Der kleine Egon wird in der Igelauffangstation nach dem Wiegen gefüttert. Foto: Karlheinz Hoffmann

Herbstzeit ist Igelzeit: Kurz bevor es kalt wird, sind die Tiere nochmals unterwegs – auch in Neuhausen. Woran erkennt man, dass ein Igel Hilfe braucht? Und was sollte man dann tun?

Nur 190 Gramm schwer war der kleine Igel, der sich im Anbau einer Garage in Neuhausen versteckt hatte – eigentlich viel zu leicht für einen Igel im Herbst. Denn um es durch den Winter zu schaffen, müssen die Tiere sich eine deutliche Reserve anfressen.

 

Für den kleinen Kerl ging es daher nach Durchhausen in die dortige Igelauffangstation, wo er aufgepäppelt werden soll – und wo auch das Gewicht offiziell festgestellt wurde. Danach gab es für den kleinen Egon, wie das Tier benannt wurde, erst einmal etwas zu trinken, was er scheinbar dankend annimmt.

Igel wie Hugo sind – gerade in den Herbstmonaten – kein Einzelfall. Immer wieder werden der Auffangstation in Durchhausen, genauso wie weiteren Igelstationen in der ganzen Republik, Tiere vorbeigebracht, die Hilfe brauchen – aus verschiedenen Gründen. Das geht so weit, dass der Verein Igelherz Villingen-Schwenningen, der die Auffangstation in Durchhausen betreibt, im Oktober sogar einen vorläufigen Aufnahmestopp verkünden musste. Die Kapazitäten der ehrenamtlichen Helfer waren schlicht erschöpft.

Wenn eines der putzigen Tierchen in der Natur oder im eigenen Garten gefunden wird, ist die Hilfsbereitschaft oft groß. Doch woran erkennt man einen angeschlagenen Igel? Und was sollte man dann tun? Denn nicht jeder Igel braucht auch Hilfe.

Oftmals kann es ein Alarmzeichen sein, wenn ein Igel tagsüber unterwegs ist. Denn die Tiere sind eigentlich nachtaktiv. Wobei es Einschränkungen gibt: Sollte das Nahrungsangebot knapp sein, gehen Igel – vor allem junge Tiere – bisweilen auch tagsüber auf Futtersuche.

Hungerknick ist Warnzeichen

Stutzig sollte man vor allem werden, wenn ein Igel sehr hochbeinig läuft, sich im Kreis bewegt, seine Augen eingefallen sind, eine Falte am Nacken – der sogenannte Hungerknick – sichtbar ist, er allgemein wenig Rundungen aufweist oder abgemagert aussieht. Igel, bei denen nicht der Verdacht besteht, dass sie auf Hilfe angewiesen sind, sollte man nicht einfangen.

Und wenn man ein hilfsbedürftiges Tier entdeckt hat – was dann? Der Verein Igelherz rät zu sechs Schritten. Zuerst solle der Igel gesichert werden. Um ihn aufzuheben empfiehlt es sich, mit beiden Händen seitlich unter den Bauch zu fassen. Wobei der Eigenschutz im Vordergrund stehe: Der Verein rät dazu, Handschuhe oder ein Handtuch zu benutzen.

Wie viel wiegt das Tier?

Wichtiger Indikator ist – gerade im Herbst – das Gewicht des Igels: Anfang Oktober sollten die Tiere mindestens 350 Gramm wiegen, heißt es vonseiten des Vereins, Anfang November mindestens 600 Gramm. Daher sollte das Tier gewogen werden. Zudem empfiehlt sich zu prüfen, ob das Tier Wunden hat oder von Fliegeneiern oder Parasiten befallen ist. Gerade Fliegeneier sollten in einem dritten Schritt unbedingt entfernt werden, wie der Verein Igelherz schreibt, ebenso Zecken.

Wärmen und füttern

Vorübergehend untergebracht werden kann ein Igel in einem Karton oder einer offenen Box. Dabei sollte die Bleibe mindestens 50 Zentimeter hoch und mit Zeitungspapier ausgelegt sein. Zudem sollte der Igel gewärmt werden – etwa mit einer handwarmen Wärmflasche oder einer mit lauwarmem Wasser gefüllten PET-Flasche.

Der Verein empfiehlt weiter, Futter und Wasser bereitzustellen. Dabei kommt etwa getreide- und zuckerfreies Katzenfutter oder Rührei – „schlabberig“ und „ohne Gewürze“ – in Frage. Ganz wichtig sind dabei kleine Portionen, da ansonsten das sogenannte „Refeeding-Syndrom“ droht, das für den Igel tödlich enden kann.

Mit all diesen Maßnahmen ist der Igel erst einmal in guten Händen. Ein igelkundiger Tierarzt oder eine Igelstation wie jene in Durchhausen hilft dann weiter.