Kur und Bäder Geschäftsführer Markus Spettel. Foto: tx-foto.com

Nachnutzung und Neubau des Solemars mit Thermenhotel, Übernachtungszahlen und das Image als Tourismus- und Gesundheitsziel: Kur und Bäder Geschäftsführer Markus Spettel gibt Auskunft.

Die Kur- und Bäderstadt hängt am Tourismus und dieser wiederum am Solemar. Doch muss es eine Bettenanzahl und -struktur geben und manches wird zu überdenken sein.

 

Die Hotelprojekte hängen unter anderem auch an der Attraktivität der Stadt und dem Erholungsfaktor ab: Was haben Riderman, die beiden Deutschen Meisterschaften im Straßenradrennen tatsächlich für den Tourismusstandort Bad Dürrheim – bezüglich Radfahren – gebracht?

Die Veranstaltungen haben Bad Dürrheim als Radsport- und Gesundheitsdestination noch sichtbarer und bekannter gemacht und dies sowohl regional als auch bundesweit und sogar international. Entscheidend sind für uns somit weniger die einzelnen Eventtage als die vielfältigen Image- und Multiplikatoreffekte durch bundesweite Medienberichte, enorme Social-Media-Reichweiten sowie wertvolle Vereinskontakte und Verbandsnetzwerke. Auch gibt es natürlich die Wiederkehrer, die die Strecke und Region positiv in Erinnerung behalten und als Urlauber wiederkommen.

Gleichzeitig profitieren unsere örtlichen Betriebe durch zusätzliche Übernachtungen und Umsätze in den Bereichen Gastronomie, Handel und Dienstleistungen. Unser Ziel ist es, diese Aufmerksamkeit zukünftig noch konsequenter zu nutzen, um Angebote wie Radtouren, Pauschalen und Kooperationen mit unseren örtlichen Leistungsträgern weiter auszubauen.

Es wurde jetzt in das Solemar investiert, in eine Kältekammer und ins Wellness-Center. Wie sieht das Nachnutzungskonzept des Solemars bei einem Thermenneubau aus?

In die Realisierung eines Thermenneubaus planen wir die wirtschaftlich effiziente und belastbare Nachnutzung des Bestandes frühzeitig ein. Unsere Leitlinie ist, bestehende Investitionen wie den Wellness-Bereich mit Kältekammer sowie weitere Angebote bestmöglich weiter zu nutzen.

Die Nachnutzung soll daher ganz konkret als Ideenteil in den aktuell in Vorbereitung befindlichen Architektenwettbewerb einfließen, damit Architekturbüros von Beginn an tragfähige Varianten mitdenken. Vorstellbar sind, je nach Machbarkeit, unterschiedliche Optionen, unter anderem eine Fokussierung auf unsere bestehenden Kernstärken Gesundheit und Prävention sowie Therapie- und Rehabilitationsangebote. Auch eine ergänzende Nutzung für Veranstaltungen, Tagungen und Events ist denkbar. Ziel ist eine realistische Lösung, die den Standort nachhaltig stärkt und langfristig betriebswirtschaftlich funktioniert.

Wie sind die Pläne, einen möglichen Neubau des Solemars für den gleichzeitigen Bau eines Thermenhotels zu nutzen?

Wir betrachten den Neubau ausdrücklich als Chance, Synergien mit einem Thermenhotel zu schaffen. Diese Synergien bestehen in kurzen Wegen, einer gemeinsamen Gästeführung, kombinierten Angeboten sowie einem attraktiven Ganzjahresprodukt. Auch das Thermenhotel soll daher als Ideenteil in den derzeit in Vorbereitung befindlichen Architektenwettbewerb aufgenommen werden, um Potenziale für Anordnung, Flächenerschließungen und Schnittstellen früh sichtbar zu machen. Letztendlich realisiert werden soll dies dann mit einem privaten Investor und Betreiber.

Aus Sicht der Kur und Bäder GmbH ist es wichtig, dass Thermenbetrieb und Hotel sich in einem abgestimmten Konzept und Betreibermodell ergänzen. Neben den dringend benötigten weiteren attraktiven Hotelbetten erschließen wir uns dadurch auch zusätzliche Gästegruppen im Bereich des Wellness- und Gesundheitsurlaubs sowie beispielsweise auch eine bessere Auslastung der Therme in den Randzeiten.

Wie kann die Kur und Bäder die anderen Hotelprojekte unterstützen?

Wir unterstützen natürlich jegliche Hotelprojekte hier vor Ort. Ganz konkret vor allem durch kombinierte Übernachtungs- und Thermenarrangements, Gesundheits- und Präventionsprogramme, saisonale Specials wie Events sowie gemeinsame Kampagnen.

Ein zentraler Baustein ist zudem auch die Drei-Welten-Card, ein sehr beliebtes und stark nachgefragtes Produkt bei unseren Übernachtungsgästen, das Bad Dürrheim darüber hinaus auch in der gesamten Region als Gesamtpaket erlebbar macht und die Buchungsentscheidung positiv beeinflusst. Zusätzlich bringen wir unsere Stärke mit dem Solemar als Ganzjahresmagnet ein, das hilft vor allem bei der Auslastung in schwächeren Monaten. Über Kooperationen bei Events, Pauschalen und auch unsere gesundheitsorientierten Gruppenreisen können die Hotels und Ferienwohnungen neue Gästesegmente gewinnen.

Ein Nachnutzungskonzept für das Solemar ist mit ein des Teil des Architektenwettbewerbs für den Neubau. Foto: TX/Marc Eich

Unser Ziel ist eine Win-Win-Situation, welche sich durch mehr Wertschöpfung in der Stadt und ein klar erlebbares Gesamtprodukt unter unserem Markenkern „Bad Dürrheim – wo täglich neue Kräfte wachsen“ erlebbar zeigt.

Muss sich die Kur und Bäder angesichts der angespannten Finanzsituation nicht auch von Vergünstigungen für Beherbergungsbetriebe verabschieden? Wie beispielsweise täglich freien Eintritt in die Solemartherme für die Reisemobilisten?

Wir nehmen die angespannte Finanzlage sehr ernst und prüfen Leistungen regelmäßig nach dem Prinzip Wirtschaftlichkeit vor Gewohnheit. Wichtig ist mir hierbei zu betonen: Es handelt sich nicht um „Vergünstigungen für Reisemobilgäste“, sondern um integrierte Leistungen der umlagefinanzierten Gästekarte Drei-Welten-Card, von der alle Beherbergungsbetriebe profitieren, die sich dieser Karte anschließen, unabhängig ob Hotel, Ferienwohnung oder Wohnmobilstellplatz.

Die Karte umfasst über 140 kostenfreie Angebote in der Region – das Solemar ist somit nur eine von vielen Leistungen. Zudem arbeitet das Solemar betriebswirtschaftlich sehr erfolgreich und erzielt jährlich Gewinne im sechsstelligen Bereich. Diese Gewinne werden mit dem Defizit der DAWI-Leistungen verrechnet, die wir im Auftrag der Stadt erbringen. Das Solemar entlastet den städtischen Haushalt damit bereits jetzt schon jedes Jahr um einen hohen sechsstelligen Betrag.

Wie ist der Ausblick auf 2026 bezüglich der Übernachtungszahlen? Mit was wird gerechnet?

Für 2026 erwarten wir, bei aktueller Markteinschätzung, eine stabile bis leicht positive Entwicklung. Wir rechnen mit einem Übernachtungsniveau, das sich bei über 600 000 Übernachtungen bewegen wird. Wellness- und Gesundheitsreisen bleiben nachfragestark, und Bad Dürrheim profitiert von seiner bevorzugten Lage, seinen wertvollen natürlichen Ressourcen Sole und Heilklima sowie dem ganzjährigen Angebot, insbesondere in Form des Solemars.

Konkrete Entwicklungen hängen dennoch auch bei uns von mehreren Faktoren, wie beispielsweise der allgemeinen Konjunkturentwicklung sowie dem Wetter- und Saisonverlauf ab. Wir arbeiten aktiv daran, die Nachfrage zu stützen, durch Kooperationen, neue Angebote und eine stärkere Ansprache von Kurzurlaubern und Gesundheitsgästen. Ziel ist, das vorhandene hohe Niveau zu sichern und gleichzeitig zukünftige Potenziale gezielt zu erschließen und auszubauen.