Rund 350 Besucher lockte die wohl bislang größte Veranstaltung der AfD im Landkreis am Freitagabend in die Calwer Aula. „Calw bleibt bunt“ hielt mit einer Kundgebung dagegen.
Trommelklänge hallen über den Marktplatz, Schilder verkünden Botschaften. Manche der etwa 200 Teilnehmer schwenken Fahnen.
„Demokratie wählen – gemeinsam für Vielfalt und Demokratie“ ist das Motto der Kundgebung an diesem Freitagnachmittag. Aufgerufen dazu hat das Bündnis „Calw bleibt bunt“. Für Musik sorgen Jayantha & the Clan sowie Frank Stickel.
Hintergrund ist natürlich die anstehende Landtagswahl in Baden-Württemberg am Sonntag – aber auch die Tatsache, dass die Landes-AfD am Abend ihren Wahlkampfabschluss in der Calwer Aula feiert.
Die Kundgebung, so berichtet Martin Eckhard von „Calw bleibt bunt“ im Gespräch mit unserer Redaktion, sei dennoch explizit keine direkte Gegenveranstaltung. Und bewusst nicht vor der Aula. Man wolle keine Konfrontation, „wir sind nicht ‚gegen‘, wir sind ‚für‘“ etwas, erklärt er.
Land vor einer „ernsten Bewährungsprobe“
Mehr als ein Dutzend Redner positionieren sich in kurzen Beiträgen. Politiker sind darunter, allerdings keine, die am Sonntag zur Wahl stehen. Die Kundgebung solle keine Wahlkampfveranstaltung sein, betont Eckhard. Wichtig sei aber gewesen, auch junge Menschen zu gewinnen, die etwas zu sagen haben.
Eckhard spricht vom „europaweiten Erstarken nationalistischer Kräfte“, von Populisten, die durch „Hass, Hetze, Lüge und Rassismus“ das demokratische Gefüge spalteten.
Thomas Allmendinger, ebenfalls von „Calw bleibt bunt“, sieht das Land vor einer „ernsten Bewährungsprobe“. Keine Nation sei davor gefeit „umzufallen“. Ängste und Unsicherheiten würden ausgenutzt. Und nur weil eine Partei demokratisch gewählt sei, bedeute das nicht automatisch, dass sie auch demokratische Ziele verfolge.
Auch Vertreter der großen Kirchen, der protestantische Dekan Erich Hartmann und der gewählte Vorsitzende des Kirchengemeinderats der katholischen Gemeinde St. Josef, Clemens Scholz, kommen zu Wort; ebenso Privatpersonen, Mitglieder des Nabu und des Kinderschutzbundes. Und nicht zuletzt Politiker verschiedener Parteien.
Sie alle rufen zur Wahl auf, betonen den Wert und die Bedeutung der Demokratie. Und zeigen auf, wie leicht sie in Gefahr geraten könnte.
Als Risikofaktor sehen die Redner dabei, auch wenn sie nicht jeder beim Namen nennt, vor allem die AfD. Doch oft warnen die Sprecher auch generell vor radikalen Positionen. Etwa dass „Extremismus in jede Richtung verboten gehört“, sagt Ricarda Becker für die Junge Union.
Im Ohr bleibt wohl vor allem der Appell von Jules Kenk. Kenk stammt aus Kamerun, lebt seit elf Jahren in Deutschland. „Ich weiß, was passiert, wenn Demokratie langsam verschwindet“, mahnt er, spricht von eigenen Erfahrungen. „Es beginnt immer mit Worten. Es endet im Gefängnis.“ Mit Worten wie „Remigration“. „Bitte unterschätzt das nicht.“
Rund 350 Besucher
Knapp zwei Stunden später, gegen 19 Uhr, beginnt in der Calwer Aula mit rund einer halben Stunde Verspätung der Wahlkampfabschluss der AfD. Bestuhlt ist für rund 440 Gäste; einige Reihen werden jedoch noch vor Beginn abgebaut. Am Ende kommen rund 350 Besucher zusammen.
Miguel Klauß, AfD-Landtagsabgeordneter für den Kreis Calw, freut sich und spricht von der wohl größten AfD-Veranstaltung, die der Kreisverband Calw-Freudenstadt bislang abgehalten habe.
Mit dabei als Redner sind der Spitzenkandidat der AfD für die Landtagswahl, Markus Frohnmaier, Mary Khan, AfD-Abgeordnete im Europäischen Parlament, Anna Nguyen, AfD-Abgeordnete des Hessischen Landtags, der politische Aktivist Serge Menga und Klauß selbst.
Auch Martin Hess, Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Ludwigsburg, sollte vor Ort sein. Dieser habe jedoch krankheitsbedingt abgesagt.
Als Frohnmaier den Saal betritt, branden Jubel und Applaus auf.
Migration, Energiekosten, Wirtschaft und Wohnungsbau stehen auf der Themenliste, um die es an diesem Abend noch gehen wird – und natürlich reichlich Kritik am politischen Gegner. Den Besuchern, viele davon mit AfD-blauen Mützen oder Jacken, gefällt’s.
Auch die Polizei ist mit einigen Kräften vor Ort. Zu tun bekommen diese aber wenig. Mindestens bis Redaktionsschluss bleibt am Freitagabend alles friedlich.