Museen in Trossingen
: So wird die Vergangenheit lebendig

Mit der VR-Brille in die Vergangenheit eintauchen: Mit modernster Technik wird im Deutschen Harmonikamuseum Zug um Zug die Geschichte Hohners und Trossingens erlebbar gemacht.
Von
Ingrid Kohler
Oberndorf
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Die Digitalisierung ist das Steckenpferd von Museumsleiter Salvatore Martinelli. Mittels VR-Brille können die Besucher bereits in die Vergangenheit des Kesselhauses reisen. Bis 1927 soll diese Reise in die Vergangenheit, möglicherweise auch in die Zukunft, im ganzen Stadtgebiet möglich sein.

Ingrid Kohler

Bis jetzt steht lediglich eine Virtuelle-Realität-Brille zur Verfügung. „Aber die wird schon sehr rege genutzt“, freut sich Salvatore Martinelli, der Leiter des Deutschen Harmonikamuseums.

Konkret handelt es sich um eine Demo-Version, doch schon bald wird es möglich sein, mit virtueller Realität in die Vergangenheit nicht nur des Kesselhauses, sondern des ganzen Hohner-Areals und später sogar der ganzen Stadt Trossingen einzutauchen.

„Es wird sogar möglich sein, mit historischen Personen, wie Firmengründer Matthias Hohner zu sprechen“, weckt Martinelli die Neugier der künftigen Museumsbesucher. Die Digitalisierung ist Salvatore Martinellis Steckenpferd. Ein großes Feld also, um sich für die zukünftige Ausrichtung des Deutschen Harmonikamuseum „auszutoben“.

Virtual Hohner

Eines davon ist das neue Projekt „Virtual Hohner“. Mit der Virtual-Reality-Brille auf dem Kopf sieht man aktuell das Kesselhaus im Jahr 1997 mit den beiden Schornsteinen, die dann gesprengt wurden. Bei der Sprengung habe ein Zeitzeuge gesagt „Jetzt ist Trossingen wieder ein Dorf“, weiß Martinelli. Mittels Joystick tritt man in das Gebäude ein und kann sich innen umschauen. Da viele Leute das Kesselhaus kennen, habe man mit diesem begonnen.

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Im nächsten Schritt kommt die Visualisierung der Hohner-Gebäude D, E und F an der Hans-Lenz-Straße, die abgetragen wurden und der Blick aufs Trossinger Rathaus. Entsprechende Lagepläne vom gesamten Hohner-Areal liegen aus den Jahren 1930 und 1982 vor, um die gesamte Geschichte zu erkunden. Dabei hat Martinelli ein sportliches Ziel. „Wenn es finanziell möglich ist, wollen wir in diesem Jahr das Hohner-Areal abschließen, 2026 geht es an die gesamte Stadt, um rechtzeitig zum Stadtjubiläum 1927 einen historischen Stadtrundgang zu präsentieren. Mit rund 150 000 Euro schlägt das Projekt zu Buche, das von der Stadt Trossingen und der Firma Hohner unterstützt wird. Außerdem sei man derzeit um Fördergelder bemüht.

Digitale Spendentafel

Auch gibt es eine digitale Spendentafel. „Jeder gespendete Euro kämpft für dieses Projekt“, betont Salvatore Martinelli. „Es kann über die Jahre upgedated werden.“ Bis zu den Feierlichkeiten zu 100 Jahre Stadtrechten und 200 Jahre Mundharmonika sollen 20 solcher VR-Brillen angeschafft werden. Eine Brille kostet 500 bis 600 Euro. Doch schon heute bekomme das Projekt „Virtual Hohner“ großen Zuspruch. „Jeder Besucher ist willkommen und kann die Brille benutzten.“

Einweisung hierfür gibt es vom Museums-Chef persönlich. Es sei insgesamt ein sehr großes Projekt, aber zeitlos. So könne er sich auch Zukunftsprojekte vorstellen. „Zum Beispiel den Rudolf-Maschke-Platz wie er in zehn Jahren aussehen könnte“ – also nicht nur der Blick in die Vergangenheit, sondern auch in die Zukunft ist möglich.

Spannend für Kinder

Hochspannend sei das Projekt für Kinder. „Wir haben die Möglichkeit, Sound zu integrieren wie beispielsweise die traditionelle Hohner-Kuh, die in früheren Zeiten dem Alltag in Trossingen Struktur gegeben hat.“ Oder man könne den Figuren Fragen stellen, so dass Firmengründer Matthias Hohner, Christian Weiss oder Andreas Koch die entsprechenden Antworten geben. Ja, es sei die Aufgabe des Museums, dies alles zu rekonstruieren. Und Martinelli weiß: „Wir sind federführend, denn bisher bietet kein anderes Museums so etwas“. Es gebe bereits Kontakte mitanderen Museen, die ihr Interesse bekundet hätten.

Virtuelle Schnitzeljagd

Es handele sich um ein Generationen übergreifendes Projekt, wobei sich jüngere Besucher sicherlich gerne auf die virtuelle Schnitzeljagd begeben. Auch einen Stadtführung anno 1927 wird möglich sein. „Besucher des Deutschen Harmonikamuseums können dann beispielsweise mit der Brille direkt ins Zeughäusle reingehen.“ Martinelli sieht im Projekt „Virtual Hohner“ nicht nur „eine super Arbeit für das Museum, sondern auch für das Stadtarchiv als Form der Speicherung auch noch in 100 Jahren“. Außerdem sei die Stadtgeschichte hochspannend für den Tourismus. Insgesamt also ein ambitioniertes Ziel für Salvatore Martinelli, der schmunzelnd meint: „Diese Ziele braucht man – auch wenn am Ende nur 50 Prozent realisiert wird“. Sollte noch jemand historische Dokumente oder Fotos beisteuern können, dann sich gerne mit dem Deutschen Harmonika in Verdingung setzten.

Historisches gesucht

Doch auch sonst steht die Zeit im Deutschen Harmonikamuseum nicht still, denn aktuell wurde ein Teil des Schaudepots abgebaut, um zum einen Platz zu schaffen für das Projekt „Virtual Hohner“ und die VR-Brillen. Zum anderen aber auch für die inzwischen alle vier Wochen stattfindenden Konzerte von Studenten des Hohner-Konservatoriums, die großen Zuspruch erfahren.

Außerdem sind für dieses Jahr zwei Sonderausstellungen geplant, eine zum Thema Mundharmonika-Hersteller außerhalb Deutschlands sowie eine im Rahmen des World Harmonika Festivals Ende Oktober 2025. Für die Halloween Party am 31. Oktober mit Livekonzert und der anschließenden Nacht im Museum ist der Kartenvorverkauf bereits angelaufen.