Clemens Hummel rüstet Oldtimer auf E-Autos um und wird sich mit seiner Werkstatt im Zentralbereich niederlassen. Foto: Eich

Einen Oldtimer als Elektrofahrzeug? Was zunächst nach Widerspruch klingt, macht Clemens Hummel möglich. Der gebürtige Villinger will auf dem Gebiet der Elektromobilität nun richtig durchstarten und plant dafür einen großen Neubau.

Villingen-Schwenningen - Erst seit wenigen Monaten ist Clemens Hummel selbstständig. Denn: Seinen bisherigen Job als Projektentwickler hat der 39-Jährige an den Nagel gehängt, um seinen Traum zu verwirklichen: Oldtimer auf Elektroantrieb umzurüsten.

 

Schon als Kind begeistert

Einen sicheren Arbeitsplatz aufgeben, um voll auf einen eigenen Betrieb zu setzen? Um dieses Wagnis und die Leidenschaft für das Projekt zu verstehen, muss der verheiratete Familienvater weit zurück in seiner Biografie. Und zwar bis zu seinem zehnten Lebensjahr: Schon damals habe er dem Nachbarn beim Reparieren von Stockcar-Rennautos geholfen – das Feuer für die Schrauberei an Fahrzeugen war in ihm entfacht.

Die logische Konsequenz war eine Ausbildung als Kfz-Mechaniker. Einige Jahre in dem Beruf brachten ihm jedoch nicht die erwartete Erfüllung. "Ich habe mir damals gesagt: ›Zehn Ölwechsel am Tag sind nicht das, was ich weiter machen möchte‹", erinnert sich der 39-Jährige. Er stieg deshalb um.

Erster Sachverständiger für Elektroautos in der Region

Fachhochschule, Studium zum Diplom-Ingenieur und anschließend der Einstieg in die Entwicklung von elektrotechnischen Komponenten. Zunächst im Bereich LED ("hier gab es anfangs die gleichen Windmühlen wie bei der E-Mobilität"), anschließend in die Automotive-Branche mit Komponenten für die E-Autos.

Nebenher baute er sich sein zweites Standbein auf: Erst als Kfz-Sachverständiger und Restaurator, dann ließ er sich mit der Ausbildung zur "Elektrofachkraft für Hochvolt-Systeme in Kraftfahrzeugen" spezialisieren – und war in der Region der erste Sachverständige für Elektroautos.

Kundenbedürfnisse stehen im Mittelpunkt

Sein Interesse an Innovationen und die Leidenschaft für Oldtimer mündeten schließlich in das neue Geschäftsfeld. Viele Gutachten und Oldtimer-Restaurationen später, entschied Hummel schließlich: "Ich muss jetzt kündigen und mache einfach das, was mir Spaß macht."

Gesagt, getan. An diesem Punkt steht der 39-jährige Vater zweier Kinder nun, und erzählt, wie so eine Umrüstung auf ein E-Auto funktioniert. Zunächst werden alle Teile, die nicht mehr benötigt werden – Motor, Getriebe, Tank – ausgebaut, um anschließend ein Konzept zu erstellen: Welche neuen Komponenten werden benötigt, um die Bedürfnisse des Kunden zu befriedigen und wie können sie untergebracht werden?

Kosten fangen bei 15.000 Euro an

Er betont: "Das ist Manufaktur, weil jedes Bauteil speziell angefertigt werden muss." Denn beispielsweise die Batterieboxen müssen am Ende ganz genau passen. Prüfingenieure begleiten dabei den Umbau und erteilen nach umfangreicher Prüfung die entsprechende Betriebserlaubnis.

Aufwand, der natürlich nicht gerade günstig ist. Für die Umrüstung eines Fiat 500 müsse man mit 15 000 Euro rechnen, in der Regel sind laut des Experten etwa 45 000 Euro fällig – wobei es nach oben keine Grenzen geben würde.

E-Auto als Pufferspeicher nutzbar

Dabei gebe es mehrere Gründe, weswegen Kunden auf ihn zukommen. "Das sind beispielsweise Menschen, die ihre Oldtimer schätzen und sie zukunftsfähig machen möchten", erklärt er. Das Fahrzeug könne aber ebenso als Pufferspeicher für die eigene Photovoltaikanlage genutzt werden.

Klar ist aber auch: Der Sound fehlt. Es gäbe zwar Soundgeneratoren, aber der Oldtimer-Liebhaber vermutet ohnehin, dass sich das Mindset in dieser Hinsicht ändern wird: "Aktuell liebe ich noch den tollen Klang eines V8-Motors, in zehn Jahren betrachte ich das vermutlich als Lärmbelästigung."

Neubau im Zentralbereich geplant

Grundsätzlich ist der 39-Jährige davon überzeugt, dass sich die E-Mobilität durchsetzen wird, allein aufgrund der höheren Effizienz gegenüber eines Verbrennungsmotors. Und: Im Gegensatz zur 100 Jahre andauernden Forschung am Verbrenner, würde man sich erst fünf Jahre ernsthaft mit Elektrofahrzeugen beschäftigen. Es gäbe also noch viel Potenzial.

Die Umrüstungen möchte Hummel nun auf ein neues Level heben – für seine Firma "Legend Motors" plant er deshalb einen Neubau. Ursprünglich war geplant, ab dem Frühjahr 2022 im Gewerbegebiet Nunnensteig, hinter dem Toom-Baumarkt, eine energieeffiziente 1250 Quadratmeter große Gewerbehalle bauen zu lassen.

2022 soll der Spatenstich sein

Lange habe er nach passenden Möglichkeiten für größeren Flächen gesucht, auch sei es nicht einfach gewesen, ein Bauunternehmen zu finden. Zuletzt habe ihm die Erhöhung der Baupreise nicht gerade in die Karten gespielt. Auch Corona und der Ukraine-Krieg sorgten für Schwierigkeiten. An den Plänen, dieses Jahr mit dem Bau zu beginnen, will er aber festhalten.

Geplant sei bislang, bis zu zehn Personen einzustellen: Mechaniker, Karosseriebauer, CAD-Konstrukteur und Elektroniker. Zudem würden sich in der neuen Werkstatt neben der Hebebühne auch Maschinen befinden, die es in einer klassischen Kfz-Werkstatt nicht gebe – beispielsweise Dreh- und Fräsmaschinen oder 3D-Drucker.

Die Vorfreude auf den großen Einstieg in das Projekt (derzeit wartet er auf die Baungenehmigung) ist dabei riesig. Und Hummel betont: "Das Interesse ist brutal groß." Seinem Traum dürfte also bald nichts mehr im Weg stehen.