Viele Blicke richten sich beim Vor-Ort-Termin im Vorfeld der Gemeinderatssitzung auf die Fläche rechts von der Straße. Unter anderem hier sollte die Photovoltaikanlage der Planung zufolge gebaut werden. (Archivfoto) Foto: Helen Moser

Entsteht auf Langenschiltacher Gemarkung eine großflächige Photovoltaik-Anlage (PV-Anlage)? Anwohner hatten im Vorfeld gegen den Energiepark Weißershof mobil gemacht. Nun entschied der Gemeinderat – und gab dem Landschaftsbild den Vorrang.

Erneuerbare Energien in Form einer knapp sechs Hektar großen Photovoltaik-Anlage (PV-Anlage) oder unverbaute, unveränderte Schwarzwaldlandschaft? Ja oder nein zum Energiepark Weißershof auf Langenschiltacher Gemarkung? Genau diese Fragen stellten sich dem St. Georgener Gemeinderat. Die Frage hatte schon im Vorfeld zu Spannungen und Debatten geführt.

 

Das Schlusswort war dann recht eindeutig: Bei zwei Enthaltungen aus der Fraktion Grüne Liste sprach sich der Gemeinderat gegen den geplanten Energiepark aus.

Eine Entscheidung, die sich so schon angedeutet hatte – unter anderem in der Sitzung des Ortschaftsrats Langenschiltach am Vortag. Auch dieser stimmte deutlich gegen die Anlage. Dennoch tauschten Befürworter und Kritiker der Pläne im Vorfeld des Gemeinderatsbeschlusses noch einmal ausgiebig Argumente aus.

Das befürchten Anwohner

Die Zuschauerreihen im Bürgersaal des Roten Löwen waren am Mittwochabend voll besetzt. Und die meisten waren nur aus einem Grund da: Sie erwarteten die Entscheidung zum Energiepark Weißershof. Gleich mehrere Anwohner machten zu Beginn der Sitzung auf ihre massiven Bedenken aufmerksam.

Wolfgang Lehmann etwa plädierte für den Landschaftsschutz im Bereich Vogte, der „landschaftlich sehr reizvoll und einer der schönsten Orte in Langenschiltach“ sei. Rund 20 Anwohner und noch einmal etwa 20 Feriengäste würden die Anlage 30 Jahre lang täglich sehen, meinte Robert Weisser – mit negativen Folgen auch für den Tourismus, wie Anwohner befürchten. „Wenn die Anlage kommt, wird das garantiert einen Domino-Effekt auslösen“, warnte Gerhard Lehmann.

Das erwidert der Investor

Alexander Babioch, Geschäftsführer des Unternehmens Klarvolt, das als Projektplaner in Erscheinung trat, erläuterte den Räten noch einmal die Eckdaten des Energieparks: 5,7 Hektar Fläche, rund 6,4 Megawattstunden und umgerechnet 1720 Haushalte, die durch die Anlage versorgt werden könnten. Und auch die Kommune würde finanziell von der PV-Anlage profitieren, schilderte er – über Einnahmen aus der Gewerbesteuer und einen Anteil von 0,2 Cent pro produzierter Kilowattstunde.

Babioch ging auch auf Bedenken aus der Nachbarschaft ein, machte Vorschlage, wie sich die Anlage besser in die Landschaft einfügen könnte und zeigte Visualisierungen der Planung. Er zweifelte auch an, dass die PV-Anlage sich so negativ wie befürchtet auf den Tourismus auswirken würde. Dennoch räumte Babioch ein: „Ich kann natürlich die Ängste verstehen. Es ist etwas Neues, das man noch nicht kennt.“

Ein Zugeständnis könnte der Klarvolt-Geschäftsführer allerdings nicht machen: Dass die PV-Anlage verkleinert werden könnte – insbesondere nicht in dem Bereich, der den Anwohnern besonders sauer aufstößt. Der vorherige Investor sei wegen einer Verkleinerung der Anlagenfläche bereits ausgestiegen. Und auch Klarvolt sehe wenig Aussicht auf wirtschaftlichen Erfolg, sollte die Fläche weiter eingeschränkt werden, sagte Babioch.

So sehen es die Fraktionen

Man habe „intensiv und lange diskutiert“, sagte Karola Erchinger (Freie Wähler) – ein Motiv, das sich den Äußerungen zufolge bei sämtlichen Fraktionen durchzog. Letztlich aber kamen fast alle zu einem ähnlichen Ergebnis: Aktuell könne man der Anlage nicht zustimmen – das Landschaftsbild sei wichtiger, schilderte auch Ernst Laufer (CDU).

„Der Gesetzgeber hat nicht umsonst ein Widerstandskriterium, das Landschaftsbild, geschaffen“, bekräftigte Oliver Freischlader (SPD). Die Einwohner von Langenschiltach seien durch die Windkraftanlagen in ihrer Nähe ohnehin schon belastet, meinte Jochen Bäsch (FDP). Zudem sei das Landschaftsbild an dieser Stelle „einmalig – und das ist schützenswert“. Auch Lothar Schwarz (Initiative für St. Georgen) sprach sich gegen den Energiepark aus.

„Wo soll die Energiewende stattfinden? Keiner will sie bei sich haben“, kritisierte Dirk Schmider (Grüne Liste). Um genug erneuerbare Energie zu produzieren, werde es nicht ausreichen, PV-Anlagen auf Dächern, entlang von Autobahnen und an Bahnlinien zu bauen, warf er ein. Und sollte die Energiewende nicht glücken, werde die Landschaft in zehn bis Jahren „auch nicht mehr so aussehen wie jetzt“.

Das sagt der Eigentümer

Thomas Dold, auf dessen Grundstück die PV-Anlage geplant war, hatte schon im Vorfeld mit dieser Entscheidung gerechnet, wie er im Gespräch mit unserer Redaktion sagte. Nach dem Votum des Ortschaftsrats sei das absehbar gewesen. Trotzdem sei er „froh, dass ich es durchgezogen habe und dass ich zu meiner Entscheidung gestanden habe“.

Ganz geschlagen möchte er sich aber noch nicht geben, meinte Dold. Immerhin könne man nie wissen, wie sich die Rahmenbedingungen und Einschätzungen in Zukunft noch einmal verändern könnten.