Apotheker klären auf: Verlieren Medikamente bei dieser Hitze ihre Wirksamkeit?

Medikamente sollten sollten meist bei Raumtemperatur gelagert werden. Bedeutet das, dass sie bei einer Hitzewelle direkt kaputt gehen?
www.imago-images.de- Hitze kann Medikamente beeinträchtigen – einige werden unbrauchbar oder verlieren Wirkung.
- Tabletten und Kapseln vertragen Hitzewellen von ein bis zwei Wochen laut Apothekern.
- Lagerung: dunkel und kühl, keine Sonne, festsstoffliche Mittel nicht in den Kühlschrank.
- Salben und Zäpfchen sind hitzeempfindlich, Spritzen wie Insulin gehören in den Kühlschrank.
- Auf Reisen Kühl- oder Isoliertasche nutzen, bei Unsicherheit in der Apotheke nachfragen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Sonne brennt – nicht nur in den klassischen Urlaubsländern wie Frankreich, Spanien oder Italien, sondern derzeit auch im Schwarzwald. Bei dieser Hitzewelle leiden jedoch nicht nur Mensch und Tier, sondern unter Umständen auch Medikamente. Denn hohe Temperaturen können ihre Wirksamkeit beeinträchtigen oder sie sogar unbrauchbar machen. Welche Arzneimittel besondere Aufmerksamkeit brauchen – wir haben bei Apotheken in der Region nachgefragt.
Alle Fenster zu, Rollläden unten und der Ventilator an, und doch staut sich in so mancher Wohnung – besonders unter dem Dach – die Hitze. Bei Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke ist der Kopfschmerz oft nicht weit. Also heißt es: Schublade auf, Päckchen raus, und Schmerztablette einnehmen. Aber Moment, auf der Box heißt es: „Nicht über 25 Grad lagern.“ Ein Blick auf das Thermometer bestätigt: Das könnte ein Problem darstellen.
Andreas Schenkel, Apotheker in der Friedrich-Apotheke in Balingen, gibt Entwarnung: Die Kennzeichnung von 25 Grad gelte nur für die Dauerlagerung des Medikaments, etwa in Tabletten- oder Kapselform. Eine oder zwei Wochen Hitzewelle stellten kein Problem dar. „Bei etwa einem halben Jahr über 30 Grad würde es etwas ausmachen“, fügt Schenkel hinzu.
Direkte Sonneneinstrahlung sollte vermieden werden
Dennoch sollten die Arzneien geschützt gelagert werden, ergänzt Daniela Hack, Apothekerin aus der Berthold-Apotheke in Villingen. Direkte Sonneneinstrahlung wie auf einer Fensterbank sollte vermieden werden. Stattdessen sollten die Medikamente im Dunkeln und etwas kühler gelagert werden.

Bei Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke kann so manches Medikament seine Wirkung verlieren. (Symbolbild)
www.imago-images.deMedikamente in fester Form sollten jedoch auch nicht in den Kühlschrank gelegt werden, da diese Temperaturen wiederum zu kalt seien. „Lieber in den Keller“, empfiehlt sie. Grundsätzlich sollten die Medikamente, wenn möglich, aber so aufbewahrt werden, wie es auf der Packung oder im Beipackzettel angegeben sei.
Vorsicht gilt zudem bei Medikamenten-Dispensern, die bei vielen verschiedenen Medikamenten gerne einmal im Voraus befüllt werden. Da sich diese Arzneien nicht mehr in ihren blickdichten Blistern befinden, seien sie der Sonne, aber auch der Luftfeuchtigkeit verstärkt ausgesetzt, erklärt Hack. Und das könne die Wirksamkeit beeinflussen. Deshalb rät die Apothekerin dazu, die Medikamentenbox immer nur für die kommende Woche zu bestücken.
Medikamente, die unbedingt in den Kühlschrank gehören
Es gibt aber auch Medikamente, die unbedingt vor Hitze geschützt werden müssen – etwa Salben. Diese könnten sich bei längerfristiger heißer Lagerung auftrennen, sagt Schenkel. Auch Zäpfchen stellten ein Problem dar, da diese sich bei etwa 37 Grad – der menschlichen Körpertemperatur – auflösen. Und das könne bei dieser Hitze durchaus auch außerhalb des Körpers vorkommen, erklärt er.
Unbedingt in den Kühlschrank gehört eine andere Medikamentenart: Spritzen. Denn gespritzte Wirkstoffe wie Insulin, das bei Diabetikern den Blutzuckerspiegel reguliert, oder Antikörper, die bei Immunkrankheiten verschrieben werden, reagieren extrem empfindlich auf Hitze, erläutert Schenkel.
Im Zweifel gilt: lieber nachfragen
Doch wie sieht es auf Reisen aus, wie kann hier verhindert werden, dass Medikamente auf Dauer zu heiß werden? Bei empfindlichen Medikamenten sollte man die Arznei in einer Kühltasche transportieren, erklärt Schenkel. Aber das gilt nicht nur auf Reisen.
So müsse etwa ein Allergieset für Kinder mit einem Epinephrin-Autoinjektor, kurz EpiPen, und Zäpfchen mit Cortison, dauerhaft in einer isolierenden Tasche mitgeführt werden, berichtet ein Apotheker aus der Apotheke am Alten Rathaus in Oberndorf. Da auch hier die Hitze, die Wirksamkeit der Medikamente beeinflussen könne.
Im Zweifel gilt: lieber nachfragen. Wer nicht sicher ist, ob ein Medikament hitzeempfindlich ist, sollte sich in einer Apotheke beraten lassen, empfiehlt Hack.

