Thomas Lindner wird am Donnerstag 70 Jahre alt. Quelle: Unbekannt

Geburtstag: Ausnahme-Unternehmer Thomas Lindner feiert am Donnerstag seinen 70. Geburtstag

Albstadt-Ebingen. Es gibt Unternehmer, die eigentlich Unterlasser sind. Zu denen hat Thomas Lindner nie gehört: Der Aufsichtsratsvorsitzende der Firma Groz-Beckert ist ein Macher wie es nur wenige gibt – und ein Weitblicker par excellence. Am Donnerstag feiert er seinen 70. Geburtstag.

Kurz vor der Bundestagswahl, da die Lufträume mit politischen Reden – und oftmals Phrasen – gefüllt sind, mögen jene, die am 13. Februar 2008 dem Neujahrsempfang der CDU im Foyer der Zollernalbhalle beiwohnten, sich mit Wehmut daran zurückerinnern. Dort hat bei nämlichem Anlass schon so mancher hochrangige Politiker gesprochen – aber keiner je so visionär und so klar im Hinblick auf Wege und Ziele wie der damalige Vorsitzende der Geschäftsführung des größten Unternehmens der Region. Die Groz-Beckert KG, Herstellerin von Nadeln und Systemtechnologie für die Textilindustrie, ist von ihrem persönlich haftenden Gesellschafter Thomas Lindner in einem Maß weiterentwickelt worden, das seinesgleichen sucht. Viel früher als andere erkannte Lindner, dass er die besten Köpfe nur für Albstadt gewinnt, wenn er ihnen etwas bietet, Bildung und Chancen fördert. Konsequenz dieser Einsicht waren die Entstehung des Technologie- und Entwicklungszentrums und des Gesundheits- und Bildungszentrums mit Kita und Schule unter dem Malesfelsen sowie die Kooperation mit der Hochschule Albstadt-Sigmaringen.

Thomas Lindner wurde 1951 in Niederpöcking im Kreis Starnberg geboren, studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Betriebswirtschaftslehre und war von 1979 bis 1983 wissenschaftlicher Assistent, ehe er promovierte und sich als Unternehmensberater auf Firmensanierungen spezialisierte. Dass der Nachfahr eines der Gründerväter von Groz-Beckert am 1. Juli 1984 in die Geschäftsführung einstieg und 1996 deren Vorsitz übernahm, sollte sich als Glücksfall für das Unternehmen erweisen. Die Zahl der seither erfolgten Firmenzukäufe, Standort- und Vertriebsstandort-Gründungen, Innovationen und Erweiterungen ist Legion.

So nimmt es nicht Wunder, dass Lindner – zuvor Vizepräsident – 2010 zum Präsidenten des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer, des größten europäischen Industrieverbands, gewählt wurde und es bis 2013 blieb. Er saß mit der Bundeskanzlerin am Tisch – genau so gerne aber auch immer wieder mit Albstädter Schülern, zumal ihm die Nachwuchsförderung, ob als Gründer der Groz-Beckert-Stiftung, als stellvertretender Vorsitzender der Freunde und Förderer der Hochschule Albstadt-Sigmaringen oder Mitglied des Hochschulrats, besonders wichtig ist. Lindner fördert Menschen, Begabungen, chinesischen Sprachunterricht und die Entwicklung von Innovationen – Stichwort Technische Textilien und Textilbeton – mit dem Ziel, textile und technische Kompetenz in Albstadt zu erhalten und auszubauen. Sein Engagement reicht allerdings weit über die Branche hinaus, etwa als Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Reutlingen-Tübingen-Zollernalb.

Und in die Stadt hinein: Dass Groz-Beckert die Abrissbrache im Ebinger Hof, die den Platz im ältesten Wohnviertel empfindlich geschädigt hat, kaufte und dort ein Haus mit Lokal und Gästeappartements baute, das sich optisch ins historische Ensemble einfügt, ist nur ein Beispiel für Thomas Lindners Herz und Verantwortungsgefühl für seine Wahlheimat.

Zeit mit seiner Familie – seiner Frau Marie-Therese, einer geborenen Gräfin von Degenfeld-Schonburg, und den Kindern Caroline und Moritz – verbringt Lindner gerne am Familienstammsitz am Starnberger See und auf der Jagd. Sein Privatleben und seine Hobbies trägt er dabei so wenig in die Öffentlichkeit wie sein vielseitiges Engagement. Er wirkt gern im Stillen und tritt nur selten öffentlich auf.

"Dr. Thomas Lindner gehört zu den engagiertesten Unternehmerpersönlichkeiten, die ich kenne", sagt IHK-Präsident Christian O. Erbe. "Er ist im Zollernalbkreis genauso präsent wie in der Landes- und Bundespolitik. Sein Wort hat Gewicht. Die Kraft seiner Argumente ist stets bestechend und überzeugend." Die Gäste beim CDU-Neujahrsempfang 2008 hatten die seltene Gelegenheit, das öffentlich zu erleben: die Rede einer Ausnahmeerscheinung, eines Unternehmers im Wortsinn, der in vielerlei Hinsicht Maßstäbe setzt und mit 70, da andere sich längst zur Ruhe gesetzt haben, weit in die Zukunft denkt – und handelt.