Das Schwarzwald-Baar-Klinikum schließt seinen Standort in Donaueschingen, dafür muss aber in Villingen-Schwenningen ein neuer Anbau errichtet werden.
Der Kreistag beschloss am Montag mit großer Mehrheit (49:3 Stimmen), das ehemalige Kreiskrankenhaus in Donaueschingen (160 Betten) mittelfristig zu schließen und an das zentrale Klinikum nach Villingen-Schwenningen (etwa 840 Betten) zu verlegen. Der Umzug erfolgt, sobald der neue Anbau in Villingen-Schwenningen betriebsbereit ist. Laut Klinikgeschäftsführer Matthias Geiser könnte dies in fünf bis sieben Jahren der Fall sein.
Donaueschingens Oberbürgermeister Erik Pauly nannte gegenüber unserer Redaktion als voraussichtliches Datum das Jahr 2032, dies werde auch im Gutachten der Klinik-GmbH genannt.
Die Schließung von Donaueschingen soll innerhalb der nächsten zehn Jahre zu einem positiven wirtschaftlichen Effekt von 25 Millionen Euro führen, obwohl der geplante Neubau 108,6 Millionen Euro kosten wird.
Verlagerung spart insgesamt 77 Millionen Euro
Dagegen hätte eine Beibehaltung des Status quo innerhalb von zehn Jahren zu einem aufaddierten Defizit von 52 Millionen Euro geführt. Durch die Verlagerung spart man also insgesamt 77 Millionen Euro ein, wobei Baukosten und Betrieb mit eingerechnet sind.
Auch Fördermittel aus dem Transformationsfonds des Bundes werden erwartet. Da Villingen-Schwenningen Gesellschafter der Klinik-GmbH ist, beschäftigt sich der Gemeinderat der Stadt am 20. Mai mit dem Thema, danach soll der Aufsichtsrat des Klinikums die Entscheidung treffen.
Die Klinikgesellschaft ist bereits an der Umsetzung der Umstrukturierung. Die Umkleiden werden am Standort Villingen-Schwenningen zentralisiert, neue Spinde beschafft.
Erste Umzüge bereits zum Jahresende 2026
Zum Jahresende 2026 ziehen die Fachabteilungen Thoraxchirurgie, Pneumologie und Geriatrie von Donaueschingen nach Villingen-Schwenningen. Einzelne Abteilungen werden in VS schon saniert. „Wir schaffen zusätzlichen Büroraum für die Ambulanzen“, so Klinik-Geschäftsführer Mathias Geiser. Es wird auch ein Mitarbeiterparkhaus geplant.
Landrat Sven Hinterseh erläuterte, dass sich die Klinik seit 2024 in einem schwierigen Fahrwasser befindet. Zudem habe die Krankenhausreform der Bundesregierung weitere negative Auswirkungen auch auf das Schwarzwald-Baar-Klinikum.
Wie Klinik-Geschäftsführer Matthias Geiser informierte, sind nach dem Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) nur noch Krankenhausstandorte erlaubt, die maximal zwei Kilometer auseinander liegen. „An dieser Regelung hat auch die neue Bundesregierung nichts geändert“, so Geiser, Donaueschingen liegt 18 Kilometer weit weg. Die Alternative ist eine Umwandlung des Standortes Donaueschingen in eine Fachklinik, wie dies auch das Gutachten der WMC Healthcare GmbH vorschlug.
Einsparungen bei den Krankenkassen
Verschärft wird die Situation des Schwarzwald-Baar-Klinikums durch die geplanten Einsparungen bei den Krankenkassen, die schon 2027 greifen. So werden Ausgaben für Personal und Behandlungen gedeckelt.
Hinterseh und Geiser empfahlen dem Kreistag, die Schließung des Standortes Donaueschingen, weil sie den Haushalt mittelfristig am wenigsten belasten. Geiser räumte ein, dass nicht alle Mitarbeiter begeistert seien, wenn sie ihren Arbeitsplatz wechseln müssen. „Ich werde alles tun, dass jeder in der neuen Struktur in Villingen-Schwenningen einen guten Platz findet“, versprach der Geschäftsführer.
Oberbürgermeister Jürgen Roth (CDU) verwies auf die umfangreiche Bürgerbeteiligung. Diese größte strategische Entscheidung für die medizinische Versorgung werde nicht leichtfertig getroffen, man erkenne die „Sorgen der Bewohner im Südkreis“ an, habe aber auch eine Verantwortung für die Finanzen des Kreises.
Gutachten macht gute Vorschläge
Walter Klumpp (Freie Wähler) befand, das Gutachten habe gute Vorschläge gemacht, um aus dem Defizit heraus zu kommen, seine Fraktion stimmte dem Vorschlag des Landrats zu. Klumpp wies den Vorwurf des Donaueschinger Gemeinderats zurück, die Klinik-GmbH habe nichts in den Standort Donaueschingen investiert.
Joachim von Mirbach (Die Grünen) nannte die vom Bund festgelegte Zwei-Kilometer-Grenze für Klinikstandorte „die blanke Willkür“. Jedoch gebe es „keine Argumente mehr die für die Beibehaltung des Standortes Donaueschingen im Status quo“.
In Donaueschingen ein privates MVZ errichten
Oliver Freischlader (SPD) meinte: „Wir müssen uns den Realitäten stellen“ und das Optimale für das Klinikum herausholen. Er gab zu: „Eine Klinik zu schließen ist für die Umgebung immer eine Katastrophe, aber es hilft nichts“, - er schlug vor, in Donaueschingen wie in Schwenningen ein privates MVZ zu errichten.
Für Frank Bonath (FDP) ist die Klinikschließung aufgrund des finanziellen Drucks nötig: „Wir reagieren auf äußere Einflüsse“. Roland Erndle (FDP) aus Donaueschingen erklärte, um das Krankenhaus hätten sich Strukturen gebildet, es sei schwer zu ersetzen. Sein Fraktionskollege Sven Wehinger sprach gar von einer Versorgungslücke. Landrat Sven Hinterseh widersprach: „Wir gefährden nicht die Notfallversorgung des Südkreises.“ Verena Buddeberg (AfD) stellte fest, die finanzielle Situation lasse eine Weiterführung der Klinik Donaueschingen nicht zu.