FIFA-Präsident
: Machtkampf ohne Herausforderer: Wann kommt der „Anti-Infantino“?

Noch ist der „Anti-Infantino“ nicht gefunden, doch die UEFA versprüht Optimismus. Gelingt der Sturz des FIFA‑Alleinherrschers – oder läuft die Zeit davon?
Von
red/sid
Berlin
Gianni Infantino: Fifa-Präsident Gianni Infantino nimmt an der Abschlusszeremonie der Esports-Weltmeisterschaft teil. (zu dpa: «Europas Machtkampf mit Infantino - So geht es weiter»)

FIFA-Präsident Gianni Infantino kämpft um seine Macht und wirbt weltweit um Unterstützung für eine weitere Amtszeit (Archivfoto).

Teresa Suarez/Pool EPA via AP/dpa
  • UEFA sucht einen Gegenkandidaten für Gianni Infantino, doch bisher ist keiner gefunden.
  • Die Nominierungsfrist endet am 18. November – eine Alternative soll Anfang November stehen.
  • Reformvorschläge zielen auf Governance, Kontrolle und Geldverteilung, Druck steigt auf Infantino.
  • Norwegische Ethikbeschwerde und geplante Strafanzeige sollen zusätzlichen Druck erzeugen.
  • Infantino sammelt weltweit Unterstützung, Afrika sagt zu, AFC-Chef Salman nähert sich offenbar an.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Aleksander Čeferin ließ es sich im Kreis seiner selbst geschmiedeten Anti-Infantino-Allianz gut gehen. In einer stylishen Eventlocation unweit des Potsdamer Platzes in Berlin stieß der Slowene mit DFB-Chef Bernd Neuendorf und den anderen Rebellen auf seine UEFA-Kandidatur, die große Einigkeit in Europa und das Reformpaket für den FIFA-Machtkampf an. Für einen perfekten Abend fehlte nur eines noch immer: ein Gegenkandidat, der Gianni Infantino stürzen kann.

Obwohl die Europäische Fußball-Union (UEFA) darauf beharrt, eine Alternative zum FIFA-Alleinherrscher für die Wahl im März 2027 ins Rennen zu schicken, bleiben Zweifel. Nicht zuletzt, weil während des Dinners der UEFA-Bosse publik wurde, dass Victor Montagliani nochmals als CONCACAF-Chef kandidieren und damit nicht als Infantino-Gegner zur Verfügung stehen werde. Über mögliche Herausforderer wollte oder konnte rund um den UEFA-Gipfel in der Hauptstadt niemand sprechen.

Am 18. November endet die Nominierungsfrist, und bekannt sind bislang nur die Kriterien für einen Kandidaten und die Ankündigung des Schweizer Ex-Profis Ramon Vega, bei dem fraglich ist, ob ihm überhaupt die Aufnahme auf den Wahlzettel gelingt. Anfang November tagen die Europäer nochmals, danach soll die mit Spannung erwartete Alternative feststehen. Möglicherweise setzen die Europäer darauf, ihren Kandidaten erst möglichst spät zu präsentieren. Doch bleibt dann genug Zeit, um Mehrheiten in der gespaltenen Fußballwelt zu organisieren?

UEFA erhöht Druck auf Infantino

Österreichs Verbandschef Josef Pröll zeigte sich „felsenfest“ überzeugt, „dass wir einen entsprechenden Kandidaten finden können“. Dazu verdeutlichen die Reformvorschläge der UEFA für den Weltverband laut Neuendorf, wie eine FIFA aussehen müsse, „die dem Fußball wirklich hilft und nicht schadet“. Diese zielen unter anderem auf die institutionelle Governance, die Entscheidungsfindung, Kontrolle und Rechenschaftspflicht sowie die Verteilung der Gelder ab. Zur Wahrheit gehört auch: Vor zwei Jahren wurden beim Kongress des Weltverbandes unter Mithilfe vieler europäischer Verbände zahlreiche Reformen zurückgedreht, die infolge des FIFA-Skandals von 2015 eingeführt worden waren.

Mit ihrem neuen Paket wollen die Europäer um Neuendorf Infantino am Donnerstag bei der ersten Sitzung des FIFA-Councils seit dem geplatzten Investorendeal konfrontieren. Die UEFA, die bei den Reformideen nach eigenen Angaben alle 55 Mitglieder bis auf Aserbaidschan hinter sich weiß, kämpft an mehreren Fronten: Die norwegische Ethikbeschwerde sowie die Vorbereitung einer Strafanzeige gegen Infantino in Zusammenhang mit dem WM-Investorenplan sollen Druck erzeugen.

Infantino sammelt Unterstützung für seine Wiederwahl

Doch Infantino gewinnt allmählich die Kontrolle zurück. Der Schweizer, der auf den FIFA-Machtapparat und einen katarischen Privatjet zurückgreifen kann, zeigt sich öffentlich unbeeindruckt und ist fleißig auf Wahlkampftour. Erst am Donnerstag ließ er sich die afrikanische Unterstützung bestätigen. Dass sich dazu Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa, Präsident der asiatischen Konföderation AFC und bislang in der Infantino-Opposition, wieder anzunähern scheint, wurde im Lager des FIFA-Chefs positiv aufgenommen.

Interessiert dürfte Infantino auch Ceferins Ankündigung, für eine beispiellose vierte Amtszeit an der UEFA-Spitze zu kandidieren, verfolgt haben – obwohl dieser 2024 bekannt gegeben hatte, nicht mehr antreten zu wollen. Die Kandidatur ist nur möglich dank einer viel diskutierten Statutenänderung vor zwei Jahren, durch die seine erste Amtsperiode (2016 bis 2019) nach dem Rücktritt von Michel Platini nicht unter die Beschränkung von drei Amtszeiten fällt. Die UEFA argumentierte, dass die Anpassung aus rechtlichen Gründen notwendig sei.

Infantino, seit 2016 im Amt, wird das bekannt vorkommen – er kann diesmal nur erneut kandidieren, weil die FIFA vor vier Jahren eine ähnliche Entscheidung traf.