Der Solarpark Traufwiesen im Tübinger Gewerbegebiet Neckaraue, Au Ost, war bislang mit 15.000 PV-Modulen die größte Freiflächen-Photovoltaik-Anlage in der Region. Die Seebronner Anlage wird noch etwas größer. Dort sollen 18.000 PV-Module verbaut werden. Foto: Stadtwerke Tübingen

18.000 Module auf 10,7 Hektar: Die Firma ABO Energy plant eine Großanlage entlang der Autobahn A81. Zudem soll ein Batteriespeicher gebaut werden.

Nördlich der Autobahn A81, zwischen Seebronn und Bondorf, soll eine der größten Freiflächen-PV-Anlagen der Region entstehen. Das Wiesbadener Unternehmen ABO Energy plant dort einen Solarpark auf einer Fläche von 10,7 Hektar. 18.000 Solarmodule sollen dort aufgestellt werden. Die Planer gehen derzeit von einer jährlich erzeugten Strommenge von 13,5 Millionen Kilowattstunden aus. Mit einer solchen Strommenge lassen sich 3500 bis 4000 Haushalte versorgen. Zudem soll ein Batteriespeicher gebaut werden.

 

Das Areal liegt im sogenannten 200-Meter Randstreifen der Autobahn A 81, im westlichen Zipfel der Seebronner Gemarkung. (Von Seebronn erreicht man das Gelände im Gewann „Spitalwald“, wenn man in Richtung Bondorf fährt, unter der Autobahn hindurch, und dann vor dem kleinen Wäldchen links abbiegt.) Das Gelände sei von Seebronn also gar nicht einsehbar, sagt Seebronns Ortsvorsteher Gert Kronenthaler, der allerdings auch keine größeren Proteste erwartet. Anders als Windkraftanlagen seien PV-Anlagen in der Bevölkerung längst akzeptiert.

Bei den geplanten Windkraftanlagen zwischen Seebronn, Wendelsheim, Oberndorf und Hailfingen hatte sich die Mehrheit im Ortschaftsrat gegen die Windräder ausgesprochen. Bei der Abstimmung im November 2022 ging es allerdings darum, ob städtische Waldstücke für den Bau zur Verfügung gestellt werden. Nach der Ablehnung im Ortschaftsrat wurde das Windrad, das auf dem Seebronner Grundstück stehen sollte, aus der Planung herausgenommen.

Projektleiterin im Ortschaftsrat

Über die geplante Freiflächen-PV-Anlage informiert das Unternehmen ABO in der kommenden Ortschaftsratssitzung am Mittwoch, 19. November. Die zuständige Projektleiterin Carolin Eisemann wird im Ortschaftsrat anwesend sein. Mitentscheiden oder gar ablehnen kann der Ortschaftsrat in diesem Fall jedoch nicht. Der Bau solcher Anlagen ist, wenn die Planung den baurechtlichen Vorgaben entspricht, generell erlaubt und im Sinne der Klimawende politisch erwünscht.

Deshalb wurden zum Beispiel für Autobahn-Randstreifen mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz von 2023 die baurechtlichen Vorgaben für Solarparks vereinfacht, um schnelleres Bauen zu ermöglichen. PV-Anlagen gelten dort als „privilegierte Vorhaben“. Es muss kein Bebauungsplan erstellt werden – was die Planungszeit deutlich verkürzt. Einen Bauantrag muss ABO Energy aber dennoch stellen. Hier befindet sich das Unternehmen bereits auf der Zielgeraden. „Die Gutachten sind alle erstellt“, sagt Projektleiterin Eisemann. Wenn der Baubescheid der Stadtverwaltung da sei, könne man „loslegen“.

Nördlich der A81, zwischen Seebronn und Bondorf, liegt das Baufeld für die PV-Anlage.  Westlich (links im Bild) wird die Fläche begrenzt von der Kreisstraße, die von Bondorf nach Wolfenhausen führt. Foto: Carolin Eisemann/ABO Energy GmbH & Co. KGaA

Bauteile haben lange Lieferzeiten

Bis die Solarmodule stehen, werden dennoch etliche Monate ins Land gehen. Die technischen Bauteile haben lange Lieferzeiten. „Wenn wir jetzt bestellen würden, werden die Transformatoren frühestens in einem Jahr geliefert“, so Eisemann. Die Batteriespeicher bräuchten noch länger. Die Batteriespeicher werden in Containern neben der Anlage errichtet. Sie werden genutzt, um die Einspeisungszeiten in das öffentliche Netz zu puffern. Baustart ist deshalb im Laufe des Jahres 2026 oder 2027. Eisemann rechnet mit einer Bauzeit von fünf bis sechs Monaten.

Die Flächen, auf denen künftig Solarmodule stehen, sind bislang Ackerland. ABO hat die Äcker von dem privaten Eigentümer gepachtet, auf 30 Jahre. So lange ist die anvisierte Laufzeit der Anlage.

Mit der Autobahngesellschaft haben die Planer verhandelt, wie nah die umzäunte Anlage an die Autobahn heranrücken darf. Im Schnitt werden 20 Meter Abstand eingehalten. An einer Stelle auch etwas mehr, weil die Autobahngesellschaft dort eine Betriebszufahrt bauen will, irgendwann.

Große Anlage in Tübingen

Die Seebronner Anlage dürfte die vorerst größte im Kreis Tübingen werden. Diesen Titel trug bislang die Freiflächen-PV-Anlage Traufwiesen im Tübinger Gewerbegebiet Au Ost. Der dortige Solarpark mit 15.000 Modulen auf einer Fläche von knapp 8 Hektar und einer Leistung von 8,6 Kilowattpeak wird von den Stadtwerken Tübingen betrieben. Das Areal liegt an der B27, zwischen der Abfahrt Lustnau (beim „Hornbach“) und dem Industriegebiet Unterer Wert. Der Solarpark Traufwiesen ging 2024 in Betrieb, nach einer Bauzeit von vier Monaten.

Weltweit aktiv

ABO Energy
ABO Energy ist ein weltweit agierendes Unternehmen. Gegründet 1996, ist das Unternehmen stetig gewachsen. Ursprünglich vor allem in der Windenergie-Branche tätig, entwickelt ABO mittlerweile auch große PV-Anlagen und ist zudem im Wasserstoff-Sektor tätig. ABO-Anlagen befinden sich in ganz Europa, Kanada, Kolumbien, Argentinien und Südafrika. In Baden-Württemberg baut ABO Energy derzeit PV-Anlagen in Deißlingen bei Rottweil und Neckarbischofsheim, Anlagen in Osterburken-Schlierstadt und Rottenacker sind bereits in Betrieb gegangen. Dabei ist ABO Energy als Projektentwickler tätig. Das Unternehmen plant und errichtet Wind- und Solarparks. Stehen die Anlagen, werden diese an Investoren, darunter auch Stadtwerke, weiterverkauft. ABO bietet den Investoren die weitere technische und kaufmännische Betriebsführung der Anlagen an.

Ortschaftsrat Seebronn
Carolin Eisemann, Projektleiterin für den Solarpark Seebronn bei ABO Energy, ist am Mittwoch, 19. November, im Seebronner Ortschaftsrat und informiert über das Projekt. Die Sitzung im Bürgertreff, Achalmstraße 18, beginnt um 19.30 Uhr.