Launch von GTA VI: Sex, Folter, Rassismus-Vorwürfe: Das waren die größten Kontroversen der GTA-Reihe

„A life of crime“: Wie in den vorangegangenen Teilen der Spielereihe stehen auch die Hauptfiguren Lucia und Jason in „GTA VI“ mit dem Gesetz auf Kriegsfuß.
Rockstar Games/dpa-tmn/dpa- GTA VI erscheint am 19. November 2026 nur als Online-Download und erzielt hohe Vorbestellungen.
- Die Reihe ist beliebt wegen offener Spielwelt, Freiheiten und filmischer Storys – zugleich provokant.
- Frühere Kontroversen: Umgang mit Sexarbeiterinnen in GTA 3 und 9/11-bedingte Änderungen.
- Vice City-Streit: Vorwürfe rassistischer Darstellung von „Haitianern“, später Entschärfungen.
- Weitere Aufreger: „Hot Coffee“ in San Andreas, Trunkenheitsfahrten in GTA IV, Foltermission in GTA V.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Nicht nur Videospielfans halten bereits den Atem an, sondern auch die Entertainment-Branche an sich: Denn wenn nach langem Warten und zahlreichen Verschiebungen am 19. November 2026 tatsächlich der neue Ableger der Spielereihe „Grand Theft Auto“ im Handel ist (dieses Mal wohlgemerkt nur als Online-Download ohne Discs), hat das Produkt schon allein mit den Vorbestellungen 750 Millionen Dollar eingespielt – ein Umsatz, gegen den selbst sündhaft teure Hollywood-Filmproduktionen blass aussehen.
Doch warum sind die GTA-Spiele weltweit so beliebt und heiß begehrt? Der Hauptgrund sind vermutlich die große offene Spielwelt, die unzähligen spielerischen Freiheiten und die langen, filmreif inszenierten Storys. Attraktiv ist die legendäre Reihe des Entwicklungsstudios Rockstar North im schottischen Edinburgh für viele aber auch wegen ihrer provokanten Elemente. Nicht nur, dass die Charaktere regelmäßig auf der falschen Seite des Gesetzes stehen, die Spieleentwickler haben ihre Spiele auch stets als überdrehte Parodien der amerikanischen Gesellschaft verstanden. Deshalb wurden im Laufe der Jahrzehnte immer wieder bewusst kontroverse Story- oder Spielelemente eingebaut, welche beim jungen Publikum meist beliebt, aber bei konservativeren Beobachtern berüchtigt waren.
Kritik an einigen der wichtigsten Spielfunktionen der Reihe – dem Autodiebstahl auf offener Straße (daher auch der Titel „Grand Theft Auto“) sowie dem Überfahren von Zivilisten und auch sonstiger Nichtbeachtung von Straßenverkehrsregeln – existierte bereits beim ersten GTA (1997) sowie GTA 2 (1999). Und das, obwohl sie damals noch 2D-Spiele waren, die das Ausmaß des kriminellen Treibens nicht wirklich lebensnah auf dem Bildschirm darstellen konnten. Ab GTA 3 machte die Reihe dann aber den Sprung in die dritte Dimension. In den Augen der GTA-Gegner wirkten mit der immer besseren Grafik der Spielewelt damit auch die vermeintlichen Tabubrüche immer realer und unverantwortlicher. Hier haben wir Ihnen die kontroversesten GTA-Momente seit 2001 aufgelistet.
GTA 3: Geht man so mit Sexarbeitern um?
Obwohl man in GTA 3 (2001) in der Rolle des stummen Hauptcharakters „Claude“ hauptsächlich noch denselben Kriminellen-Alltag hat wie in GTA und GTA 2 – Autos klauen, andere Gangster töten, gegen die Polizei kämpfen etc. –, gab es im ersten 3D-Teil der Reihe doch ein paar weitere Möglichkeiten, sich in „Liberty City“ (angelehnt an das düstere, verregnete New York, bzw. die Ostküste) die Zeit zu vertreiben. Unter anderem konnte man Prostituierte am Straßenrand mitnehmen und mit ihnen Geschlechtsverkehr im Auto haben, um so seine Lebenspunkte zu steigern.
Obwohl man nichts von dem Akt sah außer einem wippenden Auto, war hier für manche bereits die Grenze des guten Geschmacks überschritten. Für andere erst, als das Schäferstündchen vorbei war – denn als die Sexarbeiterin den Wagen wieder verlassen hatte, gab es die Option, sie zu töten und sich das eben an sie gezahlte Geld wieder zurückzuholen. Obwohl es von manchen Seiten Kritik hagelte wegen dieses respektlosen virtuellen Umgangs mit Prostituierten, lenkte Rockstar nicht ein und ließ die Option im Spiel, anstatt sie durch spätere Patches zu entfernen. Das galt aber freilich nur für die internationale Version des Spiels. Bei der offiziellen deutschen Version mussten – wie auch bei einigen anderen GTA-Teilen – immer wieder Anpassungen vorgenommen werden, um gemäß des deutschen Jugendschutzrechts hierzulande veröffentlicht werden zu dürfen. Das heißt: Deutsche Spieler konnten sich zwar mit den Prostituierten im Auto „vergnügen“ und sie hinterher immer noch töten, bekamen aber dafür nicht ihr Geld zurück.
GTA 3: Diese Änderungen gab es wegen des 11. Septembers
GTA 3 erschien im Oktober 2001 – die Ereignisse des 11. Septembers waren für Rockstar in der jahrelangen Entwicklungszeit natürlich nicht absehbar. Da die amerikanische Bevölkerung zu der Zeit verständlicherweise noch sehr empfindlich war, verschob das Entwicklungsstudio die Veröffentlichung des Spiels um einige Wochen, ging noch mal ran und entfernte einige Elemente, die unbeabsichtigt an das Trauma des Terroranschlags auf das World Trade Centers erinnern könnten. Das Ausmaß der Änderungen war lange Zeit unbekannt – weshalb sich im Netz einige Verschwörungstheorien entspannen. So glaubten manche User herausgefunden zu haben, dass ein Charakter namens „Darkel“, der es nicht ins fertige Spiel geschafft hatte, ursprünglich dem Spieler den Auftrag gegeben habe, Terroranschläge zu begehen. Zudem hätte man an einer Stelle ein Flugzeug in ein Gebäude fliegen müssen, um damit einen anderen Charakter auszuschalten.
2012 räumte Rockstar allerdings mit solchen Narrativen auf. Auf ihrer Website verrieten sie in einem Q&A, dass die Änderungen nur sehr minimal gewesen seien. Terroranschläge habe die Spielfigur Claude auch in der Erstversion des Spiels nicht ausführen müssen. Stattdessen seien nur ein paar grafische Details oder Dialogzeilen verändert worden. Zudem sei eine Mission entfernt worden, in der Terroristen erwähnt wurden, und das Spielecover für die US-Version wurde neu erstellt, da das bisherige dem Entwickler kurz nach dem Vorfall unangenehm war (es waren einige Explosionen zu sehen). Das alte Cover blieb aber der europäischen Version erhalten. Die Person „Darkel“ sei darüber hinaus schon lange vor dem Anschlag auf das World Trade Center aus dem Spiel geschnitten worden, da seine Missionen nicht so gut wie die anderen gewesen seien.
GTA Vice City: Haitianer fühlen sich rassistisch diskriminiert
In den GTA-Spielen ist es seit jeher normal, dass viele verschiedene kriminelle Gangs unterschiedliche Stadtviertel kontrollieren und miteinander um Macht und Einfluss kämpfen. Dies brachte Rockstar mit „GTA Vice City“ (2002) allerdings in Bedrängnis. In dem Spiel, das in der an Miami angelehnten „Vice City“ im Jahr 1986 spielt, gibt es nämlich auch die „Haitianer“ als eine von mehreren kriminellen Schläger- und Dealer-Banden. Die Darstellung dieser Gruppe wurde von einigen haitianisch-amerikanischen Organisationen und Bürgerrechtsgruppen als rassistisch wahrgenommen, weshalb es zu mehreren Protesten und sogar einer Bundesklage kam.
In diesem Fall lenkte Rockstar ein, entschuldigte sich und entfernte in späteren Versionen des Spiels besonders drastische Sätze wie „Ich werde einen Haitianer töten“ oder „Wir werden die Haitianer ausschalten“.
GTA San Andreas: Sex-Minispiel erreicht Legenden-Status
Vermutlich kennt jeder, der „GTA San Andreas“ (2004) intensiv gespielt hat, auch den Begriff „Hot Coffee“. Aber nicht, weil man dort in dem fiktiven amerikanischen Bundesstaat San Andreas, der die drei Städte Los Santos (Los Angeles), San Fierro (San Francisco) oder Las Venturas (Las Vegas) vereint, einen Barista spielt. Nein, der Hauptcharakter Carl Johnson (kurz C.J.) ist nach wie vor ein Gangster. Stattdessen steckt dahinter ein Minispiel, das Rockstar erst in die PC- und Konsolenversionen des Spiels eingebaut und später unzugänglich gemacht hatte. Technisch versierte Fans entdeckten es aber und erstellten den sogenannten „Hot-Coffee-Mod“, eine Spielmodifikation, mit der man es in der PC-Version wieder freischalten konnte.
Worum ging es bei dem Minispiel? Man konnte in der Rolle von C.J. Geschlechtsverkehr mit seiner Freundin haben, indem man interaktiv sexuelle Handlungen ausführte und versuchte, eine „Erregungsskala“ hochzutreiben. Deshalb auch der Titel „Hot Coffee“ – weil die Freundin C.J. zuvor „auf einen Kaffee“ zu sich nach Hause einlud.
Obwohl das Minispiel unfertig gewesen war und man deshalb nicht viel sehen konnte, hatte die Aufdeckung der Existenz von „Hot Coffee“ unschöne Folgen für Rockstar: Die betroffenen Spiele wurden zurückgerufen, die Altersfreigabe vorübergehend geändert. Zudem gab es Ermittlungen der Federal Trade Commission (FTC) und Aktionärsklagen. Für treue GTA-Fans verewigte das pikante Minispiel hingegen nur erneut Rockstars „Legenden“-Status.
GTA IV: „Betrunken Fahren“-Modus verärgert viele Mütter
Was Kontroversen angeht, geriet GTA IV (2008) nicht so in die Schlagzeilen wie so mancher anderer Teil der Reihe. Dies lag unter anderem auch daran, dass die Story um den serbischen Immigranten Niko Bellic, für den die Suche nach dem amerikanischen Traum in Liberty City zum Albtraum wird, sich etwas ernster nahm als frühere GTA-Geschichten. Um der Spielwelt deshalb auch einen tristeren und raueren Anstrich zu geben, hielten sich die Entwickler mit Humor und schrillen, abgedrehten Ideen zurück – trotzdem gab es wegen eines Spielelements wieder Forderungen nach Rückrufen und Änderungen der Altersfreigabe.
In GTA VI konnte sich Niko nämlich betrinken und danach betrunken mit dem Auto fahren, welches wegen seines Alkoholpegels fast unkontrollierbar wurde. Obwohl Autounfälle seit jeher fester Teil des GTA-Spielprinzips sind und noch zu den harmloseren „Verbrechen“ gehören, die man innerhalb der Spiele begeht, befürchtete die amerikanische Organisation „Mothers Against Drunk Driving“ (Mütter gegen betrunkenes Fahren) einen schädlichen Einfluss auf Jugendliche. Sie forderte unter Protest erneut einen Rückruf des Spiels sowie eine Änderung der Altersfreigabe. Dazu ließ sich Rockstar dieses Mal aber nicht breitschlagen, zumal im Spiel bereits Elemente existierten, um den Spieler vom betrunkenen Autofahren abzubringen: Niko selbst kommentierte, dass das „keine gute Idee“ sei, zudem wurde die Polizei im Spiel bei einer Trunkenheitsfahrt schneller auf einen aufmerksam.
GTA V: Bei einer Folter-Mission ist für viele Schluss mit lustig
Viele Fans mochten bei GTA IV zwar die Charaktere und die Story, aber nicht unbedingt die geringere Zahl an verrückten Ideen und Funktionen. GTA V (2013) kam hingegen wieder deutlich überdrehter daher – einer der drei Hauptcharaktere, Trevor Philipps, war ein regelrechter Psychopath. Auch bei den Missionen wurde es oftmals schrill – zumindest eine davon verstieß in den Augen vieler aber gegen die Grenzen des guten Geschmacks.
In der Mission „By the book“ nehmen Trevor und seine Freunde Michael und Franklin einen Informanten gefangen und sollen wertvolle Informationen aus ihm „herauskitzeln“. Die geschieht allerdings nicht mit einer Feder, sondern mit waschechter Folter. Ähnlich interaktiv wie bei „Hot Coffee“ muss der Spieler nach und nach verschiedene Werkzeuge wie Elektroschocks, Waterboarding, Zahnziehen etc. an dem Opfer ausprobieren.
Die Mission löste weltweit eine kontroverse Diskussion um Gewalt in Videospielen aus. Zahlreiche Boykottaufrufe und negative Berichterstattung hatten aber keinen Einfluss auf das Verhalten von Rockstar oder die Verkaufszahlen von GTA V. Im Gegenteil: Das Spiel wurde mit über 200 Millionen verkauften Einheiten der bislang meistverkaufte Teil der Reihe.
Wird auch GTA VI über die Stränge schlagen?
Während Millionen von Vorbestellern und weitere Fans nach 13 langen Jahren dem Launch von GTA VI sehnsüchtig entgegenfiebern, stellt sich für viele auch die Frage: Wird der neueste Teil vergleichbar „edgy“ sein wie seine Vorgänger? Wie Rockstar anhand einiger Trailer bereits klargestellt hat, wird der Ableger, der erneut in der Gegend um Vice City spielt, wieder eine riesige Welt und unzählige Aktivitäten abseits der rund 80 Stunden langen Hauptstory bieten. Da sollte also einiges an Platz für verrückte, kontroverse Ideen sein – allerdings war in dem Promotionsmaterial davon bislang nicht wirklich etwas zu sehen.
Die Präsentation der Story um das Liebespaar Lucia und Jason, welches in der Unterwelt als eine moderne Variante von „Bonnie & Clyde“ durchstarten möchte, wirkt zwar grafisch umwerfend und filmisch-hochklassig umgesetzt. Allerdings hat sie abseits einiger vereinzelter Witze wie GTA IV wieder eine eher ernsthafte Note. Ob das im fertigen Spiel auch wirklich so sein wird, bleibt abzuwarten, ebenso wie die Reaktionen der Fans. Nach 13 Jahren hat sich die Welt in vielerlei Hinsicht eben auch bedeutend geändert. Und wenn selbst die Macher der extrem satirischen Serie „South Park“ schon mal anmerken, dass die Realität heute oft so verrückt ist, dass man sie eigentlich nicht mehr wirksam persiflieren kann, könnte vielleicht auch Rockstar mittlerweile Probleme bekommen, die Spieler wirklich zu schocken.
