Ein imposantes Bauwerk: Der 55 Meter hohe Aussichtsturm bei Schömberg gewährt einen außergewöhnlichen Blick. Nun dürfen auch Besucher hinauf. Foto: Fritsch

So groß ist kein anderer: Mit einer Höhe von 55 Metern überragt der Aussichtsturm in Schömberg (Kreis Calw) bundesweit alle Bauwerke selber Art. Nach 14 Monaten Bauzeit dürfen am Freitag erstmals Besucher hinauf. Wir erklären, welche Bedingungen gelten, und zeigen den langen Weg von der Idee bis zur Eröffnung.

Schömberg - 14 Monate lang wurde gebaut, nun ist er fertig. Und blickt man auf die gegenwärtige Corona-Lage, die dank Lockerungen etliche Menschen wieder nach draußen strömen lässt, scheint der Zeitpunkt dafür gar nicht schlecht zu sein: An diesem Freitag öffnet der Aussichtsturm Himmelsglück in Schömberg (Kreis Calw) ab 14 Uhr erstmals für Besucher.

 

Das Besondere des Bauwerks in der Gemeinde mit rund 8200 Einwohnern: Der Holzturm mit Stahlskelett ist mit einer Höhe von 55 Metern der aktuell höchste in dieser Bauweise konstruierte Aussichtsturm Deutschlands. Auf diesen Superlativ ist die Gemeinde Schömberg besonders stolz. Die oberste Plattform befindet sich in 50 Metern Höhe. Der Turm hat einen Panoramaaufzug, ist damit zudem barrierefrei zugänglich. Wer möchte, darf aber auch die 300 Stufen nach oben nutzen.

Dass es nun losgehen kann, darüber freut sich nicht zuletzt Schömbergs Bürgermeister Matthias Leyn (CDU). Er ist überzeugt, "dass wir damit ein tolles neues touristisches Highlight für unsere Gemeinde und die gesamte Region geschaffen haben, und wir viele Gäste bei uns im Ort begrüßen können".

Marina Moser, Leiterin der Touristik und Kur der Gemeinde, betont indes, dass der Start unter Pandemiebedingungen aber auch eine große Herausforderung darstelle – "denn es gilt viele zusätzliche Auflagen zu beachten und konsequent umzusetzen". Ein Nachweis der "drei Gs" (getestet, genesen, geimpft) sei zwar nicht notwendig. Allerdings werden die Daten aller Besucher entweder mit der Luca-App oder in Papierform erfasst.

Ein Online-Ticketsystem ist in Arbeit – derzeit gibt’s Karten nur vor Ort zu kaufen

Wo der Mindestabstand von eineinhalb Metern nicht eingehalten werden kann, muss eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden; im Aufzug dürfen sich Personen aus höchstens zwei Haushalten aufhalten, erlaubt sind dort maximal acht. Im Bereich des Turmes insgesamt wiederum dürfen sich höchstens 100 Personen aufhalten. Das entsprechende Gelände ist umzäunt. Die Eintrittskarten müssen derzeit noch vor Ort gekauft werden. Ein Online-Ticketsystem ist gerade in Arbeit.

Die Idee für den Turm kam aus dem Ortschaftsrat von Schömbergs Teilort Oberlengenhardt, auf dessen Gemarkung das Bauwerk auch errichtet wurde. Das Gremium stellte 2017 den Antrag, dieses Anliegen aufzugreifen, erzählt Leyn über die Ursprünge des Projekts. Das habe der Gemeinderat dann auch so beschlossen. "Demzufolge setzte sich der Tourismusausschuss dann mit der Thematik auseinander."

Wichtig sind in diesem Zusammenhang auch die Kliniken in Schömberg; der Ort galt wegen seiner Lungenheilanstalten einst als Davos der kleinen Leute. Seit 2020 dürfen sich Reha-Patienten aussuchen, wo sie behandelt werden möchten. Da spielt das Angebot eines Ortes eine große Rolle. Christoph Eck, Vorsitzender des örtlichen Vereins Tourismus, Handel und Gewerbe, sieht den Turm insofern auch als Investition in den Standort Schömberg und erhofft sich Impulse für die Wirtschaft.

Zwei Rutschen mit Ausgangspunkt in Planung

Gekostet hat das Bauwerk 3,8 Millionen Euro. Davon trägt die Gemeinde 3,3 Millionen Euro, abzüglich eines Zuschusses in Höhe von fast 1,24 Millionen Euro durch das Land. Die restlichen rund 500 .000 Euro übernimmt die Schömberg Erlebnis GmbH. Dieses Unternehmen plant zudem, zwei Rutschen mit Ausgangspunkt am Turm zu bauen. Der private Investor will zum einen eine knapp 500 Meter lange Fly-Line errichten – eine Stahlkonstruktion, die das "Schweben" durch den Wald ermöglicht. Mit dem knapp 600 Meter langen Flying Fox zum anderen ist wiederum ein rasanter Flug vom Turm mit dem Kopf voraus bis in den Schömberger Kurpark möglich. Der Flying Fox startet auf einer Höhe von 45, die Fly-Line auf einer Höhe von 35 Metern.

Michael Wernecke, Geschäftsführer der Schömberg Erlebnis GmbH, hofft, dass die Genehmigung für die beiden Rutschen demnächst eintrifft. Nach derzeitigen Schätzungen gibt er einschließlich der zugehörigen Infrastruktur wie einen Kiosk rund 3,7 Millionen Euro aus. Zusammen mit den Ausgaben am Turm beläuft sich seine Gesamtinvestition damit auf rund 4,2 Millionen Euro.

Projekt hat nicht nur Unterstützer – Bürgerbegehren werden aber abgelehnt

Umstritten waren in Schömberg sowohl der Turm als auch die beiden Rutschen. Im Mai 2018 überreichten Gegner des Turms 1440 Unterschriften im Schömberger Rathaus. Sie wollten einen Bürgerentscheid herbeiführen. Im Juni 2018 übergaben dann auch Befürworter des Turmes eine Liste mit 687 Unterschriften für einen Entscheid zugunsten des Turmbaus. Der Gemeinderat lehnte im Juli 2018 beide Bürgerbegehren aus formalen Gründen ab. So wurden die Unterschriften gegen den Turm zu spät eingereicht, argumentierte die Gemeindeverwaltung. Die Vertrauenspersonen dieses Bürgerbegehrens reichten daraufhin Widerspruch bei der Kommunalaufsicht des Landratsamtes Calw ein, doch diese folgte der Argumentation des Schömberger Rathauses. Auch die Unterschriften zugunsten des Turms waren rechtlich unzulässig. Ein Bürgerentscheid ist nicht möglich, wenn der Gemeinderat die mit dem Bürgerbegehren verlangten Maßnahmen ohnehin bereits beschlossen hat, stellte dazu Schömbergs Gemeindeverwaltung fest.

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Im März vergangenen Jahres begannen die Arbeiten für den Turm. Nach 14 Monaten wurden sie im vergangenen Monat abgeschlossen. Bei den beiden Rutschen hingegen fürchten einige Anwohner Müll, Lärm und ein Parkchaos. Sie sammelten Unterschriften gegen das Vorhaben. Doch jetzt ist das Projekt auf der Zielgeraden. Wenn alles planmäßig läuft, sollen die Fly-Line und der Flying Fox im Frühjahr 2022 fertig sein. Schon jetzt kümmert sich die Schömberg Erlebnis GmbH um den Betrieb und den damit verbundenen Ticketverkauf für den Turm.