Heumaden wird Glasfaser bekommen, der Ausbau läuft. Für das restliche Stadtgebiet ist das derzeit alles andere als gewiss. Foto: Gorath

Der Glasfaserausbau in weiten Teilen von Calw steht auf tönernen Füßen. Gute Nachrichten gibt es nur für Heumaden. Schuld sind die Wirtschaft – und ausgerechnet der Verbraucherschutz.

Ende Februar dieses Jahres schien alles noch in Ordnung zu sein. Ja, es habe aufgrund von Umplanungen und des harten Winters Verzögerungen gegeben, der weitere Glasfaserausbau in Calw durch die Deutsche GigaNetz GmbH (DGN) solle aber stabiler, planbarer und verlässlicher vonstatten gehen.

 

Das hatte die Stadt Calw nach Rücksprache mit der DGN bekannt gegeben. Ab Mai, so hieß es damals, würden die Arbeiten im östlichen Teil der Kernstadt beginnen, Stammheim sei ab 2027 dran.

Mitte April sah plötzlich alles ganz anders aus. Die Tiefbaufirma, die in Heumaden bereits zugange war, habe überraschend ihre Arbeiten eingestellt; Gräben seien lediglich mit Kies aufgefüllt und nicht ordnungsgemäß geschlossen worden.

Und: Alle laufenden Projekte der DGN stünden auf den Prüfstand, für weitere Ausbauvorhaben gebe es einen vorläufigen Baustopp.

„Ernste Gespräche“ stehen noch bevor

Für Heumaden versicherte das Unternehmen indes, „mit Hochdruck an einer internen Lösung“ zu arbeiten – nicht zuletzt, um die Verkehrssicherheit im Ort wiederherzustellen.

Immerhin: In dieser Hinsicht hat sich seitdem etwas getan, berichtete Calws Oberbürgermeister Florian Kling in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats auf Nachfrage von Bernhard Plappert (CDU).

Die DGN setze ihren Eigenbetrieb ein, um die rund 2,5 Kilometer an Gräben ordnungsgemäß zu schließen und Glasfaser zu verlegen. „Jetzt sind wir erst mal froh, dass Heumaden ausgebaut wird“, sagte Kling. Für alles weitere werde es noch „ernste Gespräche“ geben.

Denn die Glasfaserbranche steht seit geraumer Zeit unter Druck. Schuld daran sind gestiegene Finanzierungskosten, höhere Tiefbaupreise und höhere Zinsen. Doch nicht nur das.

Vertreter der Stadt und der DGN hatten im Juni vergangenen Jahres den symbolischen Spatenstich zum Glasfaserausbau in Heumaden gefeiert. Foto: Klormann

Wie der Oberbürgermeister im Gemeinderat ausführte, mache den Glasfaserfirmen auch ein Verbraucherschutz-Urteil des Bundesgerichtshofs zu schaffen. Dieser hatte Anfang des Jahres geurteilt, dass die Vertragslaufzeit für einen Glasfaseranschluss mit dem Abschluss des Vertrages beginne – und nicht erst, wenn das schnell Internet nutzbar ist.

Das wiederum habe die komplette Wirtschaftsplanung dieser Unternehmen auf den Kopf gestellt, erklärte Kling weiter. Denn das Geschäftsmodell der DGN und ihrer Mitbewerber basiert darauf, dass der Anschluss zwar kostenfrei erstellt wird, die Kunden danach aber zwei Jahre per Vertrag gebunden sind.

Oberbürgermeister spricht von einem „strukturellen Problem“

Vergehen zwischen Vertragsschluss und Freischaltung zwei Jahre oder mehr, könnten Kunden aussteigen, ohne einen Cent bezahlt zu haben. Die Firmen blieben auf ihren Kosten vollständig sitzen. Kein Geschäftsmodell, das Zukunft hätte.

Der Oberbürgermeister sprach daher von einem „strukturellen Problem“. Funktioniere das Modell der Vorverträge nicht mehr wie bisher, brauche es eine neue Steuerung durch den Gesetzgeber.

Aktuell könne man nur abwarten, „bis dieser Markt sich wieder geschüttelt hat“ – und „dass auch Land und Bund die richtigen Weichenstellungen vornehmen, um den eigenwirtschaftlichen Ausbau nicht zum Erliegen zu bringen“, hatte der Rathauschef unlängst bekräftigt.

In Heumaden komme der Ausbau aber definitiv. Allerdings könne das noch etwas dauern. Und mit manchem Baustellen-Schild müssten die Bürger so lange wohl leben. „Vielleicht lässt sich der Schmerz besser aushalten, wenn man weiß, es gibt Glasfaser“, meinte Kling.

Für weitere Calwer Stadtteile und Ortschaften gibt es unterdessen aktuell keine neuen Termine oder Zusagen, teilte die Stadt im April mit. Trotz allem, so hieß es außerdem, habe das Unternehmen gegenüber der Verwaltung bekräftigt, die Pläne für den schrittweisen Ausbau in Calw weiterzuverfolgen.

Calw hätte sich Glasfaserausbau gar nicht leisten können

Da die Stadt den Ausbau weder finanziert noch in Auftrag gegeben hat, hat sie auch kaum Handhabe. Calw selbst hätte sich den Glasfaserausbau finanziell gar nicht leisten können.

Bereits im Frühjahr 2023 hatte die DGN angekündigt, ein etwa 225 Kilometer umfassendes Glasfasernetz in Calw zu errichten. Bis zu 6328 Adressen sollten eine Glasfaserleitung bis in die Wohnung bekommen.

Nach einer deutlich längeren Vermarktung als ursprünglich geplant, erfolgte im Juni 2025 der symbolische Spatenstich für Calws Osten in Heumaden. Dabei verkündeten die Verantwortlichen, Calw-Ost bis zum Sommer 2026 fertigzustellen.

Bereits Ende 2025 zeichnete sich jedoch ab, dass dieser Plan nicht zu halten sein wird.