Besiedlung Europas in der Steinzeit: Wann Europa durch die ersten Menschen besiedelt wurde

Vor rund 43.000 Jahren erreichten die ersten modernen Vertreter des Homo sapiens aus Afrika über den Nahen Osten entlang der Donau kommend Mitteleuropa.
Imago/DepositphotosBis vor rund 43.000 Jahren gehörte Europa dem Neandertaler, der vor 450.000 bis 30.000 Jahren die Steppen und Höhlen Süd-, Mittel- und Osteuropas bevölkerte. Der ausgestorbene Verwandte des heutigen Menschen entwickelte sich in Europa – parallel zum modernen Menschen in Afrika – aus gemeinsamen afrikanischen Vorfahren der Gattung „Homo“.
Ab 43.000 wurde er mit einer verwandten Spezies konfrontiert, die bis dahin im fernen Afrika und im Nahen Osten gelebt hatte – dem anatomisch modernen Menschen. Wie die Begegnung ablief, wie oft sich ihre Wege kreuzten und inwieweit der Mensch am Aussterben des Neandertalers beteiligt war, wissen wir nicht.

Die Gründe für die Ausbreitung der Menschen nach Europa waren vielfältig: menschlicher Entdeckergeist, eine veränderte Sozialstruktur sowie technischer Fortschritt.
Foto: Imago/DepositphotosDer moderne Mensch kommt nach Europa
Wie lief die Besiedlung Europas ab? Nach bisherigem Forschungsstand hat es mehrere große Einwanderungswellen gegeben. Forscher der Universität Tübingen und des Max-Planck-Instituts (MPI) für Menschheitsgeschichte in Jena hatten bereits vor einiger Zeit nachgewiesen, dass die erste Einwanderungswelle moderner Menschen gen Europa vor 43.000 Jahren erfolgte.
Zu ihnen gehörte auch ein Mann, der vor rund 40.000 Jahren lebte und dessen Knochen im Jahr 2002 in der Oase Höhle (Peștera cu Oas) in Südwest-Rumänien gefunden wurden. Es sind die ältesten Überreste des modernen Menschen, die jemals in Europa entdeckt wurden.
Die Menschen in der darauffolgenden Aurignacien-Kultur (40 000 bis 31 000) fertigten die ersten Musikinstrumente und Kunstwerke wie die berühmte Venus aus dem Hohle Fels. Sie wanderten wahrscheinlich aus dem Nahen Osten entlang der Donau nach Zentraleuropa ein.

Die Menschen in der darauffolgenden Aurignacien-Kultur (40.000 bis 31.000) fertigten die ersten Musikinstrumente und Kunstwerke wie die berühmte Venus aus dem Hohle Fels in Baden-Württemberg.
Foto: Imago/DepositphotosVom Jäger und Sammler zum Bauern und Viehzüchter
Ein Forscherteam am Institut für Geophysik und Meteorologie und am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität zu Köln hat nun ein neues, spezifiziertes Modell entwickelt: das „Our Way Model“.
Die Archäologen modellierten die Ausbreitung und die Bevölkerungsdichten des Menschen während des Aurignacien (43.000 bis 32.000 Jahren), um besser zu verstehen, wie die ersten anatomisch modernen Menschen Europa besiedelten.
Die Studie ist im Fachmagazin „Nature Communications“ publiziert worden.
Vier Phasen der Besiedlung Europas
Das „Our Way Model“ zeigt vier Phasen dieses Besiedlungsprozesses auf:

Die frühen anatomisch modernen Menschen überlebten als Jäger und Sammler über extrem lange Zeiträume.
Foto: Imago/DepositphotosKlimatische Veränderungen beeinflussten Besiedlung massiv
Die frühen anatomisch modernen Menschen überlebten als Jäger und Sammler über extrem lange Zeiträume. Als sie begannen, sich in Europa auszubreiten, herrschten weltweit andere klimatische Bedingungen als heute. Das überwiegend kühlere und trockenere Klima der letzten Eiszeit wurde wiederholt von wärmeren Phasen unterbrochen, wobei einige Veränderungen abrupt, andere hingegen allmählich eintraten.
Die Gründe für die Ausbreitung der Menschen nach Europa waren vielfältig: menschlicher Entdeckergeist, eine veränderte Sozialstruktur sowie technischer Fortschritt.
Wie sich der Klimawandel auf die menschliche Ausbreitung auswirkte
Die Forscher konnten mithilfe des Modell auch zeigen, wie sich der Klimawandel auf die Ausbreitung der Menschen auswirkte. Die Ausbreitungsprozesse verliefen dabei nicht linear. Manchmal rückten die Menschen schnell vor, manchmal zogen sie sich in klimatisch mildere Refugien im Süden des Kontinents zurück.
Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die frühe Besiedlung Europas hochkomplexe Prozesse der Ausbreitung, des Rückzugs, Auflassens und der Wiederbesiedlung umfasste. Diese waren durch klimatische Veränderungen und die Anpassungsfähigkeit der Menschen bedingt.

Die ersten modernen Menschen kamen vor rund 45.000 in das Gebiet des heutigen Baden-Württembergs. Während der letzten Eiszeit war die Schwäbische Alb wieder fast menschenleer. Vor 19.500 Jahren kehrte der Homo sapiens wieder zurück (im Bild ist die Vogelherdhöhle auf der Schwäbischen Alb zu sehen).
Foto: Imago/Arnulf HettrichMethodische Komponenten des „Our Way Model“
Das „Our Way Model“ simuliert die menschliche Ausbreitung in zwei Hauptschritten:

Die frühe Besiedlung Europas umfasste hochkomplexe Prozesse der Ausbreitung, des Rückzugs, Auflassens und der Wiederbesiedlung des Kontinents.Die
Foto: Imago/DepositphotosKlima im Aurignacien
Der ML-Ansatz konstruiert die klimatischen Bedingungen für das Aurignacien und bildet die klimatischen Präferenzen der Menschen dieser Kultur ab. Das Modell wird angewandt, um die räumlichen und zeitlichen Muster des menschlichen Existenzpotenzial unter Verwendung von simulierten Daten eines globalen Klimamodells zu schätzen. Die Ergebnisse zeigen:
Die Daten zeigen, dass am Ende dieses Besiedlungsprozesses manche Gruppen besser an kalte Klimabedingungen angepasst waren als andere. Dies ermöglichte es ihnen, die Grenzen der zuvor besiedelten Gebiete zu überschreiten.
