Die Wildtierhilfe kümmerte sich dieses Jahr bereits um einen Wespenbussard. Foto: Sandy Großmann

Ob Nestling oder verletzter Greifvogel: Wer ein Wildtier findet, steht schnell vor Unsicherheiten. Die Wildtierhilfe Kreis Calw erklärt, wie Finder wirklich helfen können.

Wenn es darum geht, ein wildes Tier zu retten, kursieren viele Gerüchte und gefährliches Halbwissen. Doch wie sollten sich Passanten verhalten, die tatsächlich mal in so eine Situation geraten? Sandy Großmann von der Wildtierhilfe Kreis Calw klärt auf.

 

„Als Erstes sollte man auf gar keinen Fall die Tiere füttern oder ihnen Wasser beziehungsweise Milch geben“, warnt die 33-Jährige nachdrücklich. Der Grund ist einfach erklärt: Bei Vögeln sitzt die Luftröhre direkt unter der Zunge. „Wenn man ihnen dann Wasser einflößt, würden sie praktisch an Land ertrinken und sterben“, so Großmann. Einige Vögel fressen zudem nur bestimmte Sorten Nahrung oder sind reine Vegetarier. „Da ist es besser, erstmal gar nichts zu füttern“, meint sie.

Wildtierhilfe räumt mit Mythen auf

Nach einem Unfall oder einem Flugtrauma braucht das Tier ohnehin vor allem Ruhe. Kleine Tiere können mehrere Stunden ohne Nahrung überleben – Greifvögel sogar eine Woche. Damit wäre dieser Mythos schonmal beseitigt.

Doch wie können Finder stattdessen helfen? Generell ist es sinnvoll, die Tiere in einen Karton mit Luftlöchern zu setzen, ausgelegt mit einem alten Handtuch oder Küchenrolle. Sogar kleine Vögel – auch Nestlinge genannt – dürfen mit der Hand angefasst werden. „Bei Greifvögeln sollte man aber mit Schnabel und Greife aufpassen“, erklärt die Wildbergerin.

Anders als bei Eichhörnchen reagieren Vögel nicht auf menschlichen Geruch: Handschuhe sind daher grundsätzlich nicht nötig. Findet jemand einen Nestling, kann er zunächst versuchen, ihn zurück ins Nest zu setzen. Fällt er jedoch erneut heraus, könne man sich sicher sein, dass er Hilfe braucht, erläutert Sandy Großmann. Gründe dafür gibt es viele: Oft ist das Nest zu eng oder die Vogeleltern spüren bereits Beeinträchtigungen bei den Jungtieren.

Nestlinge brauchen Wärme

Bei nackten Tierchen ist es außerdem wichtig, sie zu wärmen. Ein Nestling benötigt etwa 38 Grad, also Körperwärme. Da eine Wärmelampe nicht in jedem Haushalt zur Standardausstattung gehört, erklärt Großmann, wie man mit einfachen Alltagsgegenständen Abhilfe schafft. Neben Kirschkernkissen und Wärmflaschen gibt es weitere Alternativen: Eine PET-Flasche mit warmem Wasser, in den Karton unter ein Tuch gelegt, oder ein mit warmem Wasser gefüllter und verknoteter Gummihandschuh, der keine Flüssigkeit austreten lässt.

Sobald das Tier versorgt ist, sollten unbedingt professionelle Helfer alarmiert werden – etwa die Wildtierhilfe, aber auch Polizeireviere, Tierärzte, Tierheime oder Feuerwehrleitstellen.

Säugetiere sollte man erstmal beobachten

Bei Säugetieren – zum Beispiel Eichhörnchen, Rehkitzen oder Feldhasen – verhält es sich anders. Bei ihnen ist es ratsam, zunächst zu beobachten und abzuwarten, bevor man sie anfasst. „Dann lieber nach drei bis vier Stunden noch einmal zurückkommen und schauen, ob das Tier immer noch Hilfe braucht.“

Falls man sich entscheidet einzugreifen, sollte man unbedingt daran denken, Handschuhe oder eine Jacke zu benutzen. Auch hier gilt: Den Tieren weder Essen noch Trinken geben. „Ein Eichhörnchen, dem man Kuhmilch gibt, würde sofort sterben“, erklärt Sandy Großmann. Die Tiere brauchen oft sehr spezifische Nahrung, andernfalls drohen ernste Magenbeschwerden.

Schon seit zehn Jahren kümmert sich Sandy Großmann leidenschaftlich um Wildtiere. Über die Jahre hat sie immer mehr Geräte angeschafft, um die Tiere bestmöglich bei der Genesung zu unterstützen. „Ziel ist, dass die Tiere optimal auf ein Leben in Freiheit vorbereitet werden“, so Großmann.

Erste Hilfe für gefundene Tiere

Wildtierhilfe Kreis Calw
www.wildtierhilfe-calw.de