Das Krankenhaus Freudenstadt hat nach wie vor mit Personalmangel zu kämpfen. Foto: Petermann

Freudenstadt hat zwar ein nagelneues Krankenhaus, doch an einem grundsätzlichen Problem ändert das nichts: Es gibt zu wenig Ärzte und Krankenpfleger. Zunehmend wird das auch zu einer finanziellen Belastung für die Klinik.

Seit gut einem Jahr ist das neue Krankenhaus in Freudenstadt in Betrieb. Monique Bliesener, Geschäftsführerin der Kreiskliniken, und Landrat Klaus Michael Rückert (CDU) haben sich daher mit unserer Redaktion getroffen, um Bilanz zu ziehen.

 

Dabei wurde klar: Ein großes Problem ist nach wie vor der Personalmangel. „Wir haben 16 offene Stellen im ärztlichen Dienst“, berichtete Bliesener. Im Pflege- und Funktionsdienst – zu letzterem zählen auch die Mitarbeiter der Notaufnahme – seien 20 Stellen unbesetzt.

Das Krankenhaus beschäftigt laut eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Damit wären rund drei Prozent der Stellen unbesetzt. „Uns fehlen natürlich Leute“, stellte auch Landrat Rückert klar. Das gelte vor allem für den medizinischen und medizinnahen Bereich.

Notlösung hat Nachteile

Doch damit die Versorgung der Patienten sichergestellt ist, muss das Krankenhaus Ersatz organisieren. „Wir versuchen uns mit Arbeitnehmerüberlassungen über Wasser zu halten“, erklärt Bliesener. Sprich: Das Krankenhaus muss auf die Angebote externer Firmen zurückgreifen, die dann Ärzte und Pfleger vermitteln – im Prinzip also eine Form der Leiharbeit.

Die Klinik-Chefin stellt aber klar: „Das ist nicht Ziel und Zweck.“ Denn die aktuelle Notlösung hat einige Nachteile – vor allem mit Blick auf die angespannte Finanzlage. Da fast überall Ärzte und Pfleger dringend gesucht werden, sind die vermittelten Arbeitskräfte entsprechend teuer. „Das kriegen wir nicht mehr refinanziert“, sagt Bliesener.

Bis zu viermal so teuer

Dazu legt sie auch konkrete Zahlen vor. So wurden im vergangenen Jahr im ärztlichen Dienst 8,7 Vollkräfte über die Arbeitnehmerüberlassung beschäftigt. Im Pflegedienst waren es 14,2 Vollkräfte, im Funktionsdienst 4,1.

Die Kosten dafür sind beachtlich. Im ärztlichen Dienst wird laut Angaben der Klinik das Zwei- bis Vierfache des üblichen Gehalts fällig. Im Pflege- und Funktionsdienst sei es das Zwei- bis Dreifache im Vergleich zu einem festangestellten Mitarbeiter.

Es gibt aber laut Landrat Rückert noch ein anderes Thema mit der Arbeitnehmerüberlassung: „Die Arbeitnehmerkraft weiß, ich bin noch zwei Wochen in Freudenstadt und dann geht es nach Buxtehude.“ Längst nicht alle, aber zumindest einige, würden sich daher dem Krankenhaus weniger verbunden fühlen als die festangestellten Mitarbeiter, meint Rückert.

Wo genau dem Krankenhaus Mitarbeiter fehlen, zeigt ein Blick auf die Stellenangebote auf der Klinik-Website. So wird zum Beispiel ein Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie gesucht. Auch ein Oberarzt scheint in diesem Bereich zu fehlen. Ebenfalls wird ein Oberarzt für die Frauenklinik gesucht.

Darüber hinaus sind viele Stellen im Pflegebereich ausgeschrieben – zum Beispiel die Pflegebereichsleitung für die Intensivstation oder ein Pflegefachmann für die kardiologische Notaufnahme.