VfB-Frauen in der MHP-Arena
: Unterschied zu Spielen der Männer? „Hier hat es deutlich weniger Bierflaschen“

Premiere in der MHP-Arena: Die VfB-Frauen stellen bei ihrem ersten Spiel im großen Stadion einen neuen Besucherrekord auf. Wie unterscheidet sich die Atmosphäre von den Männerspielen?
Von
Yelin Türk
Stuttgart

Beim Spiel der Frauenmannschaft des VfB Stuttgart gegen die Frauen vom Mainz 05 war das Publikum geprägt von Familien mit Kindern.

Christian Hass Stuttgart Lichtgut

Es geht ruhiger zu als sonst vor der MHP-Arena in Bad Cannstatt. Während im Stadion erste Pauken ertönen und schon Feuerwerke gezündet werden, grölen draußen Fans Parolen ihres Lieblingsclubs – ganz ohne Alkohol und mit ungewöhnlich jungen Stimmen. Die Menschenmassen sind an diesem Tag vor allem geprägt von Familien mit Kindern.

Für die Damen des VfB Stuttgart ist das Spiel gegen Mainz 05 an diesem Tag ein ganz besonderes. Sie spielen zum ersten Mal in der großen, 60.0000 Zuschauer fassenden, MHP-Arena. Sonst trägt die Frauenmannschaft ihre Spiele auf dem Sportgelände des PSV Stuttgart aus. Der Verein hat es sich bei diesem Highlightspiel zum Ziel gemacht, einen neuen Besucherrekord für die 2. Frauen-Bundesliga aufzustellen. Mit 31.736 verkauften Tickets ist es ihm gelungen.

„Hier gibt es deutlich weniger Bierflaschen als sonst“

Die Stimmung vor dem Spiel ist ruhig. „Hier ist es super entspannt“, sagt Monika Meissner. Sie ist die Trainerin eines Frauenfußballvereins aus Spaichingen. Zu dem Spiel ist sie mit ihrem gesamten Team angereist. Sie alle sind sich bei einem Punkt besonders einig: „Hier gibt es deutlich weniger Bierflaschen als sonst.“

Die Spaichinger Hobby-Fußballerinnen sind gekommen, um die Frauen des VfB Stuttgart anzufeuern.

Foto: Christian Hass Stuttgart Lichtgut

Ihren Verein haben die Damen im Jahr 2011 gegründet. Manche haben bereits in ihrer Jugend gespielt, andere kannten den Sport vor allem durch ihre Kinder. „Von Trainerkollegen kamen damals Sprüche wie ‚Euch gibt es eh nicht lang‘“, erinnert sich Meissner heute. Deswegen wollen sie beim Spiel mitjubeln, um die Stuttgarterinnen zu unterstützen. Das Ansehen des Frauenfußballs habe sich zwar etwas verbessert, finden sie, der Sport müsse sich aber noch weiterentwickeln. „Es wäre schön, wenn die Spielerinnen ein ähnliches Gehalt bekommen, wie die Männer“, sagt Margit Freudenberger, eine der Spielerinnen aus Spaichenberg.

„Ich bin dazu überredet worden“ – Fans und Familien fiebern mit

Weniger Enthusiasmus hat ein Zuschauer, der namentlich nicht genannt werden möchte. „Ich bin dazu überredet worden, hierherzukommen“, sagt er. Er sei kein großer Fan des Frauenfußballs, will an diesem Tag aber dennoch die VfB-Damen unterstützen. Glücklicher sind die jungen Schwestern Lilly und Emily Stierle. Beide spielen ebenfalls in einem Verein Fußball. Für jüngere Zuschauerinnen und Zuschauer wie sie hat der VfB im Außenbereich des Stadions für reichlich Vergnügen gesorgt, zum Beispiel mit Tippspielen oder Torwandschießen. Die beiden Mädchen und ihre Eltern hoffen auf einen Sieg der Stuttgarterinnen und auf einen zukünftigen Aufstieg.

Schwestern Emily (links) und Lilly spielen auch Fußball im Verein.

Foto: Christian Hass Stuttgart Lichtgut

Darauf hoffen auch die Geschwister Tom, Leo und Mia mit ihrem Vater Stephan. Alle drei Kinder haben die Liebe zum VfB Stuttgart von ihrem Papa geerbt. Sie würden sich eher als Fans der Männermannschaft bezeichnen, unterstützen aber auch die Damen. Stephan findet die Atmosphäre im Vergleich zu den Spielen der Männer ähnlich. „Ich bin aber gespannt auf die Stimmung im Stadion“, sagt er. Bei den beiden Jungen ist die Vorfreude besonders groß, auch weil sie vor dem Spiel bei der Stadionrunde mitmachen dürfen. „Ich hoffe, dass das Team gut spielt“, sagt Leo. „Mama kann das nämlich gar nicht.“

Tom, Leo und Mia haben die Liebe zum VfB von ihrem Vater Stephan in die Wiege gelegt bekommen.

Foto: Christian Hass Stuttgart Lichtgut

Die 13-jährige Haley spielt auch Fußball. Sie ist mit ihrer Schwester Sidney, ihrer Mutter Anja und mehreren französischen Austauschschülerinnen zum Spiel gekommen. Haley freut sich, dass so viele Zuschauende gekommen sind: „Die Frauen spielen ja auch einfach Fußball, das ist genauso wie bei den Männern.“ Im Vergleich zu den Spielen der Männer sei es deutlich leiser, finden die beiden Schwestern. „Sonst wäre es im Stadion jetzt schon laut, und man würde die Gesänge von den Ultras hören“, sagt Haley.

Jubel und Spannung: Frauenfußball begeistert in Stuttgart

Im Stadion wird es zwar nicht so laut wie bei den Männern, das Publikum bleibt aber auch nicht leise. Gleich zu Beginn des Spiels werden sowohl die Gastgeberinnen als auch die Mainzer Gäste unter Jubel begrüßt. Und auch während des Spiels wird es nicht leiser. Zuschauerinnen und Zuschauer beklatschen jede Ballannahme, jeden Konter und jedes Dribbling aufs Mainzer Tor.

Haley spielt auch Fußball. Sie ist mit ihrer Schwester Sidney (rechts) und ihrer Mutter Anja (links) zum Spiel gekommen.

Foto: Christian Hass Stuttgart Lichtgut

Auch wenn die Stuttgarterinnen sich letztendlich nicht gegen die Mainzerinnen durchsetzen können (Entstand 2:4), lässt sich das junge Publikum auf den Tribünen nicht entmutigen. Als Dank für das Rekordpublikum schießen die VfB-Frauen nach dem Spiel kleine Fußbälle ins Publikum. Sollten sie es in dieser Saison schaffen, in die Bundesliga aufzusteigen, möchte der Verein ihre Spiele in Zukunft im Gazi-Stadion in Degerloch austragen. Wenn also alles klappt wie geplant, können die Spielerinnen des VfB in Zukunft regelmäßig vor einem größeren Publikum spielen.

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