„Nudel-Kiri“ (rechts) besucht mit seinen Marktschreier-Kollegen den Osterfischmarkt in Weil am Rhein. Foto: Jobo

In Weil am Rhein lockt der Osterfischmarkt über die Feiertage mit vielen Angeboten. Mit dabei: Marktschreier wie Nudel-Kiri – die Redaktion hat mit ihm gesprochen.

Zum zweiten Mal nach 2024 kommt die „Echte Gilde der Marktschreier“ nach Weil am Rhein zum Osterfischmarkt in den Dreiländergarten. Von Karsamstag bis Ostermontag gibt es dort Aale bei Hinnerk, Kabeljau und anderen Fisch bei Käthe oder massig Schokolade bei Milka–Maxx.

 

Eine große Klappe haben sie alle. Marktschreien ist eine echte Kunst und ein richtiges Handwerk. Einer, der davon erzählen kann, ist Nudel-Kiri. Im Gegensatz zu vielen anderen kommt er nicht aus Norddeutschland – und er verkauft auch keinen Fisch. Trotzdem mache er seinen Job „mindestens so gut“ wie die Originale vom Hamburger Fischmarkt, „besser sogar“, meint Nudel-Kiri im Gespräch mit unserer Redaktion und lacht.

Eigentlich heißt er Kyriakos Karagkiavour, ist gebürtiger Grieche und hatte lange Zeit ein Hotel und ein Restaurant in Rheinfelden. Mittlerweile lebt er in Bühl. Seit 2011 verkauft der 60-Jährige als Marktschreier „alles, was Italien kulinarisch zu bieten hat“ – vor allem Teigwaren, „die guten, die aus Bronze hergestellt werden“, dazu Wein, Pesto, Grappa und Limoncello. Auf Weil freut er sich schon. Um die Ecke liegt Rheinfelden – wo er viele Jahre zu Hause war. Hier kennt er noch viele Leute. Ein Heimspiel also.

„Alles von hoher Qualität“

Er habe tolle Produkte zusammengepackt, sagt er. Alles sei von hoher Qualität – das zu betonen, ist Nudel-Kiri wichtig. Dass er nur das verkaufe, was woanders vom Laster gefallen ist, sei eine gern erzählte Geschichte, die aber nicht stimme.

Er bietet eine gefüllte Kühltasche für 20 Euro und eine für 25 Euro an, in Letzterer ist sogar noch eine Spirituose dabei. „Alles zusammen ergibt eine Ersparnis zwischen 8,70 und 13 Euro.“ Früher seien es mal bis zu 20 Euro gewesen, erzählt er. Aber die Preise steigen – und damit schrumpft auch die Spanne der Marktschreier.

Das Wetter scheint über Ostern mitzuspielen: „Absolut top, kein Regen, aber auch keine große Hitze. Die ist Gift da oben auf dem Lastwagen.“ Offenbar ist die Gesundheit wichtig, wenn man von 10 bis 18 Uhr die Leute anschreit. Und auch das Schreien selbst wolle gelernt sein: „Da bekommt man schnell die richtigen Techniken beigebracht, wie man schreit, ohne dass man direkt am zweiten Tag heiser ist.“ Man müsse auf Kleinigkeiten achten. „Einmal kaltes Wasser trinken – dann ist die Stimme weg.“

Humor ist wichtig

Was auf dem Markt gelte: Keiner schreit nur für sich allein. Wichtig sei auch die Interaktion mit den anderen. Wer als Besucher zum ersten Mal auf die Marktschreier-Gilde trifft, ist oft schockiert. Da fliegen die Fetzen, auch untereinander. Humor gehört auf jeden Fall dazu. Aber gibt das nicht schnell böses Blut? „Da muss man einstecken können. Und jeder ist mal dran.“

Schlechte Laune hat beim Verkauf nichts zu suchen

Ganz einfach sei das aber nicht immer. „Es kommt schon vor, dass einer mal sauer ist – vielleicht, weil er einen schlechten Markt erwischt hat. Das gibt es. Dann muss er da durch – und der Rest lässt ihn auch mal in Ruhe.“ Trotzdem: „Schlechte Laune auf dem Verkaufswagen? Das geht nicht. Wer raufgeht, muss abliefern“, sagt Nudel-Kiri.

Die Marktschreier sind fast das ganze Jahr zusammen, als Teil der „Echten Gilde der Marktschreier“ – von Anfang Februar bis Mitte November. Wie ist da das Verhältnis? „Wir sind eine große Familie. Manche sind wie Brüder. Und sonst: Man muss sich nicht immer lieben – nur gut zusammenarbeiten.“