein Kraftakt gewesen, wie Pflegedienstleiterin Hannelore Rack dem Schwarzwälder Boten berichtet. Trotz der vielen Bemühungen könne man den Senioren nur zum Teil gerecht werden.

Seit dem 17. März musste die Tagespflegeeinrichtung "Herbstrose" in Neuweiler aufgrund der Corona-Pandemie schließen. Für die Mitarbeiter bedeutete das, Kurzarbeit auf unbestimmte Zeit. Für die Senioren fiel dadurch ein fester Bestandteil ihres Alltags weg. Und für die Angehörigen war es eine zusätzliche Belastung. Inzwischen ist die "Herbstrose" wieder geöffnet, allerdings mit "erheblichen Einschränkungen".

Zahlreiche Fragen zum Konzept zu beantworten

Pflegedienstleiterin Hannelore Rack weiß nicht so recht, wo sie anfangen soll, als sie nach den Einschränkungen gefragt wird. An ihrer Stimme wird klar, dieser Moment am Telefon ist wahrscheinlich der erste an diesem Tag, an dem sie mal durchatmen kann. Ab dem Moment der Schließung ging für Rack die Arbeit erst so richtig los. "Ich war nur noch dran, Konzepte für eine Wiederöffnung zu erstellen", erklärt sie.

Wie können die Senioren von zuhause abgeholt werden? Dürfen Besucher kommen? Wie kann auf die Abstands- und Hygienevorschriften geachtet werden? Welche Aktivitäten sind noch erlaubt? Fragen über Fragen, die Rack beantworten musste.

"Mir haben vor allem die Senioren leid getan. Alle wollten sie trotzdem zu uns in die Tagespflege kommen", sagt Rack. In der Zwischenzeit hat das "Herbstrose-Team" auch Einkäufe für die Senioren erledigt, um den Angehörigen unter die Arme zu greifen. Bevor die Tagespflege wieder öffnete, habe Rack die Senioren besucht und mit den neuen Regeln vertraut gemacht.

Die Einweisungen seien nicht einfach gewesen. Sie habe viel Aufklärungsarbeit im Vorfeld leisten müssen.

In Nicht-Corona-Zeiten stehen in der Tagespflegeeinrichtung, die der Verein "Miteinander & Füreinander" eröffnet hat, 20 Plätze für pflegebedürftige Senioren, die noch zu Hause leben, zur Verfügung. Derzeit können nur elf Personen kommen. "Jetzt suchen sie mal aus, wer kommen darf und wer nicht", sagt die Leiterin und klingt fast schon verzweifelt.

Ähnlich wie bei der Notbetreuung von Kinder habe sich Rack dann dafür entschieden, dass Senioren betreut werden, deren Angehörige einen systemrelevanten Beruf haben. Menschen mit schwerer Demenz können momentan gar nicht betreut werden. "Sie vergessen die Regeln zu schnell", erklärt Rack.

Ein Tag in der "Herbstrose" sehe anders aus als noch vor Corona. "Wir haben derzeit eine Eins-zu-Eins-Betreuung", sagt die Leiterin. Schon beim Abholen müsse darauf geachtet werden, dass nicht mehr als zwei Personen plus Fahrer im Auto sitzen. In der Tagespflege angekommen müssen die Senioren Hände desinfizieren und einen Mund-Nasen-Schutz tragen. An ihrem Platz können sie den aber abnehmen. "Früher hatten wir ein kleines Buffet aufgebaut und jeder konnte sich nehmen, was er wollte. Jetzt bringen wir den Senioren das Essen direkt an den Tisch", erklärt sie. Immer wieder die Hände zu desinfizieren ist Alltag geworden. Auch die Aktivitäten halten sich aufgrund der Abstandsregelungen in Grenzen. "Wir gehen spazieren und machen Bewegungsübungen", erklärt Rack. Die Senioren seien verständnisvoll. Nur weil alle an einem Strang ziehen, würde es so gut klappen. Trotzdem glaubt Rack, dass dadurch der gemeinschaftliche Sinn der Tagespflege auf der Strecke bleibt.

Angst vor einer zweiten Infektionswelle

Trotz der Vorkehrungen hat Rack Angst vor einer zweiten Infektionswelle, die mit der bevorstehenden Urlaubszeit einhergehen könnte. "Wir können nicht kontrollieren, was passiert, wenn die Senioren daheim sind. Wenn die Angehörigen sie zum Beispiel zu Familienfesten abholen. Im schlimmsten Fall einer Infektion, könnte man dann die Ansteckungskette nicht mehr nachvollziehen", erklärt die Pflegedienstleitung. Die Mitarbeiter seien darauf angewiesen, dass die Senioren ihnen Bescheid sagen. "Sie befürchten dann aber, dass sie nicht in die Pflege zu uns können und dem ist auch so", erklärt Rack.

Wäre es aufgrund der Einschränkungen, Hindernisse und Befürchtungen dann nicht besser, die Tagespflege noch geschlossen zu lassen? "Für uns vielleicht, aber nicht für die Senioren. Und für sie machen wir das. Die Dankbarkeit lässt einen weitermachen", erklärt Rack. Auch deren Angehörige wolle man entlasten. Doch wirtschaftlich würde sich das nicht rechnen. "Das ist ein großes Drauflege-Geschäft", sagt Rack. In der ganzen Corona-Diskussion sind ihr die Senioren immer zu kurz gekommen.

Am Anfang habe man über die Infektionen in Pflegeheimen noch wüste Geschichten lesen können, aber mittlerweile finden sich ihrer Meinung nach nur noch die Eröffnung von Kindergärten und Freizeitstätten in den Medien. "Die alten Leute werden einfach vergessen", klagt sie.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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