Bisingen
: Ampel-Steaks und Ampel-Hickhack

Konflikt: Auseinandersetzung um Stromrechnung: Geflügelhof Fecker erzielt Einigung mit Landratsamt
Von
Alexander Kauffmann
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

"Ampel-Steaks" mit roter, grüner und gelber Marinade hat Sabrina Fecker-Seibold vom Bisinger Geflügelhof Fecker in ihr Sortiment aufgenommen. Grund: Ärger mit dem Landratsamt um den Strom für die dortige Ampelanlage. Foto: Kauffmann

Schwarzwälder Bote

Die "Ampel-Steaks" sind der herzhafte Schlussstrich eines monatelangen Hickhacks beim Geflügelhof Fecker in Steinhofen an der Einmündung der B 463 zur B 27. Inzwischen ist der Tonfall versöhnlich geworden.

Bisingen-Steinhofen. Was ist passiert?Es ist Mitte vergangenen Jahres, als Bauarbeiter eine Ampelanlage beim Geflügelhof Fecker installieren. Sabrina Fecker-Seibold ist verdutzt. Offenbar soll für den Strom, der die Ampel versorgt, der Fecker-Hof angezapft werden. Fecker-Seibold hat die Bauarbeiter gewähren lassen: "Die Ampel ist sinnvoll und macht den Verkehr sicherer." Oftmals ist sie als Ersthelferin vor Ort. Das Erste-Hilfe-Set liegt griffbereit. Außerdem versichert man Fecker-Seibold, dass es sich nur um eine vorübergehende Maßnahme handle, bis die Arbeiten an der Baustelle an den Bundesstraßen beendet seien. Durch ein gekipptes Fenster haben die Bauarbeiter den Stecker der Ampel an einer normalen Steckdose, wie sie zuhause jeder hat, angeschlossen.

Das Ende der Baustelle ist zwar gekommen, und die Ampelanlage ist stehen geblieben – hat man beim Landratsamt doch erkannt, dass diese die Kreuzung sicherer macht. Die Ampel ist zur Dauerlösung geworden. Fecker-Seibold weiß davon indes nichts. Landrat Günther-Martin Pauli hat inzwischen auch öffentlich eingeräumt, dass die Kommunikation hätte besser laufen können.

Weil die Anlage länger stehen soll, kommt auch das Provisorium mit dem Stromkabel durch das gekippte Fenster auf den Prüfstand: Die Steckdose liegt im Stall und im Winter kann das Fenster nicht geöffnet bleiben. Mitarbeiter eines Energiedienstleisters haben darauf eine separate Steckdose mit Zähler an der Außenwand installiert.

Mit den Problemen aber nicht genug: Weil der Anschluss frei zugänglich ist, seien ab und an "Scherzkekse" gekommen, die den Stecker zum Spaß gezogen haben – und damit die Ampel stundenlang außer Betrieb setzen. Wegen der Nahrungsmittelautomaten herrsche vor allem in den Abend- und Nachtstunden viel Publikumsverkehr vor dem Hof. Und: Bei Regen habe es, wie Fecker-Seibold weiter erzählt, immer wieder Kurzschlüsse gegeben, die die Leuchtsignale ebenfalls lahm legten.

Dass die Anlage bleiben soll, ist also klar, wer den Strom bezahlt, hingegen nicht. Zunächst erhielt Fecker-Seibold nämlich keinen Cent. Zwar habe es eine Gesprächsrunde im Landratsamt gegeben, aber die Stromrechnung musste sie weite begleichen. In einer E-Mail an den Ersten Landesbeamten schrieb sie am 30. Oktober vergangenen Jahres: "Sollten Sie diese Mail ebenfalls ignorieren, und die offenstehende Rechnung nicht anweisen, werden wir am 12. November den Strom abstellen." Noch am gleichen Tag erhielt sie eine Antwort: Die Rechnung werde beglichen. Und fortan regelmäßig. 250 Euro hat Fecker-Seibold seit Juni 2018 in Rechnung gestellt.

Doch der Fall ist damit noch lange nicht abgeschlossen. Aus einem anderen Grund ist Fecker-Seibold nämlich im Kontakt mit dem Bauamt des Landkreises, das ihr sagte, eine solch private Stromlieferung sei gar nicht erlaubt – und das, obwohl der Stromanschluss auf Geheiß des Landratsamts gelegt worden ist.

Es kommt noch dicker: Weil mehrere Kurzschlüsse die Ampel immer wieder ausgeschaltet haben, hat sich auch die Verkehrsbehörde eingeschaltet. Diese gab Fecker-Seibold zu verstehen, dass sie sich strafbar mache, wenn sie den Stecker ziehe – was laut Fecker-Seibold aber nicht den Tatsachen entspreche. Nun ist bei der Staatsanwaltschaft Hechingen ein Verfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr anhängig. Diese Woche stand ein Vernehmungstermin beim Polizeiposten Bisingen an. Wahrgenommen wurde dieser jedoch nicht. Der Anwalt will erst die Akten sichten.

Und doch: Mit Landrat Pauli hat sie sich inzwischen ausgesprochen – der Konflikt mit dem Landratsamt ist beigelegt. Fecker-Seibold: "Wir sind alle Menschen und machen alle mal einen Fehler."

Wegen des Ampel-Hickhacks hat sie nun eigens die "Ampel-Steaks" kreiert: mit Paprika (rot), Curry (gelb) und Kräutern (grün) marinierte Steaks. Bisher hat sie schon gut 280 Packungen verkauft. Vom Preis jeder Packung geht ein Euro an eine wohltätige Organisation. Welche das sein wird? Das weiß sie noch nicht.

Aber sie hat schon mal die Idee, das Geld zusammen mit Landrat Pauli zu überreichen – es wäre der herzhafte Abschluss eines langen Ampel-Hickhacks.

Übrigens: Die 250 Euro, die sie vom Landratsamt für den Strom erhalten hat, hat sie auch schon gespendet – an die Deutsche Knochenmarkspenderdatei.

 Viele Unfälle

Die beiden Einmündungen B27/B463 bei Steinhofen sollen umgebaut werden. Die Unfallgefahr an der Kreuzung ist hoch: Insbesondere beim Abbiegen nach links kracht es immer wieder. Zwei neue, geplante Kreisverkehre sollen Abhilfe schaffen. Erstmals wurde im Kreistag Ende 2013 über den Umbau der Einmündungen beraten. Damals stand allerdings noch nicht fest, welche Variante gewählt werden sollte. Was der Kreistag allerdings beschloss, war die Aufstufung der Kreisstraße zwischen den beiden Einmündungen zur Bundesstraße.

  Investitionsprogramm

Im Sommer 2017 schließlich hat der Kreistag sein Investitionsprogramm für Kreisstraßen beschlossen. Darunter fällt der geplante Bau der beiden Kreisverkehre. 1,2 Millionen Euro sind für die komplette Maßnahme veranschlagt, 30 Prozent trägt der Kreis, den Löwenanteil der Bund. Nach dem Abzug von Zuschüssen verbleiben beim Kreis Kosten von etwa 240 000 Euro. Sobald die Planungen abgeschlossen sind, sollen die Arbeiten im Herbst 2019 ausgeschrieben werden. Ende des Jahres/Anfang 2020 könnte mit den Bauarbeiten begonnen werden.

ZAK News
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Zollernalbkreis Montag bis Samstag im kompakten Überblick.