Welttierschutztag am 4. Oktober: Wie lokale Vereine um Tierschutz kämpfen – und wie man helfen kann

Am Samstag, 4. Oktober, ist Welttierschutztag. Was haben die lokalen Tierschutzvereine zu diesem Anlass zu sagen?
Patrick Pleul/dpaAm Samstag, 4. Oktober, ist Welttierschutztag. An diesem internationalen Aktionstag für den Tierschutz werden weltweit Veranstaltungen abgehalten, die auf Tiere, ihr Wohlergehen und unseren Umgang mit ihnen aufmerksam machen sollen.
Zum diesjährigen Welttierschutztag hat unsere Redaktion mit einigen regionalen Tierschutzvereinen gesprochen. Was liegt den Tierschützern der Region derzeit am Herzen und was ist eventuell sogar für den Welttierschutztag geplant?
Warum der 4. Oktober als Aktionstag für Tierschutz gilt
Zurück geht der Welttierschutztag auf Forderungen des deutschen Schriftstellers, Tierschützers, Kynologen und Hundezüchters Heinrich Zimmermann im Jahr 1924. Nach mehreren Aktionsveranstaltungen und Kongressen ab 1925 wurde schließlich am internationalen Tierschutzkongress in Florenz im Jahr 1931 der 4. Oktober als Welttierschutztag festgelegt.
Das Datum wurde im Gedenken an den heiligen Franz von Assisi gewählt, der Gründer des Franziskanerordens war und unter anderem für seine Tierpredigten berühmt war. Gestorben ist dieser am Vorabend des 4. Oktober 1226, weshalb der 4. Oktober auch einer seiner Namenstage ist.
Erst jüngst waren zwei junge Katzen mit Sack und Pack vor der Tür des von Rottweiler Tierheims einfach ausgesetzt worden. Für den Tierschutzverein Rottweil ist – laut Verena Marquardt, Leiterin des Tierheims in Rottweil und Mitglied des Beirats im Tierschutzverein Rottweil – das Tierheim der größte Teil der Arbeit. „Davon abgesehen betreiben wir natürlich Informationsarbeit“. So auch am Welttierschutztag.
Tierschutzverein Rottweil lädt zum Vortragsprogramm ein
Der Tierschutzverein Rottweil und Umgebung hat anlässlich des Aktionstages nämlich zum ersten Mal ein Vortragsevent geplant. „Von 14 bis 19 Uhr feiern wir im Tierheim in Rottweil den Welttierschutztag mit einem spannenden Programm.“ Tickets gibt es online und an der Tageskasse für 12 Euro. Die jeweils etwa 30 Minuten dauernden Vorträge umfassen unterschiedliche Themen wie Hundetraining, das Elend von Straßenkatzen, artgerechte Ernährung von Haustieren und mehr. Für das leibliche Wohl sei auf Spendenbasis gesorgt. Der Erlös gehe direkt an den Tierschutzverein, so Marquardt.
Derzeit besonders am Herzen liegt dem Tierschutzverein laut Marquardt die Katzenschutzverordnung, wonach Freigängerkatzen und -kater künftig kastriert, gekennzeichnet und registriert werden müssen. Damit soll die ungebremste Vermehrung freilebender Katzen und das damit einhergehende Elend der Tiere gestoppt werden.
Im Arbeitsgebiet des Tierschutzvereins Rottweil hat die Verordnung zwar schon Fortschritte gemacht – vier von den sieben Gemeinden des Kreises, um die der Tierschutzverein Rottweil sich kümmert, haben sie schon verabschiedet –, doch drei Gemeinden stellen sich aus unterschiedlichen Gründen noch quer. Zu umständlich oder zu teuer ist die Verordnung – es ist noch weitere Überzeugungsarbeit zu leisten.
Katzenschutzverordnung auch in Horb im Fokus
Eine vollumfängliche Katzenschutzverordnung ist es auch, worum der Tierschutzverein Horb bittet, wie Beatrice Buchmann, Vorsitzende des Tierschutzvereins Horb e.V., unserer Redaktion erzählt. Laut Buchmann würde die vorliegende Katzenschutzverordnung der Gemeinde bereits bei Freigängerkatzen die Registrierungs- und Kennzeichnungspflicht beinhalten, die Kastration oder Sterilisation würde aber nicht vorgeschrieben, was laut Buchmann allerdings wichtig wäre.
„Erst am Sonntag wurden uns – fast gleichzeitig aus zwei verschiedenen Ortsteilen der Stadt Horb – je eine Mutterkatze mit fünf Kitten gemeldet, welche keinen Besitzern zugeordnet werden konnten. Alle Tierheime und Pflegestellen sind beim Thema Aufnahme von Katzen am Limit“, sagt Buchmann und appelliert an aller Katzenbesitzer, ihre Lieblinge, wenn es sich um Freigänger handelt, zu ihrem eigenen Wohl kastrieren oder sterilisieren zu lassen „und somit das damit große Leid dieser Straßenkatzen zu verringern.“

Wenn wild lebende Katzen sich ungebremst vermehren, gibt es Probleme.
Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn/dpaBesondere Veranstaltungen zum Welttierschutztag hat der Tierschutzverein Horb nicht geplant. Ähnlich sieht es auch beim Tierschutzverein Freudenstadt aus. „In diesem Jahr haben wir keine besonderen Events für den Welttierschutztag angesetzt“, erklärt Rudolf Müller, Vorsitzender des Tierschutzvereins Freudenstadt e.V.
Tierschutzvereine brauchen Menschen – und neue Vorsitzende
Müller betont, dass die Situation in den vergangenen Jahren nicht immer und überall besser geworden sei. „Schlechter Umgang mit Tieren ist immer noch zu oft der Fall“, meint er. Auch würde die Verantwortung, die ein Haustier mit sich bringt, zu oft überschätzt und diese Tiere würden wiederum zu oft im Tierheim landen. Umso tragischer sei es, dass der Tierschutzverein deshalb nicht jedem Fall gerecht werden könne.
In der kommenden Zeit will der Tierschutzverein Tiertransporte und Schlachtung im Zwiespalt mit dem Tierwohl in den Fokus rücken, eine Infokampagne dazu soll im Herbst folgen. „Leider lassen Fleisch- und Wursttheke die Realität der Tierhaltung zu oft vergessen“, sagt Müller.

Hunde sind des Menschen beste Freunde – und füllen oft die Tierheime.
Foto: ksuksa - stock.adobe.comSeit über 70 Jahren sorgt der Tierschutzverein Freudenstadt für das Wohl der Tiere in der Region. Allein seit 1987 schon geschieht dies unter der Schirmherrschaft von Müller, der seitdem das Amt des 1. Vorsitzenden innehat. Nun will Müller sich in den Ruhestand verabschieden, derzeit sucht der Tierschutzverein händeringend nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin.
Engagement von Privatpersonen bleibt unverzichtbar
Beim Tierschutzverein Villingen-Schwenningen e.V., der als Dachverband mittlerweile im Grunde den gesamten Schwarwald-Baar-Kreis abdeckt, ist auch kein besonderes Event zum Welttierschutztag geplant, zu knapp bemessen seien Zeit und Mittel aktuell, erklärt die Vorsitzende des Vereins Cornelia Gaigl. Stattdessen würde der Welttierschutztag gelebt, „indem wir Tierschutz betreiben“.
Derzeit haben Gaigl und ihre Vereinsmitglieder alle Hände voll zu tun. In Schwenningen würden wildlebende Katzen gesammelt und registriert, das sorge für viel Arbeit. Der Tierschutzverein Villingen-Schwenningen hatte sich für eine umfassende Katzenschutzverordnung stark gemacht und mittlerweile wurde die Verordnung in allen Gemeinden im Schwarzwald-Baar-Kreis verabschiedet – eine wahre Rarität.
Gaigl ist insbesondere dankbar für die Unterstützung von kleineren Vereinen und vor allem Privatpersonen, die sich insbesondere für spezielle Tierarten einsetzen würden. Dazu gehörten unter anderem die Stadttaubenhilfe in Villingen, der Verein Igelherz e.V. oder die Meerschweinchenstation in Bad Dürrheim. „Wir sind unheimlich dankbar, dass es so viele Leute gibt, die im Prinzip ihre komplette Freizeit opfern, um Tieren in Not zu helfen.“ Ohne diese Leute gäbe es, laut Gaigl, keinen Tierschutz.
Zudem würde auch der Tierschutzverein einen neuen Vorsitz händeringend suchen, da der aktuelle Vorstand des Vereins im kommenden Frühjahr zurücktritt. „Das ist unheimlich wichtig, da wir im Grunde 80 Prozent des Kreises bedienen“, sagt Gaigl. Und weiter: „Wir dürfen nicht handlungsunfähig werden.“ Interessierte dürften sich gerne unter vorsitz@tierschutzvereinvs.de melden.