Es gibt in Bad Dürrheim noch einige Herausforderungen neben der kommunalen Entwicklung. Wohnraum ist eines davon, des weiteren die Unterbringung von Flüchtlingen. Im Interview gibt Bürgermeister Jonathan Berggötz Auskunft.
Die Kommunen stöhnen über die Aufgaben, die ihnen von Land und Bund auferlegt wurden. Auch hierzu sieht Bürgermeister Jonathan Berggötz einige Notwendigkeiten der neuen Bundesregierung.
Wohnraum ist knapp. Welche Möglichkeit hat die Stadt, bezahlbaren Wohnraum zu fördern?
Bad Dürrheim ist ein dreifach ausgezeichneter Kurort mit einer guten Infrastruktur und beeindruckenden Angeboten. Es ist daher schwer, Wohnraum zu finden, da die Nachfrage hoch ist, was wir auch an den Preisen sehen.
Es gibt verschiedene Investoren, mit denen wir im Hinblick auf bezahlbares Wohnen im Gespräch sind. Die Herausforderung ist jedoch, dass bezahlbares Wohnen bei den gesetzten Baustandards nur mit einer bestimmten Verdichtung in möglich und daher auch nicht überall gerne gesehen ist.
Baulücken nutzen
Der Gemeinderat hat bereits Leitlinien für eine qualitätsvolle Innenentwicklung verabschiedet, um Wohnraum im Innenbereich zu schaffen, was dauerhaft auch den Preisdruck reduzieren dürfte.
Es ist in unser aller Interesse, dass Baulücken bebaut und Leerstände wieder genutzt werden, um dadurch den Flächenverbrauch zu begrenzen. Und da ist schon einiges vorangegangen und wir sind auf einem guten Weg. Wichtig ist uns, dass wir Wohnraum mit Qualität und Wohlfühlfaktor schaffen.
In gut zwei Monaten soll die Flüchtlingsunterkunft bezogen werden. Wo sehen Sie Möglichkeiten zur Integration und wie weit ist diese überhaupt möglich? Denn die Zeit, in der die Menschen in Bad Dürrheim sind, ist absehbar.
Auch wenn der Aufenthalt in der Gemeinschaftsunterkunft in der Schwenninger Straße nur vorübergehend ist, haben wir dennoch die Möglichkeit, eine positive Erfahrung für alle Beteiligten zu schaffen. Es geht darum, Menschlichkeit zu zeigen, Verantwortung zu übernehmen und den neuen Mitbürgerinnen und Mitbürgern das Gefühl zu geben, willkommen zu sein.
Ehrenamtliche leisten pragmatische Hilfe
Bereits heute leisten ehrenamtliche Patenschaften pragmatische Hilfe, zum Beispiel bei Behördengängen, Arztbesuchen oder bei der Orientierung im Ort. Unsere zahlreichen Vereine – sei es im Bereich Sport, Musik oder Kultur – bilden das Herzstück unseres sozialen Lebens und bieten vielfältige Möglichkeiten, ein Teil dieser Gemeinschaft zu werden. Daher appelliere ich an unsere Vereine, auch für neue Mitglieder offen zu sein, selbst wenn der Aufenthalt nur für einige Monate geplant ist.
Im Bereich der Integration hat das für die Gemeinschaftsunterkunft zuständige Landratsamt eine Sozialbetreuung durch das DRK eingerichtet, die sich um die Betreuung der Flüchtlinge in den Unterkünften kümmert. Dies umfasst neben einer persönlichen Beratung zu allen Lebensbereichen auch verschiedene unterstützende Maßnahmen sind ein Comic „Ankommen in Deutschland“ mit den wichtigsten Informationen, Werten und Regeln sowie praktischen Hinweisen in einer leicht verständlichen Bildsprache. Eine Willkommensmappe mit Hausordnung, Adressen von Kliniken, Notfallnummern , Arbeitsmöglichkeiten, ein Alphabetisierungs-Café, Deutschkurse sowie Spiel- und Freizeitangebote
200 Flüchtlinge in Bad Dürrheim
Die geflüchteten Menschen verbleiben in der Gemeinschaftsunterkunft, bis das Asylverfahren abgeschlossen ist, was in der Regel 15 bis maximal 24 Monate dauert. Danach müssen sie die Unterkunft verlassen und in die sogenannte Anschlussunterbringung in den Kommunen übergehen. Derzeit leben bei uns in Bad Dürrheim knapp 200 Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung, meist in kleineren Wohnungen, mit denen wir bisher gute Erfahrungen gemacht haben.
Am 23. Februar ist Bundestagswahl. Welche Erwartungshaltung gibt es an die neue Bundesregierung?
An die neue Bundesregierung richte ich eine klare und dringliche Erwartung: Die kommunalen Herausforderungen müssen stärker in den Fokus rücken. Denn gerade auf der kommunalen Ebene spüren die Menschen unmittelbar die Auswirkungen politischer Entscheidungen. Ob es um den Ausbau der Infrastruktur, die Bereitstellung von dringend benötigtem Wohnraum, Investitionen in unsere Bildungseinrichtungen oder den notwendigen Klimaschutz geht – hier wird sichtbar, wie Politik konkret das Leben der Bürgerinnen und Bürger verbessern kann.
Eine engere Zusammenarbeit und eine intensivere Unterstützung der Kommunen durch die Bundesregierung sind unerlässlich, um die vielfältigen Herausforderungen vor Ort zu meistern und das Vertrauen der Menschen in die Politik nachhaltig zu stärken.