Eingeseift und abgestraft: Gibt es 2026 keinen Umzug in Lörrach? (Symbolbild) Foto: Kristoff Meller

Die Narrengilde hat die Lörracher Straßenfasnacht 2026 abgesagt. Wie sehen die Reaktionen aus? Eine interne WhatsApp der Gilde wirft zudem Fragen auf.

Als Grund für die Absage wird von der Narrengilde – laut städtischer Pressemitteilung – „der zu geringe Finanzierungswille durch die Stadt Lörrach“ angeführt.

 

Die Stadt befand sich indes unter Beteiligung weiterer Akteure noch in Verhandlungen über eine Kompromisslösung mit der Gilde, die eine Erhöhung des städtischen Zuschusses auf 40 000 Euro gefordert hatte.

Die Stadtverwaltung hatte im Gegenzug insgesamt rund 20 000 Euro Unterstützung für 2026 zum 90-jährigen Bestehen der Fasnacht vorgeschlagen sowie die gewohnten Sachzuschüsse (Werkhof). Nun erfolgte überraschend die Absage durch Obergildenmeister Michael Lindemer, die er per Mail an die Stadt schickte.

Auch die Gugge-Explosion in der Innenstadt ist abgesagt (Archivbild). Foto: Adrian Steineck

Ein großer Scherbenhaufen

„Ich bin total überrascht. Die Absage hat mich als großen Narrenfreund kalt erwischt“, sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Günter Schlecht auf unsere Nachfrage und zeigt sich reichlich konsterniert. Er würde sich eine Portion mehr „gesunden Narrenverstand“ in der Sache wünschen. Schließlich sei man doch in puncto lösungsorientiertem Weg mit der Gilde auf einem guten Weg gewesen. „Ich finde das nicht in Ordnung. Wir stehen jetzt vor einem großen Scherbenhaufen.“

Nach Schlechts Meinung müsse die Lörracher Fasnacht nicht jedes Jahr größer und neu erfunden werden. Wichtig sei, dass die beliebte Tradition auf den Straßen gefeiert werde – und zwar in der Innenstadt. Schließlich seien gerade der Umzug und die Gugge-Explosion ein freudiger Anlass für Familien, Kinder und Gäste von auswärts. Das ständige Hin und Her an Mails von Seiten der Organisatoren hält er für wenig angemessen.

„Ich hoffe, dass alle noch zur Vernunft kommen und Grabenkämpfe sowie Eitelkeiten beiseite lassen – im Interesse der Fasnacht!“ Es stimme im übrigen nicht, dass die Stadt das Ehrenamt nicht unterstütze. Allerdings sei dieses angesichts beschränkter Haushaltsmittel begrenzt.

Ulrike Krämer ist sehr enttäuscht

Ulrike Krämer, CDU-Fraktionsvorsitzende, ist einigermaßen fassungslos. „Ich bin sehr überrascht und bedaure den abrupten Abbruch der sehr konstruktiven Gespräche“, sagt sie. Dabei sei das klare Bekenntnis der Stadtverwaltung zur Fasnacht doch stets spürbar gewesen. Die finanziellen Möglichkeiten der Stadt müssten indes berücksichtigt werden.

„Für die Tradition Fasnacht ist diese Absage sehr schade.“ Letztere findet sie auch daher umso unverständlicher als finanzielle Lücken für die Gilde – beispielsweise für eine Schlechtwetterlage – geschlossen worden wären. Sie stehe zum Angebot der Verwaltung. Dass jetzt wieder ein Bruch herbeigeführt wurde, findet sie enttäuschend.

Hoffnung auf eine Verständigung hegt sie immer noch. Aber: „Jetzt ist die Gilde am Zug“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung.

„Absage ist nicht im Sinne der Fasnacht“

Absolut unverständlich findet der Grünen-Fraktionsvorsitzende Fritz Böhler die Absage der Gilde „Wir haben uns sehr viel Zeit genommen und mit allen Beteiligten verhandelt. Dabei wurden alle problematischen Punkte ausgeräumt“, so sein Empfinden. „Wir haben auf eine ruhige und schöne Fasnacht gehofft.“ Die plötzliche Absage findet er nicht nachvollziehbar. „Und ich bezweifle, dass diese im Sinne der vielen Lörracher Fasnächtler und der breiten Masse ist.“ Das Ganze zeige die Unberechenbarkeit des Obergildenmeisters, die sich leider schon in früherem Schriftverkehr gezeigt habe.

Was haben die Uhren für die Lörracher Fasnacht geschlagen? (Archivbild) Foto: Kristoff Meller

Nach der gemeinsamen Aussprache habe er auf Besserung gehofft und sei von der unerwarteten Absage der Gilde enttäuscht worden.

Ob doch noch eine Lösung gefunden wird? Laut Fritz Böhler sei das nur schwer einzuschätzen.

Verständnis für Absage des Obergildenmeisters

Verständnis für die Absage des Obergildenmeisters zeigt hingegen Matthias Lindemer von den Freien Wählern. „Es ist sehr schade, aber nachvollziehbar.“ Die Fasnacht leide unter immer neuen Auflagen, von Bund, Land und Stadt. Die Kosten indes müssten die Veranstalter tragen. „Wenn diese Auflagen nicht mehr tragbar sind, muss es irgendwann einen Punkt geben, an dem der Obergildenmeister eine Entscheidung trifft.“

Er habe es zudem schon öfter erlebt, dass angeblich harmonische „Absprachen mit der Stadt divergiert“ seien. Er hofft dennoch, dass eine Lösung gefunden wird: „Dafür müssen Gilde und Stadt aber aufeinander zugehen. Und dann ihre beiderseitigen Absprachen auch einhalten.“

Gibt es doch einen Umzug?

Aufhorchen lässt auf jeden Fall eine uns vorliegende interne WhatsApp eines aktiven Fasnächtlers, die offenbar vom Obergildenmeister Michael Lindemer stammt. Darin heißt es: „Liebe Umzugsteilnehmer. Bitte lasst euch nicht verunsichern oder ins Boxhorn jagen. Es wird auf jeden Fall einen Umzug geben. Die Info: Wo und in welcher Form senden wir euch Mitte/Ende Oktober zu. Freut euch auf 90 Jahre Narrengilde Lörrach. Viele Grüße Euer Michi“.

Für eine Stellungnahme von Seiten der Narrengilde war am Montag niemand erreichbar.