Die Gesichter von Pro und Contra: Birgit Sayer, Vertrauensperson des Bürgerbegehrens, und Michael Keßler, OB von Horb. Foto: Jürgen Lück

In Bildechingen trafen zum letzten Mal Befürworter und Gegner der Windkraft auf kommunalen Waldflächen in Horb aufeinander. Die Argumente.

Der Vorplatz der Turn- und Festhalle. 13.20 Uhr Samstag. Letzter Schlagabtausch zwischen Befürwortern und Gegnern vor dem Bürgerbegehren am Sonntag, 30. November. Sind Schneisen für die Montage der Windkraft autobahngroß? Horbs Bürgermeister Ralph Zimmermann (FDP) : „Unsere Wege müssten um 50 Zentimeter verbreitert werden.“ Birgt Sayer, Vertrauensperson Bürgerbegehren : „Das hat mit jetzigen Waldwegen nichts zu tun. Da müssen allein fast 100 Schwertransporte durch, um den Kran aufzubauen.“ Anspielung auf den Technik-Giganten auf der Hochbrücke Horb. Ein Riesen-Kran, der normalerweise Windräder montiert.

 

Kann nur ein Nein Windkraft im Horber Wald verhindern?

OB Michael Keßler (CDU): „Alle Wege im Wald sind auf eine Achslast von acht Tonnen ausgelegt. Die punktuelle Last bleibt dieselbe.“ Moderatorin Sarah Albiez vom Forum Energiedialog: „So kenne ich das auch von anderen Windparks. Allenfalls beim Stich zum Aufstellort müssen die Wege verbreitert werden.“

Birgit Sayer sagt: „Nur ein Nein beim Bürgerentscheid kann Windkraft im Wald verhindern.“ Foto: Jürgen Lück

Birgit Sayer: „Nur ein Nein kann Windkraft im Wald verhindern.“ Stadtplaner Peter Klein: „Wenn sich mehrere private Eigentümer im Wald zusammentun, kann dort durchaus Windkraft entstehen. Das wäre aber viel weniger Fläche als auf kommunalen Grund.“

Macht Windkraft überhaupt Sinn?

Vertrauensperson Birgit Sayer: „Projektierer verdienen immer an Windkraft. Egal, ob die Anlage sich dreht oder nicht. Dafür wollen wir keinen Wald opfern.“ OB Keßler: „Das Windrad lohnt sich mehr, wenn es sich dreht. Sonst macht das Verfahren, bei dem es um windhöffige Standorte geht, keinen Sinn.“

Uwe Hellstern (AfD): „Die Zahlen der letzten Jahre belegen, dass Windräder nur 21 Prozent der Nennleistung bringen.“

Sayer: Schaden im Wald viel zu hoch

OB Keßler: „Die Infrastruktur ist derzeit noch lückenhaft, dass man abschalten muss. Je dichter die Windkraft-Infrastruktur ist, desto produktiver ist die Windkraft.“ Vertrauensperson Sayer: „Es ist kein schnelles Geld für die Kommune. Es dauert vier bis fünf Jahre. Und was an Pachteinnahmen kommt, ist nur ein Bruchteil. Auf unserer Sicht ist der Schaden viel zu hoch für das, was wir kriegen.“

Wieviel Geld könnte in Stadtkasse fließen?

Stefan Merkle (CDU) vom Horber Rückenwind hört genau zu in Bildechingen. Foto: Jürgen Lück

OB Keßler: „Wir rechnen mit Pachteinnahmen von 100 000 Euro pro Anlage. Minimum.“ FDP-Landtagsabgeordneter Daniel Karrais hatte bei der WKK Alpirsbach gesagt: „Pachteinnahmen zwischen 50 000 Euro und 200 000 Euro sind üblich. 200 000 Euro zahlt nur die RWE – für sehr gute Standorte.“ Anton Ade (FD/FW): „Ich hoffe, dass mein Enkelkind noch in die Kita gehen kann. Da spielt der letzte Euro an kommunalen Einnahmen eine wichtige Rolle.“

Verhindert der Gemeinderat wirklich Windkraft?

Anton Ade (FD/FW) ist für die Pachteinnahmen aus Windkraft: Bei der Haushaltslage spielt der letzte Euro eine Rolle. Foto: Jürgen Lück

Stefan Merkle (Horber Rückenwind, Pro Windkraft ): „Lassen wir Kommune und Gemeinderat weiter das Heft in der Hand haben.“ Birgit Sayer: „Wir haben das Vertrauen in den Gemeinderat verloren.“

Eine Bildechinge Bürgerin: „Wenn ein Projektierer sagt, wir wollen acht Windräder im Großen Hau, kann ich mir nicht vorstellen, dass der Gemeinderat Nein sagt.“

Oberbürgermeister Kessler: „Wir werden alle Kriterien und die Spielregeln mit dem Ortschaftsrat und dem Gemeinderat gemeinsam diskutieren. Deshalb wollen wir mitreden dürfen.“

Der Countdown bis zum Bürgerbegehren

Wahlkampf Befürworter.
 Stefan Merkle (Horber Rückenwind): „Wir werden weiter wie bisher arbeiten Wahlkampf machen – vor allem über die Medien.“

Wahlkampf Gegner.
 Birgit Sayer (Waldschutz-statt-Windkraft): „Die Info-Veranstaltung am Mittwoch, 26. November, um 19.30 Uhr in der Turnhalle Altheim wird unser großer Abschluss sein. Wir haben zwei Referenten, die sich mit den Folgen von Windkraft im Wald beschäftigen: Erhard Aldinger von der Forstlichen Versuchsanstalt BW und Nico Goldscheider vom KIT in Karlsruhe.“

Prognose.
Hermann Walz, Initiator des Bürgerentscheids: „Ich hoffe auf eine hohe Wahlbeteiligung. Auch aus Orten, die nicht direkt von den diskutierten Vorrangsflächen betroffen sind. Der Regionalverband schreibt selbst, dass Windkraft auch außerhalb der Vorrangflächen weiterhin möglich ist. Das heißt: Beim Bürgerentscheid geht es auch um kommunalen Waldgrundstücke im Umfeld von beispielsweise Mühlen, Mühringen oder Ahldorf.“

Moratorium.
Verhandelt das Rathaus trotz Bürgerentscheid mit Projektierern? OB Michael Keßler: „Im Moment sind wir auf Stand-by. Wir haben im Moment einen Fall: Waldachtal. Da warten wir ab bis zum Bürgerentscheid am Sonntag, 30. November.“