Sperrmüll wird im Landkreis ab April 2027 nur noch auf ausdrückliche Anforderung abgeholt. (Symbolbild) Foto: Maria Hopp/Archiv

Das bisherige Konzept für die Abfallsammlung im Landkreis wird geändert. Sperrmüll wird ab April 2027 nur noch auf ausdrückliche Anforderung abgeholt. Müllberge vor und nach den Sammlungen und durch die Straßen kurvende weiße Sprinter aus Osteuropa sollen damit dann Geschichte sein.

Nach dem Technischen Ausschuss, der das Thema intensiv vorberaten hatte, hat sich nun auch der Kreistag dafür ausgesprochen, Sperrmüll künftig nur noch auf Abruf abzuholen. Anders als ursprünglich geplant, soll aber zumindest eine Abholung auf Abruf kostenlos erfolgen. Die Gefahr, dass der Müll sonst illegal entsorgt wird, werde damit verhindert.

 

Blick auf andere Kreise

Dieter Bischoff (FW) kritisierte in der Diskussion vor der Abstimmung unter anderem die „verdeckte Preiserhöhung“, wenn der Bürger Sperrmüllabholungen künftig bezahlen müsse. Andere Landkreise wie etwa Baden-Baden verlangten eine solche Gebühr auch nicht. In Rastatt, Calw und Böblingen ist die Abholung auf Abruf allerdings kostenpflichtig.

Wichtig sei beim künftigen System, dass der Sperrmüll erst am vereinbarten Abholtag tatsächlich hinausgestellt wird, um Mehrungen des Sperrmülls durch Nachbarn und ähnliche Probleme zu vermeiden, sagte Landrat Klaus Michael Rückert aufgrund seiner Erfahrung. Die Umstellung erfolge, weil die Vermüllung und die weißen Sprinter in den vergangenen Jahren regelmäßig ein Thema gewesen seien. Die Verwaltung habe dazugelernt.

Viele verlangen Gebühr

Ulrich Hanfstein, der Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs, wartete mit ein paar Zahlen auf. Demnach sind es aktuell gerade mal noch vier Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg, die nach dem hiesigen Sammelsystem verfahren. 43 Landkreise verlangten die vorgeschlagene Zusatzgebühr. Diese sei „verursachungsgerechter“ als das bisherige System und wirke sich positiv auf die Grundgebühr aus, stärke darüber hinaus die Motivation zur Eigenanlieferung des Sperrmülls. Bei der von Bischoff zitierten Umfrage hätten damals schon 60 Prozent der Bürger einen grundsätzlichen Systemwechsel für „vorstellbar“ gehalten – trotz damals hoher Zufriedenheit mit dem aktuellen System.

Hanfstein erwähnte auch, dass sich die Kosten für die Abfuhr von Sperrmüll bereits bei der letzten Ausschreibung pro Tonne verdoppelt hätten. Dieser Trend setze sich fort. Im Moment zahle der Landkreis bereits 400 Euro für eine Tonne.

Freude über Beschluss

Julian Osswald (CDU) freute sich, dass nun zumindest 49 Tage vor dem Ende seiner Amtszeit als Oberbürgermeister die Umstellung beschlossen wurde, die er bereits bei seinem Antritt vor 16 Jahren vorgeschlagen hatte. Auch er forderte allerdings eine kostenlose Abfuhr. „Sonst haben wir zwar die Sprinter weg, aber der Müll landet an den Containerstellplätzen und im Wald.“

Stephanie Hentschel (FW) plädierte dafür, die eigene Sperrmüllanlieferung immer und grundsätzlich umsonst anzubieten. Das Stärke das gewollte Bringsystem. Die grundsätzlich kostenlose Eigenanlieferung und eine kostenlose Abholung bezeichnete auch Michael Ruf (CDU) als gute Brücke in die Zukunft.

Anregung wird aufgegriffen

Bärbel Altendorf-Jehle (Frauenliste) hingegen widersprach. Die Sprinter störten sie in Musbach nicht und sie sorgten zudem dafür, dass vieles weiterverwendet werde. Der eigentliche Sperrmüll werde dadurch verringert – was ja auch nachhaltig sei.

Ihre Anregung, auf den Entsorgungsstationen auch Platz für noch brauchbare Dinge zu schaffen, die abgeholt werden können, wurde von der Verwaltung aufgegriffen. Rückert bezweifelte ansonsten aber die Nachhaltigkeit der aus Osteuropa anreisenden alten Sprinter. Erwin Zepf (CDU) forderte eine erste Evaluation ein Jahr nach der Umstellung.

Abstimmung und Zeitpunkt

Die Abstimmung
 Annick Grassi (FW) stellte an einem Punkt der Diskussion erfolgreich den Antrag auf sofortige Abstimmung, um die sich wiederholende Debatte nicht noch weiter in die Länge zu ziehen. 21 Kreisräte stimmten dafür, acht dagegen, zwei enthielten sich der Stimme. Grassi forderte weiter, die Anregung von Julian Osswald, eine kostenlose Sperrmüllabfuhr auf Abruf zu ermöglichen, mit aufzunehmen. Diesem Wunsch wurde ebenfalls Rechnung getragen. Ob und in welchem Umfang die Eigenanlieferung kostenlos bleibt, wird erst später – mit dem Beschluss über das Leistungsverzeichnis – entschieden. Bei fünf Gegenstimmen und einer Enthaltung wurde das künftige Abfuhrsystem auf Abruf beim Sperrmüll so beschlossen. Für die Beibehaltung des bisherigen Systems beim Rest- und Biomüll sowie beim Altpapier stimmte das Gremium bei einer Enthaltung.

Zeitpunkt der Umstellung
Die Umstellung des bisherigen Systems erfolgt ab April 2027. Die aktuellen Verträge des Kreises laufen zum 31. März 2027 aus. Die frühzeitige, europaweite Ausschreibung soll günstigere Konditionen ermöglichen.