Die Stadt Calw will sich gemeinsam mit Wildberg und Gechingen nach einem wirtschaftlichen Partner suchen, der Windräder baut und betreibt. Die Vorrangflächen liegen auf der Gemarkungsgrenze der drei Kommunen.
Der Teilregionalplan Windenergie weist Vorrangflächen für Windenergie aus, auf denen Windräder schneller gebaut werden können.
Solche Flächen gibt es auch zwischen Stammheim und Holzbronn. Sie hören auf die Namen WC16 und WC17. Dazu kommt eine Fläche bei den Haselstaller Höfen: WC28.
Wo liegen die Flächen genau?
WC16 liegt westlich der B 296 hinter dem Lindenrain und befindet sich zum Großteil auf Calwer Gemarkung, der kleinere Teil gehört zu Wildberg. Insgesamt umfasst WC16 eine Fläche von 47 Hektar.
Auf der Wildberger Seite gibt es zusätzlich noch eine eine Erweiterungsmöglichkeit, was WC16 um nochmals etwa 50 Prozent vergrößern würde. WC17 liegt östlich der B 296 auf Höhe des Lindenrains. Das Gebiet zieht sich Richtung Gechingen und Stammheim und umfasst 98 Hektar. Der Großteil davon liegt auf Calwer Gemarkung. Nur kleine Zipfel gehören zu Gechingen oder Wildberg.
Die 36 Hektar große WC28-Fläche befindet sich südöstlich der Haselstaller Höfe auf Wildberger Gemarkung und grenzt an Deckenpfronner, Gechinger und Aidlinger Flächen. WC16 und 17 sind laut Verwaltung mindestens 800 Meter von Stammheim und 1380 Meter von Holzbronn entfernt.
Was haben die Kommunen vor?
Mittels Interessenbekundungsverfahren wollen Calw, Wildberg und Gechingen gemeinsam nach einem Erbauer und Betreiber der Windräder suchen, wie Oberbürgermeister Florian Kling im Calwer Gemeinderat erklärte.
„Wie fangen wir an?“, diese Frage solle laut Kling mit dem Verfahren geklärt werden. Er wolle nicht, dass ein Finanzfonds kommt und die Anlagen baut. Die Stadt Calw und die Bevölkerung solle von den Windrädern finanziell profitieren. Er könne sich zum Beispiel vorstellen, dass sich die zur ENCW gehörende Schwarzwald Energy beteilige. Auch könnte es möglich sein, dass Bürger Gesellschaftsanteile an den Windrädern kaufen und so mitverdienen.
Genau diese Details sollen in dem Verfahren laut Entwurfsdokument ausgearbeitet werden. Beteiligungsmöglichkeiten, ein Bürgerbeteiligungsprozess oder ein Pachtangebot stehen dort als Vorgaben. Potenzielle Projektentwickler sollen bis Ende Februar ein Angebot abgeben.
Es handelt sich dabei nicht um eine offizielle Ausschreibung. Das bedeutet: Die Kommunen müssen an keinen der Bewerber einen Auftrag vergeben. Ist keine geeignete Firma dabei, können die drei Gemeinden weiter suchen.
Was sind die Rahmenbedingungen?
Sollte keine passende Firma gefunden werden, heißt das aber nicht, dass dort keine Windräder gebaut werden. Ziel der Vorrangfläche sei es, eine schnellere Umsetzung zu ermöglichen, so Kling. Dafür habe der Regionalverband schon zum Teil eine Umweltprüfung gemacht. Es brauche noch ein Artenschutzgutachten und eine genaue Windmessung, welche die Wirtschaftlichkeit der Standorte bestätigt. Laut Windatlas sind die Flächen aber generell geeignet.
Windräder auf den Flächen könnten nicht mehr verhindert werden. „Wenn wir’s nicht machen, macht’s jemand anderes“, so Kling. Wenn dort schon Windräder kämen, solle die Kommunen wenigstens mitverdienen. Deshalb stoße man dieses Verfahren an.
Wer profitiert finanziell davon?
Verdienen können die Kommune zum Beispiel über die Pacht. Dafür müssten die Anlagen aber im Gemeindewald gebaut werden. Zum Teil gehören die Flächen aber ForstBW, damit flössen Pachteinnahmen auch ans Land. Deshalb will Kling, dass sich die ENCW beteiligt. Denn so könnte die Stadt direkt finanziell von den Anlagen profitieren.
Was sagt der Gemeinderat?
„Wir freuen uns regelrecht, dass es vorwärts geht“, sagte Rainer Burkhardt (SPD/Grüne). Er pochte aber auf eine Rückbauverpflichtung für potenzielle Betreiber.
Freuen tue er sich nicht, sagte Dieter Kömpf (FW), auch wenn er keine Grundsatzdebatte führen wolle. Die Windräder kämen, er sehe die Notwendigkeit. 100 000 Euro Einnahmen pro Jahr seien gut. Wobei man die Windprüfung abwarten müsse. Erst dann sei sicher, ob die Anlagen wirklich gebaut würden.
Auf diese Windprüfung spielte auch Martin Blaich (CDU) an. Auf seinen Flächen – er ist Landwirt – sei schon einmal gemessen worden. Ergebnis: unwirtschaftlich.
Johannes Schwarz (SPD/Grüne) erklärte, dass die Messung 25 Jahre her und die Anlagen heute höher seien. Blaich wohnt auf seinem Lindachhof von allen Calwern wohl am nächsten an den WC-Flächen. Auch wenn er kein Freund von Windrädern sei, stimme er zu, weil man es nicht verhindern könne, sagte Blaich.
Gabriele Pfeifer (Linke) forderte, auch die Kritiker im Prozess mitzunehmen.
Dass sah auch Bernhard Plappert (CDU) so. Er war froh, dass sich nach vielen Jahren etwas tut.
Oliver Höfle (GfC) lobte OB Kling, der Gegnern mit sachlichen Informationen begegne.
Aus der AfD wurde grundsätzlicher Zweifel an der Windenergie laut. Auch an der Abholzung des Waldes. Schwarz (SPD/Grüne) entgegnete, dass pro Windrad 0,5 Hektar Wald dauerhaft verschwinden würden. Zum Vergleich: Für die Erschließung des Gewerbegebietes Lindenrain mussten 21 Hektar Wald weichen.
Der Gemeinderat entschied sich bei zwei Gegenstimmen der AfD schließlich für das Interessenbekundungsverfahren.
Zuvor hatten bereits die Ortschaftsräte in Stammheim und Holzbronn zugestimmt – nach intensiver Bürgerfragestunde.