Gemeinderat Trossingen: So wird das Hohner-Areal von früher erlebbar gemacht

Die Werkshallen und Kamine der Musikinstrumentenherstellung prägten das Bild Trossingens. Mit der Digitalisierung soll ein virtueller 3D-Stadtrundgang durch diese Zeugnisse der Geschichte möglich werden
Deutsches HarmonikamuseumDas Deutsche Harmonikamuseum, das im Untergeschoss des Gebäudes Hohnerstraße 4/1 die größte Mundharmonikasammlung der Welt beherbergt, hat vor kurzem ein digitales Zukunftsprojekt gestartet.
Museumsleiter Salvatore Martinelli stellte „Virtual Hohner“ dem Gemeinderat vor und bat um eine finanzielle Unterstützung in Höhe von 50 000 Euro. Konkret geht es um die digitale Rekonstruktion des Hohner-Areals, das für die Stadt Trossingen prägend im Zentrum liegt. Damit kann dieses bedeutende Kulturerbe in seiner vollen historischen Tiefe erlebbar gemacht werden.
Virtuelle Tour
Martinelli, der seit neun Monaten neuer Direktor des Museums ist, hat bereits mit Hilfe einer IT-Firma und mehrerer Ehrenamtlicher damit begonnen, die virtuelle Tour durch die frühe Industriegeschichte Trossingens aufzubauen und mit Hilfe historischer Bilder ein modernes 3D-Modell zu schaffen. „Das ist nur der erste Schritt“, kündigte er vor dem Gemeinderat an.
Denn nach der geplanten digitalen Rekonstruktion des Areals könnte sich der Museumsleiter vorstellen, auch noch die restliche Stadt aufzuarbeiten, sodass Interessenten, die sich eine Virtual-Reality-Brille aufsetzen, in die Zeit um 1827, wahlweise aber auch 1900 oder 1950 eintauchen können.
Der Museumsleiter schwärmte, damit könne man Trossingen und seine Geschichte der Musikinstrumentenherstellung „für ein globales Publikum erlebbar“ machen und gleichzeitig Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft präsentieren. Der virtuelle Stadtrundgang werde ein innovativer Magnet für Touristen und Besucher und könne in die Stadtjubiläumsfeierlichkeiten integriert werden.
Suche nach alten Bildern
„Wir könnten damit eine Stadtführung durch die Zeit vor 100 Jahren machen“, so der Historiker Salvatore Martinelli, der in Kassel, Florenz und Neapel Geschichte studiert hat. Das Museum könne dabei aus einem riesigen Bildarchiv schöpfen. Dennoch rief der Museumsleiter die Bevölkerung auf, alte Bilder dem Museum zur Digitalisierung anzubieten, denn möglicherweise schlummert in einem Fotoalbum oder einer Kiste auf noch ein unentdecktes Bild, das man dann gerne hätte.

Das Hohner-Areal heute.
Foto: Hans-Jürgen EisenmannWie Bürgermeisterin Susanne Irion sagte, erfolgt die digitale Rekonstruktion des Hohner-Areals in Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Harmonikamuseum und der Firma Hohner, hierfür sind rund 100 000 Euro für Soft- und Hardware notwendig. Der Gemeinderat befürwortete die Beteiligung der Stadt Trossingen, das Geld wird aber nicht sofort benötigt, denn das Museum stellt einen Zuschussantrag beim Land und hofft auf bis zu 90 Prozent Förderung. Im Moment verfügt das Museum noch über 14 000 Euro liquide Fördermittel der Stadt Trossingen.
„Wir können dann jedes Jahr entscheiden, was wir noch dazu geben“, so Bürgermeisterin Susanne Irion. Die Digitalisierung der gesamten Stadt würde rund eine halbe Million Euro kosten. Einen Vorteil sieht die Bürgermeisterin darin, dass man zum Beispiel den Rudolf-Maschke-Platz, der verändert werden soll, visualisieren könnte, sodass Bürger die künftige Gestaltung in einer dreidimensionalen Darstellung anschauen könnten.