Die Mitarbeiter von Security Martens sind seit Beginn der Corona-bedingten Zugangsbeschränkung vor dem Landratsamt im Einsatz und waren insbesondere am Montag aufgrund des erhöhten Zustroms zur Zulassung (erster Tag terminfreier Zugang) gefordert. Foto: Landratsamt

Landrat zieht in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses Bilanz. Erschreckende Ausnahmen.

Calw - Ohne Security geht es nicht mehr: Das Coronavirus hat den Alltag im Landratsamt Calw massiv verändert. Landrat Helmut Riegger zog nun eine eigentlich positive Zwischenbilanz – mit erschreckenden Ausnahmen.

Newsblog zur Ausbreitung des Coronavirus in der Region

Das Timing könnte nicht besser sein: Just in dem Moment, als Landrat Helmut Riegger (CDU) dem Jugendhilfeausschuss des Landkreises veranschaulichen möchte, dass das Coronavirus die Arbeitsabläufe im Landratsamt völlig auf den Kopf gestellt hat, bricht direkt vor dem Sitzungssaal ein handfester Streit aus. Genau vor den großen Fensterscheiben, an der sich Tag für Tag die lange Schlange für Kfz-Zulassungen entlang reiht, platzt einem Mann der Kragen. Die Security schreitet ein, es kommt zu lautstarken Wortgefechten.

Für Riegger ist das nichts Neues. "Es ist schon ein starkes Stück, was sich manch einer hier erlaubt", sagt der Landrat und bedauert: "Sie sehen, ohne Security geht es nicht mehr. Da muss man sich schon fragen, wo wir sind, wenn wir wegen einer Kfz-Zulassung beinahe eine Prügelei erleben."

Am 27. Februar fand die erste Corona-Krisensitzung im Landratsamt Calw statt. Seitdem ist in der Behörde nichts mehr so wie es vorher war. Riegger: "Am Schluss waren wir 60 bis 70 Leute, die nur noch Corona gemacht haben. Jeder musste mithelfen." In Spitzenzeiten habe man bis zu 6000 Anrufe pro Tag annehmen müssen.

Deutlich macht Riegger, dass man in Calw nicht auf Anweisungen aus Berlin und Stuttgart gewartet habe. "Wir haben alles unternommen, um vier bis fünf Tage vor der Lage zu sein", unterstreicht der Calwer Landrat. Etwa Besuchsverbote in Krankenhäusern und Altenheimen habe man schon acht Tage vor dem Bund ausgesprochen, gleiches gelte bei den Kontaktbeschränkungen. Riegger: "Wir waren in Baden-Württemberg einer der Landkreise, die vorne mit dabei waren, wenn es um den Gesundheitsschutz ging. Wir haben schon getestet, als andere noch gar nicht daran gedacht haben." 300 Tests habe man pro Tag im Kreis Calw durchführen können – "das ist viel für unseren Landkreis", so Riegger.

Aus den Reihen des Jugendhilfeausschusses, dem neben Kreistagsmitgliedern Vertreter der Jugendverbände und Verbände der freien Wohlfahrtspflege angehören, gibt es viel Lob für die Arbeit des Landratsamtes. Eigentlich hätte das Gremium schon vor zwei Monaten tagen sollen, was aber coronabedingt verschoben werden musste. "Hier wurde wirklich ein toller Job gemacht. Und wer meint, dass übertrieben wurde, soll sich mal die Situation in anderen Ländern ansehen, die nicht so konsequent waren", unterstreicht SPD-Kreisrat Lothar Kante und fügt hinzu: "Diese konsequente Haltung hätte ich mir auch vom Enzkreis gewünscht – Stichwort: Müller-Fleisch."

Zulassungsstelle bleibt ein Problemkind

Problemkind im Landratsamt bleibt derweil die Kfz-Zulassungsstelle. Der Streit vor den Glasscheiben des Sitzungssaals ist zwar mittlerweile geklärt, doch es wird wohl nicht der letzte sein. "Manch einer fragt in der jetzigen Situation nach einem neuen Schild für sein Motorrad, weil das alte ein bisschen zu groß ist", ärgert sich Riegger, "das scheinen für manche Leute derzeit die wirklich großen Probleme zu sein. Da geht einem wirklich der Hut hoch. Auf der einen Seite sterben die Leute an Covid-19, auf der anderen Seite braucht jemand ein neues Schild, weil er mit seinem Motorrad unbedingt am Samstag um 9 Uhr in den Schwarzwald fahren will."

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: