TSG Balingen: Ralph Conzelmann und der Kern der TSG-DNA

Ralph Conzelmann, stellvertretender Vorsitzender der TSG Balingen (re.), spricht über die sportliche Zukunft des Vereins. In der kommenden Saison will die TSG in der Fußball-Oberliga wieder erfolgreich sein und jubeln.
Eibner/KaraDie meisten kennen Ralph Conzelmann als schlagfertigen Fragesteller, der bei der TSG Balingen die Pressekonferenz leitet und im Rahmen seines eigenen Social-Media-Formats, „Ralphs Doppelspitze“, das eine oder andere Spieler-Interview führt.
Tatsächlich dürfte kein aktiver TSGler den Balinger Oberliga-Verein länger und vermutlich besser kennen als der 57-Jährige.
Mit Conzelmann, dem stellvertretenden Vorsitzenden der TSG, sprach Marcel Schlegel.
Seit über einem Vierteljahrhundert begleiten Sie die TSG. Zunächst noch als Berichterstatter, ehe Sie gewissermaßen die Seiten wechselten und selbst verschiedene Funktionärsposten im Verein übernahmen. Nehmen Sie uns mal mit in die Anfangszeit.
Ralph Conzelmann: Als Sportjournalist durfte ich die TSG seit Ende der 80er-Jahre verfolgen, als regional geprägter Fußballaffiner begleitet man die Entwicklungen in der Heimat ohnehin. Als damalige Funktionäre habe ich prägend die Vorstände Kurt Schowalter (1989-1995, d. Red.), Walter Meinlschmidt (1997-2000, d. Red.), alle Trainer natürlich, zuvorderst den Spieler und langjährigen Trainer Karsten Maier in Erinnerung. Anfang der 2000er kam ich selbst direkt zur TSG, nachdem sich die Dinge bei meinem Herzensverein FC Tailfingen und im späteren FC 07 Albstadt nicht so entwickelt haben, wie es möglich und von mir gewünscht worden war.
Wie hat sich der Verein in all den Jahren verändert?
Das breite öffentliche Interesse hat spürbar zugenommen, die TSG Balingen hat sich zu einer stabilen Fußballgröße in Württemberg und darüber hinaus entwickelt. Im Kern handelt es sich damals wie heute um einen familiär geprägten Klub. Jede Aufwärtsentwicklung bringt mit sich, dass sich im Dunstkreis Trittbrettfahrer hinzugesellen. Diese zu filtern, ist eine Stärke der TSG.
Auch die Mannschaft und deren Ausrichtung hat sich in all den Jahren gewandelt, wenn man das Team der vergangenen Saison etwa mit jenem Kader vergleicht, der 2008 erstmals in die Oberliga aufstieg – mit Vereinsikonen wie Turan Sahin, Manuel Pflumm oder Jörg Schreyeck, um nur drei Namen aus der TSG-Geschichte zu nennen.
Sahin hieß in der vorigen Runde Halim Eroglu, Pflumm Matthias Schmitz und Schreyeck Ivo Colic. Veränderung ist Teil der Geschichte. Man kann nicht von der Tradition leben, aber mit ihr. Unser Verein wird vom Ehrenamt getragen. Das ist der Kern der DNA.
Als Teil des Vorstands hat man Einfluss, auch im Hinblick auf mögliche Veränderungen. Welche haben Sie sich vorgenommen?
Wir streben bestmögliches fußballerisches Niveau mit regionaler Prägung an. Auf und neben dem Platz.
Das Zuschauerinteresse könnte sicher besser sein, oder?
Im Branchenvergleich erkenne ich keinen Verein, der mit vergleichbaren Mitteln und ähnlicher Herkunft mehr Zuschauer mobilisiert. Unbestritten ist, dass wir uns mehr Resonanz wünschen. Mit der Rückkehr zu mehr Regionalität, mit größerer Nähe, mit positiven Erlebnissen und Ergebnissen wird uns eine Steigerung gelingen. Wir wollen nicht fordern, sondern liefern.
Die vorerst letzte Regionalliga-Saison war von Rückschlägen geprägt. Obschon die Mannschaft ansehnlich kickte, stieg sie nach dem Wiederaufstieg auch direkt wieder ab, als Tabellenvorletzter. Woran lag’s?
Im Endeffekt hätten wir Kickers Offenbach hinter uns lassen müssen. Das wäre mit ein paar Punkten mehr ebenso wenig geglückt. Einerseits. Andererseits, siehe 1860 München und Ulm, hätte nicht viel gefehlt, dass der viertletzte Tabellenplatz zum Klassenverbleib gereicht hätte. Diesen Schuh müssen wir uns anziehen: Wäre der Fall eingetreten, hätten zwei Punkte gefehlt. Die Diskussion darüber ist indes obsolet. Dass wir aber an Offenbach kratzen und uns mit einem Millionenetat messen, kann keine seriöse Forderung sein.
Nun geht’s wieder mehr in Richtung TSG-DNA, mehr eigener Nachwuchs, mehr Region. War das auch Ihr Wunsch?
Talent darf nicht verhindert werden. Wer aus der Region stammt, zudem aus den eigenen Reihen kommt, muss seine Chance bekommen. Das sind wir den Jungs schuldig, ihren Trainern, ihren Eltern, unserer Gegend. Wir leben in einer fabelhaften Region, das haben längst nicht alle verstanden bis dahin. Und wir können auch Fußball. Schon immer. Das werden wir in der kommenden Saison zeigen.
Wo sehen Sie die Mannschaft am Ende der anstehenden Oberliga-Saison?
Als Absteiger geht es im ersten Schritt darum, Boden unter die Füße zu bekommen. Wir freuen uns auf jedes Spiel, auf jeden Gegner, auf jeden Zuschauer. Und wir werden mehr Spiele gewinnen als verlieren.