Der CDU-Kreisverband Rottweil hat einen Diskussionsabend zur Zukunft der Landwirtschaft veranstaltet. Das Hauptthema: die Versorgung durch Biogasanlagen.
Matthias Ruthardt und Jürgen Reich würden gern die Biogasanlage in Dornhan erweitern, ein bis zwei weitere Kuppeln bauen, um Strom flexibler zu erzeugen. Im Sommer ist viel Strom von Photovoltaikanlagen verfügbar. Wenn Solarenergie im Spätherbst und Winter weniger vorhanden ist, könnte mehr Strom mit Biogas produziert werden, so ihre Überlegung.
Eine Voraussetzung dafür: Die politischen Rahmenbedingungen müssten stimmen. Die Biogasbranche wolle investieren, doch um ausbauen zu können, brauche man bei den gestiegenen Preisen Sicherheit. Jürgen Reich sprach Klartext – es geht um mehr Geld für den eingespeisten Strom: „Wir kommen mit den Preisen nicht mehr klar.“ Er befürchtet, dass ein Drittel der Biogasanlagenbetreiber künftig nicht mehr produzieren werde.
Große Sorgen von Betreibern
Was das bedeutet, machte Matthias Ruthardt für die Biogasanlage in Dornhan deutlich. Die Betreiber haben 30 Lieferanten aus der Stadt und der Umgebung. Könnten sie ihr Grünland nicht mehr vermarkten, würde sich die Frage stellen, wie die Flächen sonst genutzt werden. „Wir haben ein schlüssiges Konzept“, betonte Ruthardt. Es wird Strom erzeugt und Wärme an die Stadt abgegeben. 30 Prozent der Inhaltsstoffe einer Biogasanlage seien Gülle. Sie werde verarbeitet, gehe dann aber an den Lieferanten als Dünger wieder zurück. Zudem würden mit höherem Aufwand Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Flächen bewirtschaftet.
Auch andere Betreiber haben Sorgen: „Wir stehen vor der Entscheidung, wie es weitergeht“, sagte Junglandwirt Andreas Munz aus Waldmössingen. Er betreibt eine kleinere Biogasanlage unter anderem mit Hühnermist. Die Fixkosten seien zu hoch, egal ob man eine Anlage mit 1500 oder 200 Kilowatt habe. „Wir brauchen einen Kleinanlagenzuschuss“, forderte er. Ein anderer Landwirt verglich Biogasanlagen mit Windrädern: „Wir haben mal zu viel, mal zu wenig Strom.“ Biogasanlagen lieferten dagegen zuverlässig Energie und hätten sich bewährt, deshalb sollte man hier in den Bestand investieren, anstatt das Geld, wie er es formulierte, „in eine Tragödie zu stecken“.
Thematisiert wurden auch die Bürokratie und die Kontrollen. Unverständlich sei, wenn eine vegetarische Kontrolleurin einen Landwirt unterrichten wolle, wie Schweine gehalten würden. Oder wenn Landwirten vorgeschrieben werde, wann sie FFH-Flächen mähen müssten. „Als Landwirt brauche ich etwas Freiheit. Ich muss düngen und ernten können, wenn es notwendig ist.“
Der Europaabgeordnete Andreas Schwab konnte nicht auf alle Anliegen eine Antwort geben. Was er allerdings auf seiner Liste für Brüssel vermerkte, war, dass durch Biomasse eine sichere und nachhaltige Energieerzeugung gewährleistet ist. Dies könne Schwächen von Windrädern und Solaranlagen kompensieren. Das unterstrich Landtagsabgeordneter Stefan Teufel: „Biogas ist eine grundlastfähige Energie, die wir in der Region brauchen. Das passt auch für Dornhan und die Wärmenutzung.“
Die Flexibilisierung der Stromerzeugung müsse im Fokus stehen. Dazu gehöre, die Speicherkapazitäten zu optimieren. Für Teufel ist aber auch die Versorgungssicherheit wichtig. Deshalb sei es im Interesse des Landes, dass die EU-Agrarmittel nicht drastisch gestrichen würden. Teufel: „Wir müssen danach schauen, dass die Landwirtschaft Zukunft hat und die Lebensmittelproduktion im Land erhalten wird.“