Herbstblues und Laubberge
: Kürzere Tage, kältere Luft: Wie der Herbst im Körper wirkt

Mit Herbstbeginn ändern sich Licht, Temperatur - und damit der Alltag. Was macht uns müde, lässt uns zunehmen oder belastet die Atemwege? Fünf Behauptungen über den Herbst – wissenschaftlich geprüft.
Von
Markus Brauer
Berlin
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Die aufgehende Sonne illuminiert eine Bank in den Herrenhäuser Gärten in Hannover.

Die aufgehende Sonne illuminiert eine Bank in den Herrenhäuser Gärten in Hannover.

Alicia Windzio/dpa
  • Kürzeres Tageslicht und sinkende Temperaturen beeinflussen Schlaf, Stimmung und Alltag.
  • Weniger Tageslicht verschiebt die innere Uhr, Melatonin steigt, Müdigkeit setzt früher ein.
  • Gewicht nimmt im Winter im Schnitt leicht zu, Ursache ist eher Verhalten als Jahreszeit.
  • Winterdepression erreicht oft im Januar/Februar den Höhepunkt, allgemeiner Stimmungsabfall unbelegt.
  • Vitamin D: Präparate nur bei Risiko ratsam – trockene Heizungsluft kann Atemwege zusätzlich belasten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Mit dem kalendarischen Herbstanfang werden die Tage deutlich kürzer. Das veränderte Licht und sinkende Temperaturen beeinflussen auch unseren Alltag. Fünf Behauptungen über typische Herbstbeschwerden – und was dahintersteckt.

1. Behauptung: Die frühe Dunkelheit macht müde

Frühe Dunkelheit kann müde machen. Entscheidend ist dabei nicht nur, dass es früher dunkel wird, sondern auch die geringere Tageslichtmenge. Sie beeinflusst die innere Uhr, die den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert, wie Forscher im „Journal of Physiological Anthropology“ berichteten. Nachts schüttet der Körper demnach mehr Melatonin aus, ein Hormon, das an der Regulation des Schlafs beteiligt ist. Helles künstliches Licht am Abend kann die innere Uhr dagegen nach hinten verschieben und das Einschlafen erschweren.

Wie stark Licht wirkt, hängt vor allem von Zeitpunkt, Dauer und Intensität der Lichtexposition ab. Eine Studie mit schwedischen Büroangestellten zeigte im Jahresverlauf Veränderungen bei der aufgenommenen Tageslichtmenge sowie bei den Tagesverläufen von Melatonin und Cortisol. Das Stresshormon Cortisol folgt einem ausgeprägten Tagesrhythmus und spielt unter anderem rund um das Aufwachen eine Rolle.

Die Ergebnisse lassen sich zwar nicht unmittelbar auf das weiter südlich gelegene Deutschland übertragen, zeigen aber: Tageslicht gibt der inneren Uhr wichtige Orientierung. Müdigkeit kann bei weniger Tageslicht früher einsetzen – und bei hellem Abendlicht später.

Die aufgehende Sonne illuminiert einen herbstlichen verfärbten Laubbaum im Georgengarten an den Herrenhäuser Gärten.

Die aufgehende Sonne illuminiert einen herbstlichen verfärbten Laubbaum im Georgengarten an den Herrenhäuser Gärten.

Alicia Windzio/dpa

Wann beginnt der Herbst?

Astronomisch beginnt die dritte Jahrezeit mit der Tag-und-Nacht-Gleiche am 22. oder 23. September. Meteorologisch und biologisch wird er meist Anfang September angesetzt. Für die Südhalbkugel ist der astronomische Beginn am 20./21. März.

Der Herbst endet astronomisch am 21. oder 22. Dezember auf der Nordhalbkugel und am 21. Juni auf der Südhalbkugel mit der Wintersonnenwende.

2. Behauptung: Im Winter nehmen wir zu

Im Winter steigt das Gewicht vieler Menschen im Durchschnitt leicht, so eine Studie. In der US-Untersuchung an 195 Erwachsenen nahm das Gewicht zwischen Thanksgiving Ende November und dem Jahreswechsel im Schnitt um 0,37 Kilogramm zu. Im weiteren Winter lag es durchschnittlich sogar 0,48 Kilogramm über dem Wert vom frühen Herbst.

Dies sei deutlich weniger als die häufig genannten zwei bis drei Kilogramm, schrieb das Team im renommierten „New England Journal of Medicine“. Allerdings handelte es sich um Durchschnittswerte: Viele Menschen nahmen in der Studie zu, manche aber ab.

Auch Gewichtsdaten aus sieben Ländern, darunter Deutschland, zeigen einer Studie zufolge jahreszeitliche Schwankungen. Die niedrigsten Werte wurden im Sommer, die höchsten tendenziell in den kälteren Monaten gemessen.

Damit der Abnehmerfolg mit GLP-1-Rezeptoragonisten von Dauer ist, ist eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten wichtig.

Damit der Abnehmerfolg mit GLP-1-Rezeptoragonisten von Dauer ist, ist eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten wichtig.

Pia Bayer/dpa

Eine weitere Studie über mehr als 20 Jahre zeigte bei den Teilnehmern das höchste Gewicht im Winter und das niedrigste im Sommer. Diese Daten belegen jedoch nicht, dass die Jahreszeit selbst die Ursache ist. Wahrscheinlicher sei ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, schreibt das Team im „European Journal of Clinical Nutrition“: Im Winter bewegen sich viele Menschen weniger, essen möglicherweise energiereicher, feiern häufiger und verbringen mehr Zeit in Innenräumen. Winterspeck ist daher möglich - aber kein unvermeidbarer biologischer Vorgang.

Woher stammt das Wort Herbst?

Etymologisch hat das deutsche Wort herbst denselben Ursprung wie „harvest“ – Ernte(zeit) – im Englischen. Beide Wörter gehen auf das ursprünglich germanische „harbistaz“ und die urindogermanische Wurzel „kerp“ – pflücken, ernten – zurück. Im Lateinischen wurde daraus „carpere“ – pflücken –, im Altgriechisch „karpós“ – Frucht, Ertrag. Die ursprüngliche Bedeutung von Herbst ist also Erntezeit.

Herbstliches Laub liegt auf dem verregneten Bürgersteig, während im Hintergrund zwei Arbeiter ihre Schubkarre beladen.

Herbstliches Laub liegt auf dem verregneten Bürgersteig, während im Hintergrund zwei Arbeiter ihre Schubkarre beladen.

Alicia Windzio/dpa

3. Behauptung: Winterblues kann sich im Spätwinter verstärken

Wenn die Tage kürzer werden, kann bei manchen Menschen ab Herbst ein Winterblues beginnen. Eine Studie mit Menschen, die an einer Winterdepression litten, zeigte: Die Beschwerden nahmen ab September zu und erreichten im Januar und Februar ihren Höhepunkt. Veränderungen bei Schlaf, Appetit und Energie traten dabei häufig früher auf als die Stimmungsschwankungen.

Wichtig: An der Studie nahmen nur Menschen mit einer Winterdepression teil. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht auf eine vorübergehende Herbstmüdigkeit oder ein Stimmungstief übertragen.

Für eine saisonale Depression gibt es zwar wissenschaftliche Hinweise. Einen allgemeinen Stimmungsabfall in der Bevölkerung während der Herbst- und Wintermonate belegt die Forschung jedoch nicht. Eine systematische Auswertung von 41 Studien konnte keinen regelmäßigen jahreszeitlichen Wechsel hin zu schlechterer Stimmung und mehr psychischen Beschwerden bestätigen.

Die Silhouette einer Frau zeichnet sich vor einer hellen Fensterfront ab (gestellte Szene).

Die Silhouette einer Frau zeichnet sich vor einer hellen Fensterfront ab (gestellte Szene).

Julian Stratenschulte/dpa

Welche Herbstfeste werden 2024 wann gefeiert?

  • Erntedankfest/Thanksgiving: 6. Oktober
  • Oktoberfest: 21. September bis 6. Oktober
  • Halloween/Reformationstag: 31. Oktober
  • Allerheiligen: 1. November
  • Martinstag: 11. November
  • Sukkot, jüdisches Laubhüttenfest: 17. – 23. Oktober

4. Behauptung: Vitamin D ist in der dunklen Jahreszeit ein Muss

Vitamin D ist wichtig für Knochen, Muskeln und verschiedene Körperfunktionen. Der Körper bildet es mit Hilfe von UV-B-Strahlung in der Haut. In Deutschland ist diese Bildung im Winter wegen der geringeren Sonnenintensität und der kürzeren Tage erschwert. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Mensch automatisch einen Vitamin-D-Mangel entwickelt.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Vitamin-D-Präparate vor allem jenen Menschen, die sich nur selten im Freien aufhalten oder ein erhöhtes Mangelrisiko haben. Dazu zählen unter anderem ältere und wenig mobile Menschen, Säuglinge sowie Menschen mit dunkler Haut. Für gesunde Erwachsene ist eine pauschale Einnahme demnach nicht grundsätzlich ratsam.

Ob ein Präparat nötig ist, hängt vom individuellen Risiko und gegebenenfalls vom jeweiligen Vitamin-D-Spiegel ab. Die medizinische Fachgesellschaft Endocrine Society empfiehlt in ihren Richtlinien gesunden Erwachsenen unter 75 Jahren keine regelmäßige Einnahme von Vitamin D allein zur Vorbeugung von Krankheiten.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt sogar vor hohen Einzelmengen, die in größeren Abständen eingenommen werden. Wer zu einer Risikogruppe gehört oder einen Vitamin-D-Mangel vermutet, sollte die Einnahme mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen.

Eine Schülerin führt in einer Schule in Flensburg ihre Hand beim Husten vor den Mund.

Eine Schülerin führt in einer Schule in Flensburg ihre Hand beim Husten vor den Mund.

Angelika Warmuth/dpa

5. Behauptung: Raumluft und Atemwegsinfektionen hängen zusammen

Beim Heizen wird die Luft in Innenräumen erwärmt. Dadurch sinkt die relative Luftfeuchtigkeit, sofern nicht Feuchtigkeit zugeführt wird. Trockene Luft kann die Schleimhäute reizen und die natürliche Reinigungsfunktion der Atemwege beeinträchtigen. Diese soll dem Körper helfen, Schleim, Partikel und Krankheitserreger abzutransportieren.

In einer Studie mit Mäusen schwächte trockene Luft zudem die Abwehr von Grippeviren. Untersuchungen mit künstlich erzeugten Husten-Aerosolen deuteten außerdem darauf hin, dass diese Viren bei niedriger Luftfeuchte länger infektiös bleiben. Trockene Heizungsluft kann die Übertragung von Atemwegsviren demnach unter bestimmten Bedingungen begünstigen. Die Ergebnisse aus Tierversuchen und künstlichen Aerosolen lassen sich jedoch nicht unmittelbar auf alle Situationen in Innenräumen übertragen. (mit dpa-Agenturmaterial)