Warmer Herbst in Baden-Württemberg
: Warum das laut Wetterexperte erst der Anfang ist

Weniger Frost und mehr Unwetterrisiko? Meteorologe Dominik Jung erklärt, welche Wetterentwicklungen im Herbst auf Baden-Württemberg zukommen – und ob der Winter Schnee bereithalten könnte.
Von
Anna-Sophie Zepf
Baden-Württemberg
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Herbst in Branitz: Bäume im Branitzer Fürst-Pückler-Park werden von der untergehenden Sonne angestrahlt und spiegeln sich im Tumulussee. Ab morgen soll es in der Region Regen geben.

Warme Tage bis in den Oktober könnten künftig häufiger werden. Doch die Entwicklung hat eine Kehrseite – Wetterexperte Dominik Jung erklärt, welche. (Symbolbild)

Frank Hammerschmidt
  • Wetterexperte Dominik Jung: Der September 2026 war deutlich zu warm in Baden-Württemberg.
  • Ursache sind stabile Hochs, ausgetrocknete Böden, warmes Mittelmeer und der Klimatrend.
  • Folgen im Herbst: mehr Tage mit 25 Grad bis in den Oktober, späterer Frost, kürzere Kaltphasen.
  • Risiko steigt: kräftige Starkregenereignisse möglich, Nächte werden schneller wärmer.
  • Winter 2026/27 laut CFS und ECMWF eher mild und nass – geringe Chance auf weiße Weihnachten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Rote, braune und gelbe Blätter färben die Bäume, die Sonne lässt den Herbst golden leuchten. Während die Temperaturen inzwischen deutlich gesunken sind, war das im September noch undenkbar. Da stellt sich die Frage: Wie ungewöhnlich ist so ein warmer September?

Diplom-Meteorologe Dominik Jung ordnet die Wetterentwicklung im Herbst ein und gibt eine Prognose für den Winter und die Herbste der kommenden Jahre ab.

„Der September 2026 war deutlich zu warm“, stellt der Meteorologe fest. Deutschlandweit endete der Monat den vorläufigen Daten des Deutschen Wetterdiensts (DWD) zufolge mit einer Mitteltemperatur von 15,9 Grad. Damit liegt er laut Jung rund 2,6 Grad über dem Klimamittel 1961 bis 1990 (13,3 Grad). Baden-Württemberg war dabei wieder der Hotspot: So haben die Temperaturen etwa in Ohlsbach (Ortenaukreis) 4,0 Grad über dem Normalwert gelegen.

Rekordtemperaturen für den Herbst wie etwa 2006, 2016 und vor allem 2023 seien das zwar nicht,  erklärt Jung. „Aber der September 2026 reiht sich klar in die Serie der deutlich zu warmen Herbstmonate der letzten Jahre ein.“

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Die klassischen kühlen Herbstphasen werden kürzer

Entscheidend für den bisher recht warmen Herbst im Jahr 2026 sei eine sehr beständige Großwetterlage, erklärt der Wetterexperte. Zu den Hochdruckgebieten über Mittel- und Südwesteuropa kämen zudem noch die extrem ausgetrockneten Böden nach dem Sommer, die sich tagsüber besonders stark erwärmten, und das insgesamt ungewöhnlich warme Mittelmeer, das die herangeführten Luftmassen zusätzlich aufheize.

Und über allem liege der Klimatrend, der die gesamte Temperaturverteilung nach oben verschoben habe. „Was früher ein außergewöhnlich warmer Herbst war, ist heute eher ein normaler“, verdeutlicht Jung.

ARCHIV - 05.06.2021, Berlin: Erlaubt oder nicht? Die Parkordnung oder Hinweisschilder geben die Regeln vor. (zu dpa: «Raupen-Alarm: Grillverbot im Görli wegen Gesundheitsgefahr») Foto: Fabian Sommer/dpa/dpa-tmn +++ dpa-Bildfunk +++

Laut Wetterexperte Dominik Jung wird es Sommertage mit 25 Grad und mehr bis in den Oktober hinein in Baden-Württemberg häufiger geben und somit auch mehr Möglichkeiten die Sonne und sommerliche Aktivitäten noch länger zu genießen. (Symbolbild)

Fabian Sommer/dpa

Das bedeute aber auch, dass es in Zukunft wärmere Herbste geben, und vor allem der September zunehmend zu einem verlängerten Spätsommer werde, hebt der Meteorologe hervor. „Sommertage mit 25 Grad und mehr bis in den Oktober hinein werden häufiger, der erste Frost tritt später auf, und die klassischen kühlen Herbstphasen werden kürzer.“

Risiko für heftige Starkregenereignisse steigt

Diese Veränderung im Herbst fühlt sich jedoch nicht einfach nur angenehmer an, sie bringt auch Nachteile mit sich: Ein warmes Mittelmeer liefere viel Energie und Feuchtigkeit, das erhöhe das Risiko für teils heftige Starkregenereignisse, sagt Jung.

Ein Auto fährt bei Starkregen über eine Landstraße: ARCHIV - Falsche Beleuchtung oder zu schnelles Fahren bei schlechter Sicht können nicht nur gefährlich sein, sondern auch teuer werden. (zu dpa: «So fahren Sie sicher bei schlechter Sicht im Herbst») Foto: Julian Stratenschulte/dpa/dpa-mag - Honorarfrei nur für Bezieher des Dienstes dpa-Magazin +++ dpa-Magazin +++

Das Risiko für heftige Starkregenereignisse in Baden-Württemberg durch mehr warme Herbsttage steigt deutlich. (Symbolbild)

Julian Stratenschulte/dpa-mag/dpa

Auch die Nachttemperaturen im September steigen in Deutschland schneller als die Tageswerte. „Für Menschen bedeutet das weniger Erholung, für die Natur eine verlängerte Vegetationsperiode, späteren ersten Frost, mehr Aktivität von Schädlingen und für den Weinbau Folgen für die Reife und den Säuregehalt der Trauben“, verdeutlicht der Wetterexperte die Veränderungen und ergänzt, einzelne kalte Herbste werde es natürlich weiterhin geben, aber seltener.

Chance auf weiße Weihnachten?

Doch was bedeutet das für diesen Winter – und ein mögliches weißes Weihnachten? „Sowohl das amerikanische Langfristmodell CFS der NOAA als auch das europäische Modell ECMWF rechnen den Winter 2026/27 für Deutschland und Mitteleuropa insgesamt deutlich zu mild, nach ECMWF-Prognose besonders in Süddeutschland im Dezember“, berichtet Jung. Beim Niederschlag werde es zudem eher nass und phasenweise stürmisch.

Mann mit Kind und Hund im eingeschneiten Düsternbrooker Gehölz im Dezember *** Man with child and dog in the snow-covere: Mann mit Kind und Hund im eingeschneiten Düsternbrooker Gehölz im Dezember *** Man with child and dog in the snow-covered Düsternbrooker Gehölz in December

Die Chance auf weiße Weihnachten in vielen Teilen Baden-Württembergs ist eher gering, aber nicht ausgeschlossen. (Symbolbild)

IMAGO/Petra Nowack

Für den Schnee bedeute das, dass die Chancen in tiefen und mittleren Lagen in Baden-Württemberg eher gering seien, so der Meteorologe weiter. „In den Hochlagen des Schwarzwaldes und der Schwäbischen Alb, grob oberhalb von 800 bis 1000 Metern, kann es bei nassen Wetterlagen durchaus auch ordentlich Schnee geben, allerdings mit häufigem Wechsel zwischen Schnee, Regen und Tauwetter.“

Ausschließen ließen sich kalte Phasen aber keinesfalls: „Auch ein insgesamt milder Winter kann einen kräftigen Kälteeinbruch mit Schnee bis ins Flachland bringen, wie wir es in den vergangenen Jahren mehrfach gesehen haben“, meint Jung und fügt hinzu, dass saisonale Prognosen keine Wettervorhersagen seien, sondern Tendenzen und Wahrscheinlichkeiten aufzeigten. Weiße Weihnachten ist somit in vielen Lagen in Baden-Württemberg eher gering, aber nicht ausgeschlossen.