Der neue Tarif: eine Stunde, ein Euro, auch am Wochenende – und kostenloses Parken ist nur noch eine Stunde lang in den Parkhäusern möglich. Foto: Otto

Die neuen Parkgebühren in Rottweil bewegen die Gemüter weiter. Es gibt Kritik, Debatten und neue Vorschläge. Auch das neue Parkhaus steht unter genauster Beobachtung.

Seit Mitte September gehen die Uhren in Rottweil anders – die Parkuhren, um genau zu sein. Das neue Gebührenkonzept ist seither Thema Nummer eins beim Einkaufen, beim Kaffeekränzchen und beim Kirchgang. Denn auch dieser ist tangiert, wie Kritiker betonen.

 

Als Hauptknackpunkt stellt sich die verkürzte freie Parkzeit von zwei Stunden auf eine Stunde lediglich in den Parkhäusern heraus. Und sind die Parkhäuser wirklich attraktiv genug, um den Suchverkehr zu reduzieren? Es wird eifrig debattiert.

Debatte bei der CDU Vorstand und Stadtratsfraktion der Rottweiler CDU haben sich laut Mitteilung jetzt in einer gemeinsamen Sitzung mit der Diskussion über die neue Parkgebührenregelung befasst.

Dabei wurde von kritischen Stimmen aus der Bevölkerung, aber auch von Seiten der Händlerschaft berichtet. Die Mitglieder der CDU-Stadtratsfraktion erinnerten in diesem Zusammenhang an ihre beiden Anträge zu dem Gemeinderatsbeschluss über die Parkgebühren.

Zum einen sollte das kostenlose Parken in den Parkhäusern nicht nur eine Stunde sondern zwei Stunden erlaubt sein. „Dies hätte den Kirchgang, aber auch einen Café-Besuch sowie eine entspanntere Einkaufstour ohne Parkgebühren möglich gemacht“, so die CDU. Zum anderen sei im Zuge der Beschlussfassung vorgeschlagen worden, dass die Brezeltaste auch auf den Parkplätzen Kapuziner, Duttenhoferanlage und Nägelesgraben gültig sein solle. Beides wäre auch den Innenstadtbetrieben zugute gekommen und hätte eine wichtige Signalwirkung gehabt – nicht zuletzt mit Blick auf die anstehenden Baumaßnahmen am Nägelesgraben und am Friedrichsplatz.

Bedauerlicherweise, so die CDU, habe es für diese Vorschläge keine Mehrheit im Gemeinderat gegeben.

Allerdings sei angemerkt: Das neue Gebührenkonzept wurde letztlich am Ratstisch einstimmig – bei fünf Enthaltungen – beschlossen. Und ist so zum 15. September von der Verwaltung umgesetzt worden. Ob daran nun trotz aller Kritik noch gedreht werden wird, darf bezweifelt werden.

Antrag von SPD+FFR

Die Fraktion SPD+FFR möchte jetzt dafür sorgen, dass der ÖPNV in der Adventszeit attraktiver wird. Sie stellt den Antrag, die Stadt Rottweil möge den Fahrgästen des Stadtbus Rottweil an den Adventssamstagen 30. November, 7., 14. und 21. Dezember ein 1-Euro-Tagesticket anbieten.

Die Begründung ist laut Mitteilung der Fraktion: An den Adventssamstagen soll das Parken in den Parkhäusern Rottweil Stadtmitte Nord und Stadtmitte Süd für Autofahrer kostenlos sein, ausnahmsweise sind an diesen Tagen dort keine Parkgebühren zu entrichten.

Stadtbusfahrgäste, die das Auto gar nicht erst mitnehmen, geraten da ins Hintertreffen. Normalerweise beträgt die Parkgebühr auf den Parkflächen in der Innenstadt einen Euro pro Stunde, in den Parkhäusern Stadtmitte Nord (Kriegsdamm) und Stadtmitte Süd (Groß’sche Wiese) ab der zweiten Stunde – mit einer kostenlosen ersten Stunde. Für Stadtbusfahrgäste beträgt der normale Fahrpreis für eine Hin- und eine Rückfahrt mit dem Stadtbus zweimal 2,70 Euro, das Ergebnis sind 5,40 Euro.

Gleichberechtigung für alle

„Um den vorweihnachtlichen Einkauf in der Innenstadt an den Adventssamstagen auch für diese Verkehrsteilnehmer attraktiv zu machen, hält die Fraktion SPD+FFR für angezeigt, für die Mobilität per Bus ein ebenfalls günstiges Angebot in Form des 1 Euro Stadtbus-Tagesticket zu machen“, heißt es.

„Die Wirtschaftsförderung im Advent muss den motorisierte Individualverkehr und den öffentlichen Personennahverkehr gleichermaßen bedenken“, fordert die Fraktion.

Blick aufs neue Parkhaus

Und auch im Umwelt-, Bau- und Verkehrsausschuss am Mittwoch kam das Thema Parken wieder zur Sprache. Harald Sailer (FDP) freute sich, dass das Parkhaus am Wochenende – angesichts des Volksbanklaufs und des verkaufsoffenen Sonntags – rappelvoll war. Es sei jedoch dann bei der Ausfahrt vieler Autos gleichzeitig zu einem enormen Rückstau an der Marxstraße gekommen.

Oberbürgermeister Christian Ruf geht davon aus, dass derartige punktuelle Spitzen wie überall nicht zu vermeiden sind. Dass man zu Spitzenzeiten Lotsen an der Kreuzung einsetzen könne, wie von Sailer vorgeschlagen, sieht er eher nicht als notwendig an. Auch ein Zebrastreifen für Fußgänger sei schwierig umzusetzen.

Und es gab dann auch noch Lob für die Verwaltung. Die Bepflanzung sei „sehr gelungen“, so Harald Sailer, und auch der kritisierte Lorbeer sei maßvoll eingesetzt. Da habe er zunächst etwas vorschnell geurteilt.

Ob mit Grün oder ohne – in der öffentlichen Diskussion wird das Thema Parken wohl noch länger Wogen schlagen. Die weggefallene Schranke am Parkhaus am Kriegsdamm düfte jedoch niemand vermissen. Hier hat das neue Parkzeitalter ein Plus an Komfort gebracht.