Die Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne) hat die Schirmherrschaft für das NS-Dokumentationszentrum in Freiburg übernommen.
Die Grünenpolitikerin Muhterem Aras kündigte an, sich nicht nur persönlich für das Dokumentationszentrum einzusetzen und Werbung dafür zu machen, sie wolle sich auch für eine Landesförderung für das Projekt stark machen. Positive Signale der demokratischen Parteien im Landtag gebe es bereits. „Beim Thema Erinnerungskultur stehen die Fraktionen von CDU, SPD, FDP und Grünen wirklich wie eine Eins zusammen“, sagte Aras bei einem Baustellenbesuch am Dienstag. Nun müssten die anstehenden Haushaltsverhandlungen zeigen, was an Unterstützung möglich sei.
Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn zeigte sich dankbar für die Unterstützung aus Stuttgart. Es brauche „gerade in diesen Zeiten, in denen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit wieder zunehmen, einen engagierten Einsatz für „eine gelebte, aktive Erinnerungskultur“, so Horn.
Erinnerungskultur von großer Bedeutung
Auch Aras betonte die Bedeutung der Erinnerungskultur an die NS-Zeit: Nur Rassisten, die die Gesellschaft spalten wollen, würden „eine 180-Grad-Wende in der Erinnerungskultur“ fordern, so die Politikerin. Der Holocaust habe nicht erst mit dem Bau der Konzentrationslager begonnen, sondern viel früher, indem Ausgrenzung, Fremden- und Judenhass in der Zeit vor dem Nationalsozialismus Konjunktur gehabt hätten. Vorfälle wie der Attentatsversuch in München oder die aktuellen Wahlergebnisse in Thüringen und Sachsen würden zeigen, wie aktuell die Bedrohung durch Rechtsextremismus und Faschismus nach wie vor sei.
Die Politikerin dankte der Freiburger Stadtverwaltung, dem Gemeinderat und dem Förderverein für ihren Einsatz für die Gedenkstätte. Es sei keine Selbstverständlichkeit, und ein wichtiges Signal, dass Freiburg zusammensteht und sich auf diese Weise mit seiner eigenen NS-Geschichte und der Vorgeschichte des Nationalsozialismus in der Weimarer Republik befasse.
„Wir tragen die Verantwortung für das, was in der Zukunft passiert“, so Aras. Orte wie das Dokumentationszentrum in Freiburg seien nicht zuletzt deshalb wichtig, weil es immer weniger Zeitzeugen der NS-Zeit gebe. Dies betonte auch Freiburgs Schulbürgermeisterin Christine Buchheit: Das NS-Dokumentationszentrum werde nicht zuletzt ein wichtiger Ort der historischen Bildung sein.
Es sei aber auch wichtig, dass Politiker aus Kommunal-, Landes- und Bundesebene rausgehen würden zu den Menschen und zuhören, was sie zu sagen haben, so Aras. Dies sei gerade angesichts der Tatsache wichtig, dass politischer Extremismus so viel Zulauf erfahre wie zuletzt. Es gehe darum, „zuzuhören, ohne Extremisten und Rassisten nach dem Mund zu reden“, so Aras.
NS-Dokuzentrum wird Teil der Freiburger Museumslandschaft
Das Gedenkzentrum mit seiner Ausstellungsfläche von 800 Quadratmetern sowie Seminarräumen und Platz für Sonderausstellungen wird im kommenden Frühjahr seiner Bestimmung übergeben. Es grenzt räumlich an den neuen Standort der Freiburger Außenstelle der Landeszentrale für Politische Bildung und werde, so Martin Horn, „eine Wohngemeinschaft der Demokratie“ bilden.
Die erste Sonderausstellung werde sich unter dem Titel „Ende der Zeitzeugenschaft?“ Ende 2025 veranstaltet werden, so Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach. Er dankte vor allem dem Förderverein des Zentrums, der bereits mehr als 200 Mitglieder hat und schon mehr als 100 000 Euro für den Betrieb des Zentrums gesammelt hat, das Teil der Freiburger Museumslandschaft sein wird.