Chöre in Villingen-Schwenningen: So bereitet sich die Villinger Kantorei auf das Konzert vor

Mitglieder der Villinger Kantorei.
Frank LindemannDie Chorlandschaft im Oberzentrum ist vielfältig. Die Villinger Kantorei besteht aus rund 60 versierten Sängerinnen und Sängern, die mit ihren Programmen zweimal im Jahr für ein meist voll besetztes Franziskaner-Konzerthaus sorgen. Auf regen Zuspruch hoffen sie daher auch für den nächsten Auftritt am Sonntag, 6. April, um 17 Uhr im Franziskaner-Konzerthaus.
Der aus dem Rheinland stammende Thomas Haverkamp ist seit 2024 Bezirkskantor der evangelischen Kirchenmusik Villingen und Leiter des Chores. Er ist Master-Absolvent der Schola Cantorum Basiliensis in der Schweiz. Ein Auslandssemester verbrachte er in Südafrika und erlebte dort eine breit gefächerte Chormusik, von Traditional Gospels über Uraufführungen von südafrikanischen Komponisten bis hin zur Marienvesper von Monteverdi auf historischen Instrumenten, berichtet er.
Für das Passionskonzert am 6. April hat er eher selten gehörte aber herausragende Werke zusammengestellt: von Jan Dismas Zelenka „Miserere“, von Johann Sebastian Bach „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ sowie von Johann David Heinichen die Missa Nr. 9. „Tolle und ansprechende Musik“, sagt der Bezirkskantor.
Ansprechende Musik
Einmal in der Woche wird im Paulus-Gemeindesaal geprobt. Vor so großen Auftritten fällt die Vorbereitung intensiver aus – unter anderem mit einem Probenwochenende, das kürzlich im Schwarzwald stattfand, und einem Probentag mit Orchester und Solisten. Denn auch dies macht den Chor besonders: „Die Kooperation mit großen Orchestern und guten Solisten hat nicht jeder Chor zu bieten“, unterstreicht Sängerin Susanne Wolf. Sie beschreibt die Mitglieder der Formation als „ambitionierte Amateure auf hohem Niveau“. Und: „Wir betrachten uns durchaus als kulturellen Faktor in der Region.“ Das ziehe nicht nur Menschen aus der ganzen Umgebung zu den Konzerten, sondern biete außerdem Neuankömmlingen in VS eine musikalische Heimat, die auf diesem Niveau in einem Chor mitsingen möchten.
Die Senioren-Kantorei
„Wir haben auch eine Senioren-Kantorei in diesem Jahr neu gegründet, so dass neue Sänger in die Villinger Kantorei nachrücken können“, berichtet Chorsprecher Florian Haas. Bei den Senioren wird leichte bis mittelschwere Chormusik einstudiert „Für Sängerinnen und Sänger im aktiven Ruhestand.“ Es gibt außerdem zwei Kinderchor-Gruppen. „Da wächst sozusagen von Klein auf Nachwuchs heran“, so Haas. Wer bei der Villinger Kantorei mitsingen möchte, ist eingeladen, einen Termin zum Vorsingen zu vereinbaren und kommt dann zu einer Schnupperprobe vorbei, sagt Thomas Haferkamp. Im Chor gibt es eine ganze Reihe langjähriger Mitglieder. Eine davon ist Elke Lutz. „Meine Mutter hat mich vor 40 Jahren an die Kantorei herangeführt. Das Singen tut mir einfach sehr gut und ist ein schöner, durchaus auch herausfordernder Ausgleich zum Arbeitsalltag“, erzählt sie.

Bezirkskantor Thomas Haverkamp am Klavier.
Foto: Cornelia HellwegNeu dabei ist Julian Weißer, der aus Konstanz nach VS gezogen hat und jetzt im Kantoreichor mitsingt. Auf der Suche nach Ideen, wie man die Villinger Kantorei in der Heimatstadt noch sichtbarer machen kann, schlug der junge Mann einen Aktionstag vor mit Workshops oder „Circle Singing“ wie er es aus Konstanz kannte. Dies möchte man im nächsten Jahr in Villingen umsetzen. „Wir wollen an der Attraktivität des Chores arbeiten, damit auch neue Leute zu uns kommen“, so Florian Haas. Und weil der Chor auch ein wirtschaftliches Unternehmen ist, freut man sich über die Unterstützung der Stiftung und des Fördervereins. Denn für Auftritte wie im Franziskaner fallen Kosten an wie die Saalmiete, und Orchester sowie Solisten wollen bezahlt sein. Ein Konzerthaus mit einer Kapazität wie im Franziskaner sei wichtig, um solche Auftritte gegenfinanziert zu bekommen.
Wer sich beim Chorgesang nicht auf einen längeren Zeitraum festlegen kann oder möchte – dafür gibt es den Projektchor. Aus der Villinger Kantorei speist sich außerdem das Chorensemble Vokale, das am Karfreitag, 18. April, um 15 Uhr in der Johanneskirche das „Miserere“ von Jan Dismas Zelenka vorträgt mit Peter Hastedt an der Orgel und der Camerata Viva Tübingen. Die Leitung hat Thomas Haverkamp, für die Liturgie ist Pfarrer Oliver Uth zuständig.
Die Mischung macht’s
Mit langfristiger Programmplanung und einer vielseitigen Gestaltung der Chormusik möchte man die Attraktivität des Chores und seine Weiterentwicklung gewährleisten. Die gute Mischung macht’s, weiß Thomas Haverkamp. „Den Chor fordern, aber nicht überfordern, sich ein Stück gemeinsam erarbeiten “, ist seine Devise. Klar ist, dass man im Advent 2025 das Bach’sche Weihnachtsoratorium im Franziskaner erklingen lässt. Für das kommende Jahr steht fest: Im Frühjahr wird die „Walpurgisnacht“ von Felix Mendelsohn zu Gehör gebracht und im Herbst „The Armed Man: A Mass for Peace“ von Karl Jenkins erarbeitet und aufgeführt.
Mehr zu Proben der Villinger Kantorei und anderer Gruppen der evangelischen Kirchenmusik Villingen unter www.kirchenmusik-vs.de
Kurzinfos
Das Passionskonzert
ist am 6. April um 17 Uhr im Franziskaner-Konzerthaus.
Mit dabei
sind die Camerata Viva Tübingen sowie Solistinnen und Solisten.
