Die Lizenz ist da: Das Freiburger Regierungspräsidium hat dem Verein „Holy Green Paradise“ die Genehmigung zum Anbau des Rauschmittels erteilt. Vorsitzender Willi Erling freut sich nun auf die nächsten Schritte. Mit einer ersten Ernte rechnet er im Sommer.
„Ich bin erleichtert, glücklich und zufrieden“, sagt Willi Erling. Acht Monate musste der Vorsitzende des bis dato einzigen „Social Clubs“ in der Stadt warten, Anfang der Woche erhielt sein Verein grünes Licht aus Freiburg für den kontrollierten Anbau von Cannabis. Die Vorbereitungen für das „Growen“ und die Ausgabe an Mitglieder laufen nun auf Hochtouren.
Warum es so lange gedauert hat, bis der Lahrer Verein die Lizenz erhalten hat, kann sich Erling nicht erklären. Die Pendants aus Achern und Offenburg kamen schneller zum Zug. Der Lahrer Vorsitzende vermutet, dass das RP die Einhaltung der Auflagen „ganz genau geprüft“ hat. Schließlich gebe es strenge Vorschriften, das Dokument umfasse stolze 28 Seiten.
„Man war ungeduldig“, gesteht Erling ein. Tatsächlich seien viele Interessierte in der Zwischenzeit abgesprungen. Der Verein, der im Sommer 2023 mit Aussicht auf baldige Teil-Legalisierung des Rauschmittels gegründet wurde, zählt aktuell 91 Mitglieder. „Es waren schon 140“, blickt Erling zurück.
Verein Investiert 1,2 Millionen Euro
Der gelernte Zerspanungsmechaniker hat sich davon aber nicht abschrecken lassen. „Wir hoffen nun auf Zuwachs“, sagt Erling. Mit seinem Verein will er einen „guten Beitrag zur Schwarzmarkt-Austrocknung“ in Lahr leisten. Dafür wird kräftig investiert. Der Vorsitzende verrät, dass die Mitglieder insgesamt sage und schreibe 1,2 Millionen Euro in den kontrollierten Anbau und Vertrieb stecken.
Der größte Batzen wird dabei für die Anlage verwendet. In einer Halle in der Carl-Benz-Straße 6 im Lahrer Westen will der Verein unter „professionellen Bedingungen“, heißt mit der richtigen Luftfeuchtigkeit und Raumtemperatur, die Cannabis-Pflanzen großziehen. „Wir warten zurzeit auf die Baugenehmigung für die Anlage“, erklärt Erling. Auch die Ausgabestelle, die sich am gleichen Ort befinden wird, gelte es vorzubereiten. Und wann können die Mitglieder richtig loslegen? „Im Sommer soll geerntet werden, wenn alles klappt“, blickt Erling voraus.
Finanzierung erfolgt über Mitgliedsbeiträge und Abgabegebühren
Finanzieren wird der Verein, Bau und Betrieb der Anlage durch Aufnahmegebühren, Mitgliedsbeiträge und die Abgabepreise. „Strom, Miete, Personal“, führt Erling auf, muss der Verein bezahlen. Zudem ist auf die Sicherheit zu achten. Es bestehe die Gefahr, erklärt Erling, dass Kriminelle die Anlage plündern, um sich selbst am Rauschmittel zu bereichern. „Wir hoffen natürlich nicht, dass es dazu kommt“, so der Vorsitzende. Dennoch seien entsprechende Sicherheitsauflagen einzuhalten, die Polizei sei bereits für eine Risikoanalyse vor Ort gewesen.
Für den Eintritt in den Verein werden aktuell 150 Euro fällig, hinzu kommt der jährliche Mitgliedsbeitrag von 180 Euro. Ein Gramm Cannabis, plant der Verein, soll einmal zehn Euro kosten. Profit zu machen, ist nicht erlaubt. Denn qua Gesetz müssen Social Clubs in Deutschland kostendeckend arbeiten, also nicht mehr einnehmen als sie ausgeben. Man dürfe allerdings „etwas Geld zur Seite legen“, so Erling, falls beispielsweise Reparaturen nötig sind.
Auf das achtköpfige Organisationsteam, das neben dem Vorsitzenden auch unter anderem aus Beauftragten für den Anbau, die Sicherheit und die Suchtprävention besteht, kommt nun einiges an Arbeit zu. Unter anderem gilt es, geeignete Prozesse von Anbau bis Abgabe zu entwickeln – auch was die Dokumentation angeht. Der Cannabis-Club muss etwa Proben zur Kontrolle verschicken. Während des Wartens auf die Lizenz habe man viel Vorarbeit leisten können, erklärt Erling, nun geht es an die Feinplanung.
Keine Angst vor Rücknahme der Legalisierung
Angst, dass die Teil-Legalisierung bald von einer CDU-geführten Regierung rückgängig gemacht wird, hat der Lahrer Vorsitzende nicht – der designierte Kanzler Friedrich Merz hatte im Wahlkampf betont, dass das Cannabis-Gesetz der Ampel ein Fehler gewesen sei. Erling geht jedoch davon aus, dass auch die CDU bald ein Einsehen haben werde. Spätestens „wenn Steuerzahlen auf dem Tisch liegen. Es ist ein Millionengeschäft“, erklärt der Vorsitzende. Auf die Einnahmen über die Abgabe von Cannabis müssten die Vereine nämlich 19 Prozent Mehrwertsteuer zahlen – in Lahr also 1,90 Euro pro Gramm. Darüber hinaus sei er, wenn auch selbst kein Konsument, von der positiven Wirkung des kontrollierten Konsums überzeugt. Als zertifizierter Sachverständiger für Cannabis-Medikation wisse er, „dass Cannabis den Menschen helfen kann“.
Die Vorfreude, dass es nun endlich losgehen kann, ist Willi Erling im Gespräch mit unserer Redaktion anzumerken. Und auch für die kommenden Jahre hat der Vorsitzende Pläne. Er kündigt ein „gigantisches Projekt für den Cannabis-Markt“ für das Jahr 2027 an. Mehr verraten will er noch nicht.
Die Auflagen
Das neue Cannabis-Gesetz ist seit 1. April 2024 in Kraft. Es erlaubt neben dem privaten „Growen“ im kleinen Maße Vereinen, sogenannten Social Clubs, den Anbau und Vertrieb des Rauschmittels. Jedes Mitglied in einem solchen Verein darf maximal 50 Gramm Cannabis pro Monat und 25 Gramm auf einmal kaufen. Die Päckchen müssen persönlich abgeholt werden. Zu den Auflagen für die Vereine zählen auch Präventionsprogramme.