Diskussion mit Ola Källenius: Mercedes-Chef überrascht Zuhörer – „Er ist Fragen nicht ausgewichen“

Mercedes-Chef Ola Källenius hat sich bei der Podiumsdiskussion der Stuttgarter Zeitung und der Stuttgarter Nachrichten rund 500 Gästen gestellt. Was blieb beim Publikum hängen?
Max Kovalenko- Mercedes-Chef Källenius stellte sich in Stuttgart rund 500 Gästen kritischen Fragen.
- Er betonte den Wettbewerbsdruck durch China – Transparenz und Offenheit prägten seinen Auftritt.
- Jüngere Besucher interessierten sich für Zukunft und E-Autos, nicht nur für Krisen.
- Beschäftigte hinterfragten längere Arbeitszeiten ohne Ausgleich, zeigten aber mehr Verständnis.
- Mehrere Gäste hoben seine Rhetorik, Resilienz-Botschaft und konkrete Antworten hervor.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Ola raus" – so hatten Beschäftigte bei Protesten zuletzt gegen Källenius skandiert, nachdem er die Belegschaft zur Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich und zu massiven Einsparungen aufgerufen hatte. Grund dafür sei der Wettbewerb mit günstiger produzierenden Ländern wie China, so Källenius.
Bei der Podiumsdiskussion der Stuttgarter Zeitung und der Stuttgarter Nachrichten stellte er sich nun rund 500 Gästen und den kritischen Fragen zu seinem Kurs. Wie kam sein Auftritt beim Publikum an?
Ingrid Armbruster: „So klar und deutlich hatte ich das nicht erwartet"

Die 70-jährige Ingrid Armbruster ist von dem Auftritt des Mercedes-Chefs positiv überrascht.
Max KovalenkoIngrid Armbruster, 70 Jahre, verlässt die Veranstaltung überrascht. Angesichts der schwierigen Lage der Branche hatte sie mit mehr Ausweichmanövern der Mercedes-Chefs gerechnet. Stattdessen habe Källenius sehr offen gesprochen, sagt sie: „Er hat sich gut präsentiert, finde ich. Tatsächlich bin ich überrascht, wie klar und deutlich er alle Fakten auf den Tisch gelegt hat. Er ist konkreten Fragen nicht ausgewichen – das hatte ich angesichts der schwierigen Lage der Autobranche nicht erwartet."
Besonders neu war für sie, wie zentral die Bedeutung Chinas mittlerweile ist. „So deutlich habe ich das noch nie herausgehört – und wie intensiv man sich damit auseinandersetzt", so Armbruster.
Lilli R.: „Ich möchte Chinesisch lernen, um meine Perspektiven zu verbessern"

Lilli R. ist 19 und hat gerade erst ihr Abitur hinter sich gebracht und wollte mit ihrem Besuch bei der Veranstaltung Einblicke für ihre eigene berufliche Zukunft gewinnen.
Max KovalenkoDie 19-jährige Lilli R. hatte bereits Interviews von Källenius gesehen und war darauf vorbereitet, was sie erwartet würde: „Ich wusste schon, dass er vergleichsweise offen redet. Das finde ich auch sympathisch an ihm. Aber die vielen Sportvergleiche und Floskeln müssen nicht unbedingt sein", sagt Lilli mit einem Lächeln, „von Fußball und Formel 1 habe ich nämlich keine Ahnung."
Ihr Grund für den Besuch war eher persönlich motiviert: Sie kam vor allem mit Blick auf ihre eigene berufliche Zukunft zur Veranstaltung. Lilli hat gerade das Abitur hinter sich gebracht: „Bei so Themen wie der 40-Stunden-Woche kann ich also noch nicht wirklich mitreden." Der große chinesische Einfluss in der Automobilbranche beschäftigt sie dagegen umso mehr. Für sie ein Zeichen, sich frühzeitig auf die Entwicklung einzustellen: „Ich gehe Ende des Jahres selbst nach Taiwan, um Chinesisch zu lernen, damit ich gegebenenfalls für Unternehmen wie Mercedes auch höhere Aufstiegschancen hätte."
Marcel Stawicki: „Ich möchte mehr über die Zukunft der Branche erfahren“

Der 26-Jährige Marcel Stawicki ist mit konkreten Erwartungen zur Podiumsdiskussion gekommen. Er wollte mehr über E-Autos und die Zukunft als über Krisen erfahren.
Max KovalenkoDer 26-jährige Marcel Stawicki war mit einer konkreten Erwartung gekommen: „Ich habe gehofft, dass er über E-Autos und die Zukunft spricht, und nicht nur über die Krise der Vergangenheit." In der Berichterstattung dominiere ohnehin meist das Krisennarrativ – sinkende Absätze, chinesische Konkurrenz, eine Branche am Ende. Aber Källenius habe auch über Perspektiven gesprochen: „Das hat mir sehr gefallen."
Inhaltlich habe die Veranstaltung für ihn wenig Neues gebracht, die Fragen seien recht allgemein gehalten gewesen. Eine Zahl sei ihm aber im Gedächtnis geblieben: „Als er darüber gesprochen hat, dass der CLA so ein Erfolgsmodell ist, das ist neu für mich."
Überrascht hat ihn dagegen der Mensch Källenius: „Ich wusste ja gar nicht, wie er so ist. Ich finde, er ist ein wirklich guter Sprecher, er nimmt einen richtig mit und kommt sehr sympathisch rüber." Anders als bei Politikern, wo er floskelhafte Antworten erwartet hätte, sei Källenius' Offenheit für ihn besonders aufgefallen.
Nicolas Krischker: „Wir sollen mehr arbeiten für weniger Geld, was soll das genau bewirken?“

Nicolas Krischker arbeitet bei Mercedes und wollte deswegen zur Veranstaltung kommen. Trotz anfangs gemischten Gefühlen hat sich der Besuch für ihn gelohnt.
Max KovalenkoNicholas Krischker arbeitet bei Mercedes, deswegen wollte sich der Stuttgarter auch mal anhören, was der Konzernchef zu sagen hatte. „Also, ich bin, um ehrlich zu sein, mit gemischten Gefühlen hergekommen“, sagt der 40-jährige. „Ich gehe jetzt doch mit positiven Gefühlen wieder raus.“ Das liege vor allem daran, dass Källenius substanzielle und gute Antworten, auch auf kritische Fragen, gegeben hätte.
Was ist ihm besonders im Gedächtnis geblieben nach der Veranstaltung? „Dass wir in Europa auch was ändern müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Ich habe mir im Vorfeld eben auch sehr häufig die Frage gestellt: Wir sollen jetzt mehr arbeiten für weniger Geld, was soll das denn genau bewirken? Ich meine, das macht die Autos ja jetzt nicht wahnsinnig viel günstiger.“ Aber nach dem heutigen Abend würde er die Position des Arbeitgebers etwas besser verstehen.
Kevin Kübel: „Schwierige Zeiten wird man nicht wegdiskutieren“

Kevin Kübel ist nach der Veranstaltung besonders das Thema Resilienz im Kopf geblieben.
Max KovalenkoAuch Kevin Kübel konnte durch die Veranstaltung interessante Einblicke gewinnen. „Ich fand auch Herrn Källenius sehr angenehm als Redner“, erklärt der 32-Jährige. „Da merkt man, er weiß, von was er spricht, und hat auch einiges wahrscheinlich in den letzten Jahren auf die harte Tour lernen müssen, das finde ich sehr interessant.“
Besonders spannend fand er das von Källenius angesprochene Thema Resilienz. „Weil schwierige Zeiten wird man nicht wegdiskutieren. Die sind nun mal da und dann einfach zu sagen: Okay, man muss die Prügel auch mal aushalten können, finde ich sehr inspirierend.“
Oliver Müller: „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not“

Oliver Müller arbeitet im Personalbereich und fand den Auftritt von Mercedes-Chef Källenius sehr positiv.
Max KovalenkoVon Källenius als Person war auch Oliver Müller angetan. „Ich bin hergekommen, weil ich den Mann mal persönlich erleben wollte, und ich finde ihn fantastisch“, erklärt der 59-Jährige nach der Veranstaltung. Gründe gebe es einige dafür. „Ich fand ihn richtig smart, sehr vernetzt.“
Durch die Veranstaltung fühle er sich in seiner Meinung bestätigt. „Ich sehe das genauso wie er und ich bin auch immer im Management-Team, ich komme aus dem Mittelstand. Da war jetzt für mich gar nicht so viel neu.“ Gerade bei den Argumenten des Mercedes-Chefs zu den Themen mobiles Arbeiten und Arbeitszeiten, sei er der gleichen Meinung, sagt Müller: „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not. Und wir haben aktuell eine Umbruchssituation. Das ist ein deutschlandweites Problem, nicht nur von Mercedes. Ja, den Gürtel muss man enger schnallen.

