Beim Führerschein steht eine Reform an. Foto: Sven Hoppe/dpa

Die vorgestellte Reform von Bundesverkehrsminister Schnieder stößt bei Fahrlehrern und Fachverbänden auf starke Kritik. Das sagen Experten aus Horb zu den Plänen.

„Der Führerschein wird nicht automatisch günstiger. Die Realität der Fahrausbildung muss berücksichtigt werden“, meint Heidi Kebernik, Kreisvereinsvorsitzende des Fahrlehrerverbands für Freudenstadt mit Fahrschule in Horb, zu den Reformplänen des Bundesministeriums für Verkehr (BMV). Und diese Realität scheint Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), laut Experten aus der Branche, in einigen Punkten seines Vorhabens nicht berücksichtigt zu haben.

 

Onlineunterricht Die Pflicht zum Präsenzunterricht soll laut den Plänen des Verkehrsministers entfallen und die Wissensvermittlung vollständig digital ermöglicht werden. So sollen die Mietkosten für Räume entfallen.

„Das greift zu kurz“, meint Kebernik. „Fahrschulen bieten auch Motorrad-,Lkw- und Busführerscheine sowie Nachschulungskurse, Punkteabbau und Berufskraftfahrermodule an. Für diese Angebote sind feste Unterrichtsräume zwingend erforderlich.“

Jochen Klima, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg, stimmt zu: „Die Theorie bereitet auf die Praxis vor.“ Wer in einer Stunde das Thema Vorfahrt nicht verstanden habe, könne in der nächsten einfach nachfragen – ganz ohne Extrakosten, Mehraufwand und bis der Schüler es verstanden hat. Dies ist in einer gesichtslosen App nicht möglich. Ebenso fehlt der direkte Austausch im Unterricht. Und tauchen in der Praxis gravierende Probleme auf, müsse man diese im laufenden Verkehr oder in einer teuren Einzelstunde klären.

„Die Hauptkosten für die Schüler entstehen bei den Fahrstunden und Sonderfahrten“, so Klima. Denn diese bezahlen die Schüler einzeln, nicht über einen Einmalbetrag, wie bei bei den Theoriestunden.

Einsatz von Simulatoren Und genau diese Fahrten, sollen Fahrschüler laut den Reformen in Zukunft teilweise am Simulator absolvieren. Doch wo soll dieser stehen, wenn Unterrichtsräume nicht mehr gebraucht werden? Räumlichkeiten und damit Miete sind für die Fahrschulen also selbst mit den Reformen noch nötig.

Am Simulator könne man die Grundlagen lernen und ein Gefühl für Bewegungsabläufe kriegen, doch reale Fahrstunden damit zu ersetzen und komplexe Verkehrsvorgänge zu üben, sei nicht möglich.„In der Praxis ist es plötzlich kein Spiel mehr. Die Entscheidung, in welche Lücke ich von der Autobahneinfahrt fahre, hat reale Konsequenzen“, so Klima. „Sinnvoll dürfte es hingegen sein, den Erwerb der Schaltkompetenz zumindest teilweise auf einem Simulator zu erlauben“, schreibt der Fahrlehrerverband in einer Mitteilung.

Mit der reinen Anschaffung eines Simulators, – die Kosten liegen bei rund 30 000 Euro – sei es außerdem nicht getan. „Etwas anders lernen, ist schwieriger als etwas neu lernen“, meint Klima. Deshalb müsse bei jeder Übung am Simulator eine Aufsichtsperson anwesend sein, die die richtigen Abläufe beibringt – weitere Extrakosten.

Verkürzung Fragenkatalog Der Fragenkatalog besteht derzeit aus 1200 Fragen. Einige davon unterscheiden sich nur minimal in ihrer Fragestellung oder sind in Behördendeutsch formuliert. Deshalb möchte das BMV die Fragen auf 700 reduzieren.

Den Fragenkatalog für die theoretische Prüfung zu entrümpeln und die Behördensprache der Fragen zu vereinfachen, begrüßt René Bender, Inhaber von Renés Drive Academy in Horb alleine aus Gründen der Zugänglichkeit: „Ich habe kürzlich zwei Syrer durch die Prüfung gebracht. Da sie kein Deutsch sprachen, verständigten wir uns teilweise mit Händen und Füßen.“ Und er fragt sich: „Warum ist die praktische Prüfung nicht auf Englisch möglich? Die Prüfer sind doch meist studiert.“

„Eine Verkürzung des Fragenkatalogs ist sinnvoll“, so Kebernik. Aber: „Wer die Inhalte nicht lernt, wird die Theorieprüfung weiterhin nicht bestehen. Eine Entlastung für die Fahrschüler entsteht nur durch effektives Lernen.“