Die Straße, in der Heidrun Pursche seinerzeit entführt wurde. Foto: Decker

54-Jähriger hat gestanden, Frau 2003 in Bad Krozingen entführt und ermordet zu haben. Kein Zufallsopfer.

Freiburg - Der seit mehr als 15 Jahren ungelöste Mord an der damals 57 Jahre alten Mitarbeiterin eines Reinigungsunternehmens Heidrun Pursche ist aufgeklärt. Am Dienstag wurde in der Sache ein dringend Tatverdächtiger festgenommen. Der Mann sei gefasst und erleichtert gewesen und habe sofort ein Geständnis abgelegt, so Staatsanwalt Thomas Orschitt am Freitag. Mittlerweile sitzt der 54 Jahre alte deutsche Tatverdächtige in U-Haft. Ihm werden räuberische Erpressung und Mord vorgeworfen.

Auf seine Spur waren die Ermittler im Juli nach einem Hinweis aus dem Umfeld des Verdächtigen gekommen. Nach Informationen unserer Zeitung soll der unverheiratete Familienvater in Buggingen/Breisgau-Hochschwarzwald einen Handwerksbetrieb haben. Die Hinweisgeberin soll aus seiner Familie stammen.

Ungelöste Morde verjähren nicht, die Akten werden "nie weggelegt, solange es zumindest eine theoretische Chance gibt, den Täter zu verhaften", so der Leiter der Freiburger Staatsanwaltschaft Dieter Inhofer. Vor allem dank der immer besseren Möglichkeiten der Kriminaltechnik könne man auch lang zurückliegende Kapitalverbrechen heute noch oft aufklären. Auch im Fall der ermordeten Heidrun Pursche waren nun die DNA-Experten des Landeskriminalamts zunächst gefordert: Sie bearbeiteten kleinste Mikrospuren, die man 2003 zum Zeitpunkt der Ermordung des Opfers noch nicht technisch aufbereiten konnte, um so die Indizienlage gegen den Verdächtigen zu erhärten. Es sollte sich aber zeigen, dass dies gar nicht nötig war: Der Mann hat die Tatvorwürfe umgehend eingeräumt und auch über sein Motiv Angaben gemacht. Details hierzu und zum Tathergang könne man aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen, so Thomas Orschitt. Das Motiv des Täters dürfte aber Habgier gewesen sein. Denn auch wenn die Leiche des Opfers unbekleidet aufgefunden wurde, ein Sexualdelikt liege nicht vor, so Kripochef Peter Egetemaier.

Frau war kein Zufallsopfer

Der Mörder hatte seinem Opfer am Morgen des 17. Januar 2003 auf dem Parkplatz einer Klinik im Kurgebiet in Bad Krozingen/Breisgau-Hochschwarzwald aufgelauert, als die aus Nordbaden stammende, alleinstehende Frau auf dem Weg zur Arbeit war. Später sollten Anwohner der Polizei melden, dass sie Hilferufe gehört hätten und sahen, wie eine Frau in ein helles Auto gezerrt wurde. Eine Stunde später, gegen 7:45 Uhr, hob ein Unbekannter mit Mütze und einem auffälligen Rucksack mit der EC-Karte der Frau mehrere Hundert Euro an einem Geldautomaten in Bad Krozingen ab. Ebenfalls am Tag der Entführung fand man das Auto von Heidrun Pursche, einen weißen VW Polo, auf einem Autobahnparkplatz bei Neuenburg/Breisgau-Hochschwarzwald. Vom Täter konnte man DNA-Spuren sichern.

Die Frau war, wie die Ermittler heute wissen, kein Zufallsopfer: Heidrun Pursche und ihr Mörder hatten einen gemeinsamen Bekannten, so Dieter Inhofer. Wer das war, sagen die Ermittler aber derzeit nicht. Man sei von Anfang an von einem Gewaltverbrechen ausgegangen, so Peter Egetemaier: Eine 45-köpfige Sonderkommission wurde eingerichtet, eine groß angelegte Suche mit Hunden, Helikopter und Rettungstauchern im Rhein blieb erfolglos. Auch ein Massen-Gentest über zwei Runden mit insgesamt 1300 Probanden aus Ehrenstetten, wo ein Zeuge das Auto der Frau gesehen hatte, und Bad Krozingen im Markgräfleland blieb erfolglos.

"Hätten wir damals den Kreis der Untersuchung etwas weiter gezogen, so wäre der Täter vielleicht damals schon gefasst worden", so Peter Egetemaier rückblickend. Heute gehe man davon aus, dass Heidrun Pursche noch am Tag ihrer Entführung ermordet und am späteren Leichenfundort im Wald bei Ehrenstetten/Breisgau-Hiochschwarzwald abgelegt wurde. Dort entdeckte der Hund einer Spaziergängerin die Tote neun Wochen nach ihrem Verschwinden, so Kriminalkommissar Andreas Nußbaumer, der zuletzt die "Ermittlungsgruppe Polo" bei der Freiburger Polizei leitete.

Zeugin schwieg 15 Jahre lang

Rund zwei Monate lang hat die Gruppe ermittelt, nachdem aus der Familie des Tatverdächtigen der Hinweis auf den Rucksack des Mannes kam, den man auf dem Überwachungsfoto des Geldautomaten vom Tattag erkennen kann: 15 Jahre lang muss die Last dieses Wissens auf der Zeugin gelegen haben, bevor sie nun den entscheidenden Schritt machte und zur Polizei ging, wo sich ein Puzzle-Teil zum nächsten fügte. Denn, so Nußbaumer, der Mann hat nicht nur die Tat gestanden, auch sein DNA-Abgleich passt zur Spurenlage.

Die Ermittlungen in dem Fall seien in den vergangenen Wochen "ein Kraftakt" gewesen, so Kripochef Peter Egetemaier. Und sie sind noch nicht abgeschlossen, wie Staatsanwalt Thomas Orschitt betont: So seien der genaue Todeszeitpunkt der Frau und die Frage, ob der Mörder womöglich einen Helfershelfer hatte, noch nicht abschließend geklärt. Hinweise auf einen Komplizen habe man derzeit aber nicht.

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