Die Zukunft der Linden am Minigolfgelände ist weiter offen. Der Naturschutzbund Mittleres Kinzigtal wendet sich nun mit einem Brief an die Gemeinderäte.
Wie geht es mit den alten Linden auf dem Gelände der Minigolf-Anlage weiter? Diese Frage sollte eigentlich schon länger beantwortet sein. Bei der Sitzung des Technischen Ausschusses am 22. April lag die Entscheidung bei den Ausschussmitgliedern. Die Entscheidung, ob die Bäume gefällt werden dürfen, wurde vertagt. Auf Antrag von Grünen und SPD gab der Ausschuss die Entscheidung weiter an den Gemeinderat, der nun am 20. Mai darüber entscheidet.
Hintergrund ist das sich im Bau befindende Mehrfamilienhaus „Herrengarten“. Das Gebäude umfasst 21 Wohnungen und grenzt rückseitig direkt an die schmale Kinzigstraße an. Der Komplex soll Ende 2026 fertiggestellt werden. Die Mehrzahl der Balkone sind in Richtung Kinzigstraße ausgerichtet, wo auch die sechs alten Linden stehen. Die mehr als 20 Meter hohen Bäume ragen mit ihren Kronen nahe an die künftigen Balkone heran. Die Vermutung laut den Unterlagen der Stadtverwaltung: Die Belaubung könne sowohl zu einer Beeinträchtigung des Lichteinfalls und damit einer Verdunkelung der Wohnungen als auch zu einer verminderten Aussicht führen. „Zudem ist im Herbst mit einer Verschmutzung auf den Balkonen durch den Laubfall zu rechnen“, heißt es weiter.
Weniger Sonnenlicht und mehr Schmutz befürchtet
Die Möglichkeit, dass der Gemeinderat der Fällung der sechs Linden grünes Licht geben könnte, sorgt auch für Protest. So hat sich der Nabu Mittleres Kinzigtal mit einem Schreiben an die Wolfacher Gemeinderäte gewandt. „Nach Prüfung der Situation und unter Berücksichtigung ökologischer Aspekte sprechen wir uns entschieden gegen die Fällung dieser Bäume aus“, stellt die Nabu-Gruppe in dem Schreiben klar. Die Nabu-Ortsgruppe hat eigenen Angaben nach 946 Mitglieder, davon 61 aus Wolfach.
Die Naturschützer sprechen sich mit Blick auf den Klimaschutz und die Bedeutung für die Biodiversität gegen mögliche Fällungen aus. „Linden als Stadtbäume spielen eine zentrale Rolle im urbanen Klimaschutz und tragen maßgeblich zur Anpassung an den Klimawandel bei“, so der Nabu in dem Brief. Linden seien robuste Baumarten und an steigende Temperaturen angepasst. Zudem würden die Bäume das Stadtklima verbessern, indem sie für Kühlung bei Hitze sorgen, ist die Kinzigtäler Nabu-Gruppe überzeugt. Besonders alte Bäume seien besonders wertvoll. „Durch ihre tiefen Wurzelsysteme und große Blattflächen verdunsten alte Bäume mehr Wasser als junge Bäume, was den Kühlungseffekt in der Stadt deutlich verstärkt“, begründet der Nabu. Etwa 100 Jahre alt seien die Linden, so das Schreiben.
Betroffene Linden sollen gesund sein
Generell sind die betroffenen sechs Linden gesund. „Bei den Bäumen ist die Vitalität gegeben“, heißt es dazu in den Verwaltungsunterlagen. Zwar hätten alle Linden einen erheblichen Schaden in ihrer Krone, die Verkehrssicherheit sei dennoch gegeben, betont die Verwaltung.
Noch ist völlig offen, wie es mit den betroffenen Bäumen an der Kinzigstraße weitergeht. Klar ist: Am 20. Mai steht das Thema wieder auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Das bestätigt Wolfachs Hauptamtsleiter Dirk Bregger auf Anfrage unserer Redaktion.
„Jetzt ist das Problem bekannt“, erklärt er. Gemeint ist das Geäst, das bis zum im Bau befindlichem Haus heranreicht. In aller Ruhe werde sich das Gremium nun damit befassen. Die Beschlussvorlage werde die gleiche wie auch schon bei der Sitzung des Technischen Ausschusses im April sein, blickt der Hauptamtsleiter voraus.
Abstimmung
Dem Antrag von Grünen und SPD, die Entscheidung zu den Linden dem Gemeinderat zu übergeben, stimmte eine deutliche Mehrheit zu. Den sechs Ja-Stimmen der Gemeinderäte Jehle, Haller, Boser, Happle, Schamm, Kern standen laut Ergebnisprotokoll die Nein-Stimmen von Bürgermeister Thomas Geppert sowie den Räten Wöhrle und Schmider gegenüber. Damit der Ausschuss eine eigentlich in seinen Zuständigkeitsbereich fallende Beratung an das Hauptgremium abgeben durfte, benötigte es ein „herausragendes Interesse“. Dieses gab es. So seien etwa Räte häufig auf das Thema angesprochen worden.