Zu einer aktuellen Stunde sind Dana Adam (rechts) und Simone Fischer (Zweite von rechts) bei CDU-Landtagsabgeordnetem Stefan Teufel (Zweiter von links) zu Gast. Mit dabei sind Marcus Türk (CDU-Kreistagsfraktion, links) und die Bundestagsabgeordnete Maria-Lena Weiss. Foto: Siegmeier

Die Helios Klinik hat den Rottweiler Beleghebammen eine Festanstellung angeboten, doch die Geburtshelferinnen befürchten massive Einbußen bei der Qualität ihres Angebots.

Das Hebammenthema beschäftigt weiter die Gemüter. Und mancher Beobachter fragt sich, warum die Hebammen eigentlich „nicht einfach“ den von Helios angebotenen Vertrag annehmen und in Festanstellung weiterarbeiten. Denn wie Kliniksprecherin Julia Stapel auf Anfrage betont, sei die Bezahlung „übertariflich und fair“. „Dann sind sie doch auch besser abgesichert“, ist in Gesprächen zu hören, oder „dann bekommen sie auch Geld, wenn an einem Tag keine Geburten sind“, „Vor- und Nachsorge können sie doch trotzdem machen“, und einige Argumente mehr.

 

Das Rottweiler Beleghebammenteam hatte den bestehenden Vertrag mit der Klinik geschlossen gekündigt, da der neue Hebammenhilfevertrag die Beleghebammen deutlich schlechter stellt und die Bedingungen für sie nicht akzeptabel sind.

Wieso den schlechteren Verträgen zugestimmt?

Es taucht dann die Frage auf, warum die Hebammenverbände den schlechteren Bedingungen dann überhaupt zugestimmt haben? Hier kommt die Erklärung: Nach langwierigen Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband (Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen) wurde keine Einigung erzielt, das führte zu einem Schiedsverfahren. Die Entscheidung der Schiedsstelle gilt als bindend. Sie hat sich aus Vertretern der Krankenkassen und der drei Hebammenverbände gebildet und wurde durch einen unabhängigen Vorsitz ergänzt.

Man habe eine Einigung gebraucht, heißt es, denn eine weitere Verzögerung hätte wohl bedeutet, dass die Vergütungen für freiberufliche Hebammen weiterhin auf dem niedrigen Niveau der vergangenen Jahre geblieben wären. Letztendlich wurde der DHV, der auch die Interessen der Beleghebammen vertritt, von den anderen Mitgliedern der Schiedsstelle überstimmt.

Warum das Belegsystem besser ist

Aber zurück zu den Rottweiler Beleghebammen und dem angebotenen Vertrag. „Wir halten an dem Belegsystem fest, weil wir seit mittlerweile über 21 Jahren ein gut funktionierendes System haben mit hoher Zufriedenheit auf beiden Seiten (Frauen und Teammitglieder), bedarfsorientiertem Arbeiten und Flexibilität in Arbeitszeit und Schichtbesetzung. Zudem ist die 1:1 Betreuung wesentlich häufiger umsetzbar – in 60 Prozent der Fälle (angestellt nur zwei Prozent heißt es in der Statistik einer Pressemitteilung des Hebammenverbandes) – und die Frauen profitieren davon. Außerdem haben wir eine eigenverantwortliche Organisation und wollen das weiter so“, so die Begründung der Rottweiler Hebammen.

Der Personalschlüssel sei mit dem Belegsystem besser, die Qualität der Leistungen ebenso, die Vergütung sei gerechter und man könne sich die Teammitglieder selbst suchen“, heißt es weiter. Auch die individuellen Leistungen wie Wochenbettbetreuung könnten die Hebammen selbst bestimmen.

Nein danke!

Das Belegsystem sei eingeführt worden, um aus einem kaputten System für alle Beteiligten – Frauen, Eltern und Hebammen – das Beste rauszuholen. „Und jetzt sollen wir schön brav dahin wieder zurück. Nur damit sich alle wieder auf unserem Rücken zurücklehnen können? Nein danke!“, schreiben die Hebammen weiter. Wie sich die einzelnen Teammitglieder letztlich im Januar entscheiden werden, ist momentan noch offen.

Am Donnerstag hatten die beiden Hebammen Simone Fischer und Dana Adam den CDU-Landtagsabgeordneten Stefan Teufel in seinem Büro besucht. Mit dabei auch die CDU-Bundestagsabgeordnete Maria-Lena Weiss und Marcus Türk, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Kreistag. Die drei betonten, wie wichtig ihnen eine verlässliche Geburtshilfe ist, die ein Teil der Daseinsvorsorge sei.

„Die Beleghebammen leisten einen sehr wichtigen Beitrag“, betonten sie, machten aber auch deutlich, dass sie direkt keinen Einfluss auf die Entscheidung und das weitere Prozedere hätten, sie aber per Brief beim Spitzenverband um Verständnis für die Beleghebammen vorstellig werden wollten. Sie ließen sich das komplexe Prozedere des neuen Hebammenhilfevertrags erklären.

Dabei wurde auch deutlich, dass nicht alle Hebammen schlechter gestellt würden, sondern der Vertrag für manche auch besser sei. „Nur für unsere Sparte ist die Änderung katastrophal und frustrierend“, so Fischer und Adam. Sie vermuten, dass dem GKV das Beleghebammensystem zu teuer sei und er deswegen diese Sparte unattraktiv machen wolle. Die Auswirkungen seien sogar im Vorfeld per Studie dokumentiert worden. Gebracht habe es dennoch nichts.

Geburtshilfe sehr wichtig

Maria-Lena Weiss bedauerte auch, dass es bei den Verhandlungen der Verbände mit dem GKV keine für alle passende Lösung gegeben habe und man das Schiedsverfahren habe wählen müssen. „Uns sind die Beleghebammen und die Geburtshilfen sehr wichtig und wir wollen gerne beitragen, was geht“, sagte Weiss, selbst Mama von drei Kindern, zu.

Die beiden Hebammen machten deutlich, dass das System für Freiberufler, sollte es so bleiben, maximal drei oder vier Monate durchhaltbar sei. Die Dokumentationspflicht sei enorm, ergänzten sie und zeigten dies anhand der Dokumentationsbögen auf.

Zwei Hebammen verlassen den Kreißsaal

Dass die Helios Klinik den Beleghebammen das Vertragsangebot gemacht hat, das wissen sie zu schätzen. Für die letztliche Entscheidung braucht aber jede von ihnen noch Zeit. Zwei der Hebammen haben bereits andere Stellen angenommen und werden den Kreißsaal im März verlassen.