Konzert in Villingen
: Drei meisterliche Chorwerke im Franziskaner

Die Villinger Kantorei präsentierte große barocke Musikkunst mit 90 Mitwirkenden. Im Rahmen der evangelischen „con passione“-Kirchenmusikreihe erklangen am Sonntag unter dem Titel „Miserere“ drei Werke in gelungener und fein erarbeiteter Darbietung.
Von
Joachim Westendorf
Oberndorf
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Die Solisten (von links) Theresa von Bibra, Tabea Nolte, Marcus Elsässer und Thorsten Meyer mit Kantor Thomas Haverkamp (Mitte) beim Applaus.

Joachim Westendorf

Passend zur Fastenzeit fußt die vertonte Musik auf dem 51. Psalm als Bußpsalm. Er wird im liturgischen Kontext auch kurz als Miserere („Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld…“) bezeichnet und hat dort eine zentrale Bedeutung.

Diesen Bezug voraussetzend erklärt es sich, warum vor rund 300 Jahren Johann Sebastian Bach in Weimar/Leipzig und die zeitgleich in Dresden wirkenden Komponisten Jan Dismas Zelenka und Johann David Heinichen musikalische Brücken zur Liturgie gebaut haben. Beide Konfessionen sehen hier einen wesentlichen Glaubensinhalt. Von Notlagen geprägt war für viele Menschen diese Musik Trost.

Kantor Thomas Haverkamp wählte geschickt Chorwerke von Komponisten aus, die zu ihrer Zeit und bis heute hochgeschätzt sind oder auch erst in jüngerer Zeit wiederentdeckt wurden. Diese Musik kann uns bis heute berühren, wenn sie so stilsicher wie am Sonntag aufgeführt wurde. Bachs Kantate „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ BWV 12, schon 1714 entstanden, wurde einst am dritten Sonntag nach Ostern aufgeführt, mit der Botschaft, „Eure Traurigkeit soll in Freude verkehrt werden“. In der Villinger Aufführung ist diese Botschaft angekommen!

Der große und in Teilen neu aufgestellte Chor mit rund 60 Mitwirkenden präsentierte sich intonationssicher, erfreulich präsent und ausgewogen in allen vier Stimmen, er zeichnete hier den Eindruck persönlicher Betroffenheit der textlichen Botschaft durch ausdrucksvolle Betonungen. Das Oboensolo des Beginns, Tabea Noltes sanfte ruhige Altstimme mit deutlicher Artikulation, der warmtönige Bass von Torsten Meyer und das Zusammenspiel des so ausgewogen melodieführenden Tenors Marcus Elsässer mit Continuo und Trompetensolo berührten und begeisterten.

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Die Camerata Viva aus Tübingen erwies sich als wunderbar klingendes Kammerorchester mit historisch orientierter Aufführungspraxis, mit 16 aufeinander eingestimmten Streichern, dazu Holz- und Blechbläser mit Instrumenten ihrer Zeit, dazu ein Orgelpositiv.

Detailliert erarbeitet

So war eine verlässliche Basis für die Gesangssolisten und auch differenziert feinen oder mächtigen Chorklang vorhanden, den Thomas Haverkamp mit langer Vorbereitung detailliert erarbeitet hatte. Er führte die Ausführenden umsichtig zu überzeugender Interpretation und die Hörer zur Freude beim Miterleben. So gleich von Anbeginn an: Jan Dismas Zelenkas „Miserere“ ist eine selten gehörte Entdeckung, beginnt rhythmisch prägnant und kräftig, deutlich federnd in der Artikulation muss der Chor umfangreichen Text vortragen. Theresa von Bibra gefällt im „Gloria Patri“ mit ihrem warmen vollen Sopran fein nuanciert bei Zelenkas typischen Rhythmen.

Stilles Ende

Das beschließende Amen des Chores führt die Klagen zu einem stillen Ende. Johann David Heinichens Missa Nr. 9 in D benötigte nach der Pause das zu voller Besetzung aufgestockte Orchester zur Prachtentfaltung katholisch geprägter Kirchenmusik. Beispielsweise einleitend das sanfte Kyrie mit enger Stimmführung von Alt und Tenor, markante Choreinsätze, intonationssichere Orchesterstimmen beim Wechsel von Bass- und Sopransoli im Gloria, wieder Klangpracht im Credo von Chor, Streichern, Oboen, Trompete. Ein tolles Flötensolo beim Zwischenspiel als Concertino, erneut einfühlsame Flöten im Benedictus und Streicher: Der große Glanz des sächsischen Barocks kommt in diesem Werk zum Vorschein.

Die vier miteinander harmonierenden Gesangssolisten, der ausdrucksstarke Chor und das erfahrene Orchester boten unter Leitung von Thomas Haverkamp einen beglückenden Konzertabend.