Hitzewelle in Baden-Württemberg
: Darum kühlt es trotz 35 Grad in der Nacht deutlich ab

Heiße Tage, vergleichsweise kühle Nächte: Meteorologe Dominik Jung erklärt, was hinter den ungewöhnlich großen Temperaturunterschieden steckt und warum sie nicht überall auftreten.
Von
Anna-Sophie Zepf
Baden-Württemberg
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Eine Person öffnet in einer Berliner Wohnung ein Fenster

Die Hitze scheint brütend durch die Fenster, während es draußen über 30 Grad hat, steigen die Temperaturen in der Wohnung gerne einmal noch höher. Die kühlen Temperaturen in der Nacht erscheinen dann wie ein Segen. (Symbolfoto)

dpa-tmn/dpa
  • Hitzewelle in Baden-Württemberg: Tage über 30 Grad, Nächte kühlen teils auf etwa 15 Grad ab.
  • Ursache ist ein Wärmedom mit Zentrum über Südwesteuropa, BW liegt nur am Rand.
  • Trockene Luft, wolkenlose Nächte und ausgedörrte Böden fördern starke Nachtabkühlung.
  • Städte wie Freiburg, Karlsruhe, Mannheim, Heilbronn und Stuttgart kühlen wegen Wärmespeicherung kaum.
  • Prognose: bis Wochenbeginn 28–37 Grad, ab etwa Mittwoch um 30 Grad und teils Wärmegewitter.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Juli hat gerade erst begonnen, doch die Hitze hält Baden-Württemberg weiter fest im Griff. Fast täglich steigen die Temperaturen inzwischen über die 30-Grad-Marke. Die Erleichterung erfolgt in der Nacht, wenn die Temperaturen bis auf etwa 15 Grad herunterkühlen. Aber warum ist das so und wie lange dauert die derzeitige Hitzewelle noch an?

Tagsüber bleiben die Rollläden unten, der Ventilator läuft auf Hochtouren und im Internet wird nach der passenden Klimaanlage gesucht, mit nur einem Ziel: die Hitze aus der Wohnung fernzuhalten. Erst am Abend kündigt sich eine Veränderung an. Der Blick aufs Thermometer, dann aufs Handy, und endlich ist es so weit: Draußen ist die Temperatur um ein Grad niedriger als drinnen. Die Fenster werden aufgerissen, frische Luft strömt in die aufgeheizte Wohnung und kühlt diese bis zum Morgen herunter. Aber warum ist es denn überhaupt so heiß?

Das Zentrum des Wärmedoms liegt über Südwesteuropa

Etwa über Europa liege derzeit ein Wärmedom, umgangssprachlich auch Hitzeglocke genannt, erklärt Diplom-Meteorologe Dominik Jung. „Gemeint ist ein kräftiges, hochreichendes Hochdruckgebiet beziehungsweise ein blockierender Höhenrücken, unter dem Luft großräumig absinkt, sich dabei erwärmt und der die Zufuhr kühlerer Atlantikluft blockiert.“

Das Zentrum dieses Wärmedoms liege allerdings über Südwesteuropa, und somit vor allem über Frankreich, Spanien und Portugal. „Dort werden lokal Werte um oder über 40 Grad erreicht“, so der Meteorologe. Baden-Württemberg liege am nordöstlichen Rand. „Wir bekommen die Randzone ab, nicht den Kern“, führt er aus.

Deshalb sei die Westhälfte des Landes zwei bis drei Grad wärmer als der Osten – und deshalb bleibe auch die Nachtabkühlung erhalten, die im Kern einer solchen Glocke typischerweise verloren gehe.

Kühlung in der Nacht

Zu der Kühlung in der Nacht trägt auch noch ein anderer Faktor bei: Dafür müsse man wissen, dass Wasserdampf das wichtigste natürliche Treibhausgas sei, erläutert Jung. Durch die ausgesprochen trockene Luft und den somit fehlenden Wasserdampf gelange die Wärmeabstrahlung des Bodens derzeit nachts nahezu ungehindert in den Weltraum. „Wolkenlose Nächte und schwacher Wind verstärken das“, berichtet der Meteorologe.

Hinzu komme die ausgeprägte Bodentrockenheit. Ein feuchter Boden verbrauche einen erheblichen Teil der Sonnenenergie für Verdunstung und wirke nachts wie ein Wärmespeicher. Der inzwischen ausgetrocknete Boden könne beides nicht. Somit fließe tagsüber fast die gesamte Strahlungsenergie in fühlbare Wärme, nachts fehle hingegen die Speicherwirkung, und es kühle rasch aus, erklärt Jung.

Hitze in Deutschland

Ein kräftiges Hochdruckgebiet ist für die heißen Temperaturen in Europa – und auch in Baden-Württemberg verantwortlich. (Symbolbild)

Thomas Warnack/dpa

Aber sind derart große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht im Sommer typisch? Aus meteorologischer Sicht seien diese Temperaturunterschiede durch die trockenen Luftmassen und den wolkenlosen Himmel der Normalfall und nicht die Ausnahme, stellt Jung fest.

Bemerkenswert sei eher die Kombination: sehr hohe Temperaturen von 35 Grad und mehr bei gleichzeitig niedrigen Temperaturen in der Nacht, so der Meteorologe. „Diese Spreizung setzt eine extrem trockene Luftmasse und ausgedörrte Böden voraus – und genau das ist nach den ausbleibenden Niederschlägen der vergangenen Wochen gegeben.“

Im langfristigen Klimatrend geht die Entwicklung übrigens in die andere Richtung: Demnach stiegen die Temperaturen in der Nacht im Durchschnitt schneller an als die Temperaturen am Tag. Dadurch werde der Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht mit der Zeit kleiner, erklärt Jung. Die aktuelle Phase sei daher als Momentaufnahme zu verstehen und nicht als Gegentrend.

Die Nachtluft bringt in Städten kaum Erleichterung

Es gibt allerdings auch Orte in der Region, die nicht im gleichen Maß von der Abkühlung profitieren:  die „dicht bebauten Wärmeinseln des Oberrheingrabens und der Neckarschiene“: Freiburg, Karlsruhe, Mannheim, Heilbronn und der Stuttgarter Kessel zeichnen sich durch sehr versiegelte Flächen aus, sagt Jung.

Diese speichern die Wärme des Tages und geben sie nachts wieder ab. Zudem sei auch die Durchlüftung in den Städten schlecht. Mit diesen Faktoren falle die Abkühlung in der Nacht dort dann deutlich geringer aus, stellt der Meteorologe fest.

Waldbrandgefahr im Schwarzwald bleibt trotz Regen bestehen

Auch eine Wetterprognose liefert Dominik Jung: Bis in den Wochenbeginn hinein bleibe es hochsommerlich. „Höchstwerte zwischen 28 und 30 Grad in den Hochlagen des Schwarzwalds und 35 bis lokal 37 Grad am südlichen Oberrhein.“ Die Westhälfte des Landes bleibe dabei zwei bis drei Grad wärmer als der Osten.

Die Nächte brächten zunächst Erleichterung, in der Baar und auf der Alb seien Tiefstwerte um 11 bis 13 Grad möglich. Ab etwa Mittwoch gingen die Höchstwerte auf rund 30 Grad zurück, die Bewölkung nehme zu, und es könnten sich landesweit Wärmegewitter bilden.

„Das ist aber noch kein Luftmassenwechsel – die schwüle Wärme bleibt zunächst erhalten, und damit steigen auch die Nachtwerte an“, berichtet er und schätzt, dass ein echter Wechsel mit Werten um 25 Grad sich frühestens gegen Ende der kommenden Woche abzeichne, also um den 17. bis 19. Juli.

Zusammengefasst bleibe die Trockenheit länger erhalten als die Hitze, meint der Meteorologe. „Für die Waldbrandgefahr im Schwarzwald ist das die relevantere Nachricht – einzelne Gewitterschauer entschärfen die Lage nicht, dafür bräuchte es mehrere Tage flächigen Landregen.“

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