Nabu warnt in Baden-Württemberg
: Warum milde Temperaturen für Igel gefährlich sind

Der ungewöhnlich warme Herbst macht auch vor den heimischen Gärten nicht halt. Warum ausgerechnet diese Jahreszeit für Igel schwierig wird und wie er unterstützt werden kann.
Von
Anna-Sophie Zepf
Baden-Württemberg
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Ein Igel läuft durch einen Garten: Futtersuche vor dem Winterschlaf: Im Herbst fressen sich Igel Energiereserven für die kalte Jahreszeit an. (zu dpa: «Kleiner Igel unterwegs: Wann braucht er Hilfe?»)

Ein Igel läuft durch einen Garten. Er befindet sich auf Futtersuche vor dem Winterschlaf. Doch findet er auch genug Nahrung für ein angemessenes Fettpolster? (Symbolbild)

Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Warmer Herbst erschwert Igeln in Baden-Württemberg die Vorbereitung auf den Winterschlaf.
  • Nabu: Nahrung wird knapp, da Insekten fehlen und Regenwürmer in tiefere Schichten ausweichen.
  • Häufiges Aufwachen ab zehn Grad zehrt Fettreserven – Überlebenschancen sinken.
  • Besonders gefährdet sind Muttertiere, wenn sie zu wenig Nahrung für Milchproduktion finden.
  • Empfehlung: Gärten nicht aufräumen, „wilde Ecken“ schaffen und naturnahe Flächen erhalten.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Die Sonne scheint, die Temperaturen sind mild – und der Herbst lässt sich bisweilen kaum erahnen. Zwar sorgen Regen, kühlere Tage und bunt gefärbte Bäume immer wieder für eine herbstliche Atmosphäre, aber ein Blick auf die Temperaturen der vergangenen Jahre zeigt: Im Vergleich zeichnet sich für den Herbst ein deutlicher Aufwärtstrend ab. Doch während viele Menschen die Wärme als angenehm empfinden, stellt diese die Tierwelt vor enorme Herausforderungen. Besonders der in Baden-Württemberg heimische Igel bekommt die Folgen des zunehmend milden Herbstes zu spüren.

„Für Igel ist der Herbst die heiße Phase, um sich auf den Winterschlaf vorzubereiten“, stellt der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) fest. Denn die kleinen nachtaktiven Tierchen mit den vielen Stacheln sind besonders lange auf Nahrungssuche, um sich genügend Fettreserven für die kalte Jahreszeit anzufressen.

Auf dem Speiseplan der Igel stünden vor allem Käfer, Raupen, Heuschrecken, Ohrwürmer und andere Krabbeltiere, erklärt Nabu-Artenschutzreferentin Alexandra Ickes. „Aber auch Regenwürmer und Tausendfüßer schmecken dem Igel.“ Hitze und anhaltende Trockenheit könnten die Nahrungssuche des Igels jedoch deutlich erschweren.

Verlust naturnaher Lebensräume

So zögen sich etwa Regenwürmer bei hohen Temperaturen in tiefere Bodenschichten zurück, sodass sie für Igel schwer zu erreichen seien. „Der Insektenrückgang und der Verlust naturnaher Lebensräume verschärfen die Situation für Igel zusätzlich“, sagt Ickes.

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Für den Igel werde es so umso schwieriger, sich ausreichend Fettreserven für den Winterschlaf anzufressen, meint sie. Besonders betroffen seien Igelweibchen mit Nachwuchs: „Finden die Mütter zu wenig Nahrung, können sie weniger Milch produzieren und ihre Jungtiere nicht ausreichend versorgen.“

ARCHIV - 22.02.2025, Baden-Württemberg, Donaueschingen: Zwei Personen mit Hund gehen bei Sonnenschein auf einem Wanderweg bei Donaueschingen spazieren. (zu dpa: «Milder Winter mit viel Sonne und ohne Rekorde im Südwesten») Foto: Silas Stein/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Auch ein milder Winter ohne Schnee und Frost wird für den Igel problematisch, denn sie wachen immer wieder aus ihrem Winterschlaf auf. (Symbolbild)

dpa

Aber nicht nur der Futtermangel wird zum Problem, auch ein milder Winter wird für den Igel problematisch. „Von November bis April oder Mai halten die Tiere eigentlich Winterschlaf und reduzieren Körpertemperatur und Herzschlag“, erklärt die Nabu-Artenschutzreferentin. Sie verlören in der Zeit 20 bis 40 Prozent ihres Körpergewichts.

Jedes Aufwachen kostet viel Energie

Wird es draußen allerdings zu warm, stört dies den Jahreszyklus des stacheligen Insektenfressers: „Ab zehn Grad Außentemperatur wachen sie auf und brauchen dann Futter, um wieder zu Kräften zu kommen“, berichtet Ickes. Jedes Aufwachen koste viel Energie und zehre an den angefressenen Fettreserven. „Die Tiere magern dann zu schnell ab“, sagt sie.

Und das angefressene Fettpolster lässt sich nicht so einfach wieder ersetzen: Denn im Winter fänden die kleinen Igel kaum Nahrung, da Insekten und andere Wirbellose nicht ausreichend verfügbar seien.

Auch im Herbst könnten milde Temperaturen dazu führen, dass Igel länger aktiv blieben, so Ickes – obwohl ihre Nahrung bereits knapp werde. Die Folge: „Die Tiere verlieren zu viel Gewicht, ihre Überlebenschancen sinken“, meint die Expertin. Selbst wenn sie den Winter überstehen würden, fehlten ihnen im Frühjahr möglicherweise wichtige Energiereserven für die Fortpflanzung.

Mut zu „wilden Ecken“ im Garten haben

Was lässt sich diesem Trend entgegenwirken? „Es gibt zwei Dinge, die parallel passieren müssen: Gemeinsam gilt es, den Klimawandel einzubremsen. Ohne Klimaschutzmaßnahmen werden die Probleme für Tiere wie den Igel weiter zunehmen“, hebt die Artenschutzbeauftragte hervor. Zugleich müsse die Natur bei der Klimawandelanpassung mitgedacht und unterstützt werden, etwa durch Renaturierung von Flussläufen.

Igel durchstreift einen Blätterhaufen

Wichtig ist es derzeit, die Gärten aktuell nicht groß aufzuräumen und Mut zu „wilden Ecken“ im Garten zu haben, um Igeln Verstecke und Nahrung zu bieten. (Symbolbild)

Patrick Pleul/dpa

Doch nicht nur gegen den Klimawandel zu arbeiten ist wichtig. Es gibt auch kleinere Maßnahmen, um den Igeln bei ihrer Nahrungssuche im Herbst und auch dem darauffolgenden Winterschlaf zu helfen. „Hier sind Kommunen, Unternehmen und Privatleute gefragt, ihre Grünflächen igelfreundlich zu gestalten“, betont Ickes.

Igel bräuchten einen passenden, naturnahen Lebensraum mit ausreichend Verstecken, heimischen Pflanzen und Nahrung, erläutert sie. Wichtig sei es daher, die Gärten im Herbst nicht groß aufzuräumen und Mut zu „wilden Ecken“ im Garten zu haben. Dort finden Igel Verstecke und Nahrung.