Dass sich Bosch künftig auf Wasserstoff-Erzeugung konzentriert und stattdessen die Entwicklung der Brennstoffzellentechnik beendet, hat auch Auswirkungen auf Kern Liebers.
In Schramberg hatte Kern Liebers in den vergangenen Jahren in Kooperation mit Bosch bipolare Platten für die stationäre Brennstoffzelle entwickelt und hergestellt, bislang in geringen Stückzahlen.
Bosch hatte jetzt allerdings im Februar öffentlich gemacht, dass der Konzern seine Aktivitäten und Investitionen für stationäre Wasserstoff-Technologien neu ausrichtet und in der Folge die „Aktivitäten im Hinblick auf die Industrialisierung und Serienentwicklung von Systemen zur dezentralen Energieversorgung auf Basis der Festoxid-Brennstoffzellentechnik (SOFC)“ beendet: Der Markt habe sich anders entwickelt als erwartet.
Wolfgang Gref, Chief Technology Officer (CTO) von Kern Liebers und in der Geschäftsführung verantwortlich für den Standort Schramberg, hat jetzt die Belegschaft über die Entscheidung des Bosch-Konzerns informiert.
Zusammenarbeit über drei Jahre in diesem Segment
In einem virtuellen Video-Pressegespräch im Internet nahm Erek Speckert, Chief Executive Officer (CEO) Stellung zu den Auswirkungen für das Unternehmen. „Schon seit drei Jahren arbeiten wir mit Bosch bei der stationären Brennstoffzelle zusammen, aber schon seit eineinhalb Jahre waren Signale zu erkennen, dass Bosch das Thema zurückfahren könnte“, berichtete Speckert, der insofern von der Entscheidung nicht völlig überrascht war.
Bislang hohe Erwartungen mit dem Projekt verknüpft
Allerdings habe man hohe Erwartungen an dieses Zukunftsprojekt gehabt, auf potenzielle künftige Umsätze gehofft, die es jetzt daraus nicht gäbe. „Aber das Projekt hat uns geholfen, eine sehr gute Expertise in diesem Bereich aufzubauen“, stellte Speckert heraus. Man habe auch schon mit anderen Kunden dazu „Projekte am Laufen“.
Transformation zu neuen Produkten und Märkten
Obwohl man verglichen mit anderen Unternehmen bis jetzt insgesamt relativ gut durch die anhaltende Wirtschaftskrise gekommen sei, mache man am Standort Schramberg Verluste. Diese hätten aber mit der Brennstoffzelle nichts zu tun. „Wir sind von den Produkten her nach wie vor verbrennerlastig und immer noch in der Transformation zu neuen Produkten und Märkten“, erläuterte Speckert. Als Konsequenz habe man unter anderem ein „Kompetenzcenter“ aufgebaut, um das Industriegeschäft auszuweiten.
Krise des Textilmarkts wirkt sich aus
Ungünstig wirke sich die Krise auf dem Textilmarkt für die Hersteller von Textilmaschinen und Zulieferer wie Kern Liebers aus, weil mehr billige Kleider gekauft und auf billigen Maschinen hergestellt würden.
Um den Standort zu stützen, habe man im Textilbereich des Konzerns die Produktion inzwischen nicht nur von Göppingen, sondern auch von Budweis nach Schramberg geholt.
Bislang habe Speckert es geschafft, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. „Sollte auf Dauer der Markt nicht wieder anziehen, werden die bereits durchgeführten Maßnahmen und die zeitlich befristete Kurzarbeit nicht ausreichen um den Bereich profitabel zu gestalten“, erklärte Speckert dazu.
Strategischer Partner für Tochter Carl Haas gesucht
Sein grundsätzliches Ziel bleibe die Konzentration auf die Kernkompetenzendes Konzerns. Deshalb suche er auch nach wie vor nach einem strategischen Partner für das Tochterunternehmen Carl Haas.
Zölle für Unternehmen wie Kern Liebers nachteilig
Aufmerksam verfolgt Speckert die Wirtschafts- und Zollpolitik von Donald Trump: „Auch wenn diese uns in den USA und Mexiko derzeit nur bedingt treffen, sind Zölle für ein Unternehmen wie Kern Liebers immer nachteilig.“ Deutschland lebe vom Export seiner insbesondere technischen Güter. „Wenn diese zurückgehen, wie in 2024, trifft das unsere Kunden im nach wie vor wichtigsten Markt Deutschland und wir spüren das dann relativ schnell an unseren Produktionsstandorten in Deutschland“, stellte Speckert abschließend fest.